17. November 2021 / 19:42 Uhr

Champions League der Frauen: Fünfstellige Zuschauerzahlen gibt's nur anderswo

Champions League der Frauen: Fünfstellige Zuschauerzahlen gibt's nur anderswo

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Champions League im AOK-Stadion: Gegen Genf waren knapp 900 Fans dabei, heute werden es gegen Turin etwa 1500 – Ralf Kellermann (r.) wünscht sich deutlich mehr. 
Champions League im AOK-Stadion: Gegen Genf waren knapp 900 Fans dabei, heute werden es gegen Turin etwa 1500 – Ralf Kellermann (r.) wünscht sich deutlich mehr.  © Roland Hermstein
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Die Champions League der Frauen lockt anderswo mehr Fans an als in Deutschland. Vor dem Spiel des VfL Wolfsburg gegen Juventus Turin sagt Ralf Kellermann: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Anschluss verlieren."

VfL Wolfsburg gegen Juventus Turin - im AOK-Stadion steigt am Donnerstag (18.45 Uhr) das zweite Heimspiel des deutschen Frauenfußball-Vizemeisters in der neuen Champions-League-Gruppenphase. Das erste Heimspiel hatte mit einem 5:0 gegen Genf einen sportlichen Erfolg für den VfL gebracht - mit knapp 900 Zuschauerinnen und Zuschauern aber eine eher mäßige Kulisse. Das ist kein reines VfL-Problem: An den ersten drei Spieltagen der Königsklasse wurden sechs der insgesamt 24 Spiele von weniger als 1000 Leuten besucht, darunter alle Heimspiele der drei deutschen Vertreter. Von Rekordzahlen, wie sie Paris (18.400 Zuschauende gegen Real), Juventus (16.800 gegen Chelsea, 12.800 gegen Wolfsburg) oder Genf (12.800 gegen Chelsea) erreichen, sind der VfL, Bayern München und Hoffenheim weit entfernt.

"Wir stellen fest", so Ralf Kellermann, sportlicher Leiter der VfL-Frauen, "dass diese Champions League in anderen Ländern eine andere Wahrnehmung und einen anderen Stellenwert hat, damit auch eine andere Euphorie auslöst. Da sind wir gefordert. " Immerhin: Die Zahlen in dieser Woche sorgen für einen positiven Trend: In Wolfsburg werden am Donnerstag über 1500 Fans gegen Juve erwartet, Hoffenheim hatte am Mittwochabend gegen Titelverteidiger Barcelona 2200 Zuschauerinnen und Zuschauer.

Doch anderswo werden auch fünfstellige Zahlen erreicht - unter anderem bei den VfL-Gruppenrivalen Juventus und Genf. Dort tragen die Frauen ihre CL-Spiele in den großen Stadien der Männer aus. Das allein erklärt den großen Zuspruch nicht, aber, so Kellermann: "Die Spiele dort oder auch in Lyon und Paris werden in Sachen Aufwand, Organisation und Vermarktung kaum anders behandelt als die Champions-League-Spiele der Männer." Man erkenne das beispielsweise an der Zahl der Ordner oder auch daran, dass in Turin Juve-Präsident Andrea Agnelli ganz selbstverständlich im VIP-Raum dabei ist und dass in Paris auch die Anhänger der PSG-Männermannschaft in großer Zahl Stimmung im Stadion machten. Und in Genf konnte man beobachten, dass zum Spiel der Königsklasse gegen Chelsea mehr als zehnmal mehr Menschen kamen als zu einem normalen Ligaspiel. "Da kann man dann ahnen, was die da auf die Beine stellen."

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Rein sportlich bietet der Wettbewerb selbst genug Potenzial. In den Gruppen geht es spannend zu, Partien wie etwa das 2:2 des VfL vergangene Woche in Turin zeigten Frauenfußball auf Top-Niveau. Bei DAZN und Youtube, wo alle Spiele live zu sehen sind, ist man bisher mit der Reichweite zufrieden, der Standard der Übertragungen ist hoch, Frauenfußball wird immer mehr als ein sehr gut vermarktbares Produkt anerkannt. Kellermann: "Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht den Anschluss verlieren - und wir sollten jetzt schon die richtigen Schlüsse ziehen für die nächste Saison, wenn wir dann hoffentlich wieder dabei sind." Abhängig von der Entwicklung der Corona-Lage wäre darum sein Wunsch: "Wir sollten uns ehrgeizige Ziele setzen. Beispielsweise in zwei der drei Gruppenspiele das AOK-Stadion sehr gut zu füllen - und mit einem Highlight-Spiel in die Arena zu gehen, um dort eine fünfstellige Zuschauerzahl zu erreichen. Wenn wir als Verein da richtig Gas geben, dann ist das machbar."

Und das wäre nicht nur wichtig, um den Stellenwert des Frauenfußballs am Standort Wolfsburg zu verdeutlichen - es hätte auch handfeste sportliche Vorteile. "Wir haben in Turin gesehen, wie entscheidend der Heimvorteil mit einer großen, stimmungsvollen Kulisse sein kann", so Kellermann. "Außerdem sind volle Stadion mit guter Stimmung auch immer ein Argument, wenn man Spielerinnen zum Verein locken will. Wenn sich beispielsweise eine talentierte Fußballerin aus Skandinavien heute zwischen Turin und Wolfsburg entscheiden müsste und sich dann die Juventus-Spiele in der Champions League anguckt, glaube ich nicht, dass wir da die besseren Karten hätten."

VfL-Trainer Tommy Stroot sieht es ähnlich: „Wenn wir schauen, dass 12 000 Zuschauer bei unserem Spiel in Turin waren: Dann macht das etwas mit den Spielerinnen oder auch mit potenziellen neuen Spielerinnen aus dem Ausland, die vor der Frage stehen: Wohin gehe ich?" Da seien "nicht nur wir als Vereine, sondern der ganze DFB gefordert, um Marketingstrategien oder Eventfaktoren zu entwickeln. Ein erster Schritt muss mit TV-Übertragungen gemacht werden, um Zuschauer ins Stadion zu locken.“