28. Mai 2019 / 22:16 Uhr

Vier England-Teams in europäischen Endspielen - Eindruck der Dominanz täuscht

Vier England-Teams in europäischen Endspielen - Eindruck der Dominanz täuscht

Hendrik Buchheister
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Keiner der vier Final-Trainer in den europäischen Wettbewerben kommt aus England.
Keiner der vier Final-Trainer in den europäischen Wettbewerben kommt aus England. © Getty Images
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Mit dem FC Liverpool, Tottenham Hotspur, dem FC Arsenal und dem FC Chelsea stehen gleich vier englische Teams in den Endspielen der beiden europäischen Wettbewerbe. Da könnte man schnell meinen, der Fußball von der Insel hätte den restlichen Nationen den Rang abgelaufen - oder nicht?

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Es passiert Historisches in dieser Woche. Zum ersten Mal treffen in den Finals der Europa League und der Champions League vier Mannschaften aus dem gleichen Land aufeinander, und zwar aus England. An diesem Mittwoch spielen der FC Arsenal und der FC Chelsea in Baku in Aserbaidschan den Gewinner des kleineren der beiden internationalen Wettbewerbe aus. Am Samstag streiten in Madrid der FC Liverpool und Tottenham Hotspur um den Sieg in der Königsklasse. Logisch, dass von einer neuen englischen Dominanz gesprochen wird. Doch stimmt das wirklich? Bricht tatsächlich gerade eine Epoche der englischen Vormachtstellung an?

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Selbst die patriotischen Kommentatoren auf der Insel haben da Zweifel. Sie wissen, dass der Triumphzug des englischen Fußballs von Facharbeitern aus dem Ausland angeführt wird. Keiner der vier Finalteilnehmer wird von einem Engländer trainiert. Die Architekten des Erfolgs kommen aus Deutschland, Argentinien, Italien und Spanien. Sie heißen Jürgen Klopp (Liverpool), Mauricio Pochettino (Tottenham), Maurizio Sarri (Chelsea) und Unai Emery (Arsenal). Englands Meister Manchester City, in Europa noch im Wartestand, national seit zwei Saisons das Maß der Dinge, wird ebenfalls von einem Spanier unterrichtet, nämlich von Pep Guardiola.

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CL- und EL-Halbfinale: Nur acht Engländer in der Startelf

Auch die Spieler sind zum Großteil importiert. Bei den Halbfinal-Rückspielen von Liverpool, Tottenham, Chelsea und Arsenal standen zusammen gerade einmal acht Engländer in der Startelf. Nationaltrainer Gareth Southgate hat deshalb gerade erst Alarm geschlagen – nicht zum ersten Mal. Er nennt den Mangel an heimischen Profis in der englischen Liga "eine große Gefahr für uns" – obwohl seine Mannschaft gerade bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland groß aufspielte und Talente wie Jadon Sancho (Borussia Dortmund) überzeugen.

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"Three Lions on the shirt..." Wie bei jedem Turnier gehen die Engländer wieder als Mitfavoriten in die WM. Zahlreiche Tragödien und einige Erfolge prägen die Geschichte der englischen Nationalmannschaft - und zahlreiche bekannte Spieler. Wir haben 15 der größten England-Stars unter die Lupe genommen und uns gefragt: Was machen sie eigentlich heute? Das Ergebnis findet ihr in der Galerie - klickt euch durch! ©

Die Grundlage des Erfolgs der Vereine aus der Premier League sind die finanziellen Möglichkeiten, doch auch diese reichen nicht als Erklärung. Tottenham Hotspur beispielsweise gab in dieser Saison nicht einen Cent für neue Spieler aus und steht dennoch im Finale der Champions League. Manchester United dagegen befindet sich trotz massiver Ausgaben seit Jahren in der Krise. Entscheidend ist, dass Klubs wie Liverpool und Manchester City ihr vieles Geld mittlerweile geschickt einsetzen (wobei bei City unklar ist, ob die Ausgaben im Einklang mit den Finanzregeln der UEFA stehen). Über allem thront die langfristige Philosophie der Trainer Klopp, Guardiola oder Pochettino.

Arsenal und Chelsea mitten im Umbruch

Den Finaleinzug von Arsenal und Chelsea als Beweis für eine neue Dominanz der Engländer zu deuten, ist gewagt. Beide Teams sind im Umbruch. Arsenal könnte die erste Saison in der Ära nach Arsène Wenger mit einer europäischen Trophäe veredeln, hat aber noch viel Arbeit vor sich, um wieder zur nationalen und internationalen Spitze aufzuschließen. Chelsea hat zwar gute Ergebnisse eingefahren in der Premierenspielzeit von Trainer Sarri, dennoch ist er umstritten. Dazu steht der beste Spieler des Teams, Eden Hazard, vor einem Wechsel zu Real Madrid.

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Und überhaupt: Es muss sich zeigen, wie nachhaltig der Erfolg der Engländer im Europapokal ist. Als sie die Champions League vor einem Jahrzehnt zuletzt dominierten, konnten sie das nur unzureichend in Pokale umwandeln. Zwischen 2007 und 2009 standen dreimal nacheinander drei englische Teams im Halbfinale. Nur Manchester United (2008) triumphierte damals. 2012 dagegen schaffte es nur ein Vertreter der Premier League bis ins Viertelfinale, nämlich Chelsea – und genau dieser Klub trug am Ende die Trophäe davon. Der Triumph war ein Ausreißer, kein Zeichen von Dominanz. Seitdem konnte keine englische Mannschaft die Königsklasse mehr gewinnen.

Das wird sich in dieser Saison ändern. Es ist sicher, dass der Titel der Champions League und der Europa League auf der Insel landen. Doch um den kontinentalen Fußball wirklich zu beherrschen, braucht es mehr. Zur Erinnerung: In den vergangenen zehn Jahren kam der Gewinner der beiden Wettbewerbe insgesamt 13-mal aus Spanien.

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