23. August 2020 / 16:26 Uhr

Pro und Contra zum aktuellen Champions-League-Modus: Tolle Innovation oder Ärgernis für Fans?

Pro und Contra zum aktuellen Champions-League-Modus: Tolle Innovation oder Ärgernis für Fans?

André Batistic und Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sollte die K.O.-Phase der Champions League dauerhaft ohne Rückspiele stattfinden? Zwei SPORTBUZZER-Redakteure diskutieren.
Sollte die K.O.-Phase der Champions League dauerhaft ohne Rückspiele stattfinden? Zwei SPORTBUZZER-Redakteure diskutieren. © Getty Images (Montage)
Anzeige

Das Finalturnier der Champions League hat der UEFA viele positive Kritiken eingebracht - doch hat Modus, der aufgrund der Corona-Pandemie entstanden ist, wirklich Zukunft. Die SPORTBUZZER-Redakteure Sönke Gorgos und André Batistic im Pro-Contra-Duell.

Abseits der Spiele wird beim Finalturnier der Champions League vor allem über ein Thema diskutiert: Den Modus. Aufgrund der der Corona-Pandemie wurde die Königsklasse in diesem Jahr ab dem Viertelfinale an nur einem Ort ausgetragen. Auf Hin- und Rückspiele wurde verzichtet, die Entscheidung über den Einzug in die nächste Runde fiel in lediglich einer Partie. Dieses Prozedere fand viele Fürsprecher - doch hat es eine Zukunft? UEFA-Präsident Alekander Ceferin schloss eine Wiederholung zunächst aus und verwies auf den Terminkalender - dabei dürfte er allerdings auch ausbleibende Einnahmen im Kopf gehabt haben. Denn: Weniger Spiele bedeuten auch für den Verband weniger Geld. Am Finaltag der Champions League schloss Ceferin dann aber eine Neuauflage des Finalturniers nicht mehr aus.

Anzeige

Es gibt noch weitere Punkte, die für oder gegen die Beibehaltung des diesjährigen Modus sprechen. Die SPORTBUZZER-Redakteure Sönke Gorgos und André Batistic beleuchten diese in einem Pro und Contra.

Pro: Nur Mut, UEFA! Der neue Modus hat Zukunft

von SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos

Abgesagte Großveranstaltungen, finanzielle Ungewissheit und leere Stadien: Das Jahr 2020 brachte dem Sport vieles Schlechte. Doch die chaotischen Monate der Corona-Pandemie sorgen im oft so routinierten Fußball auch für (unfreiwillige) Innovationen - zum Beispiel den diesjährigen K.o.-Modus in der Champions League. Bei einem Blitzturnier gab es ab dem Viertelfinale in nur einem Spiel die Entscheidung über Aus oder Weiterkommen. Die eingedampfte Variante des üblichen Schemas mit Hin- und Rückspiel begeistert Fans, Experten und Beteiligte gleichermaßen. Sie sollte, obwohl UEFA-Präsident Aleksander Ceferin das mit Blick auf den Terminkalender voreilig ausgeschlossen hat, auf jeden Fall eine Zukunft haben.

Mehr vom SPORTBUZZER

Denn all das, was vorher vielen sauer aufstieß - Achtel- und Viertelfinals, die sich über mehrere Monate erstreckt haben, Hinspiele, die zu langweiligem Rasenschach wurden, weil keine Mannschaft sich vorschnell aus der Deckung wagen wollte, oder Rückspiele, in denen es um überhaupt nichts mehr ging - ist plötzlich kein Thema mehr. Die bisherigen Erfahrungen der Blitz-Variante zeigen: Von der ersten Minute an geht die Post ab, Außenseiter haben eine größere Chance, fordern den Favoriten alles ab. In jeder Partie geht es um alles oder nichts, es gibt, wie es der mittlerweile ausgeschiedene ManCity-Profi Ilkay Gündogan dem SPORTBUZZER sagte, "kein Rückspiel und keine Chance auf Wiedergutmachung". Für Zuschauer ist das elektrisierend. Und auch die Spieler haben einen Vorteil, schließlich wird ihnen durch weniger Spiele auf dem Weg zum Finale eine Belastung genommen.

Genau wie Gündogan fühlt sich auch Bayern-Vorstand Oliver Kahn an eine WM oder EM erinnert - Turniere also, die allen wegen Hochspannung und großen Fußball-Momenten in Erinnerung bleiben. Der straffe Zeitplan sollte kein Hindernis sein, einen Platz für ein Finalturnier der Königsklasse zu finden, das den ohnehin schon tollen Wettbewerb veredeln würde - zum Wohle des Fußballs und der Fans. Nur Mut, UEFA!


Alle Sieger der Champions League

Eine Auswahl der Titelträger in der Champions League: Stefan Effenberg mit dem FC Bayern im Jahr 2001 (l.), Ronaldinho mit dem FC Barcelona im Jahr 2006 und Mohamed Salah mit dem FC Liverpool im Jahr 2019.  Zur Galerie
Eine Auswahl der Titelträger in der Champions League: Stefan Effenberg mit dem FC Bayern im Jahr 2001 (l.), Ronaldinho mit dem FC Barcelona im Jahr 2006 und Mohamed Salah mit dem FC Liverpool im Jahr 2019.  ©

Contra: Dieser Modus wird zu einem Ärgernis für Fans

von SPORTBUZZER-Redakteur André Batistic

Ja, die Spiele beim Finalturnier der Champions League waren durchweg hochklassig. Ja, der K.o.-Modus wie bei einer WM oder einer EM sorgte für die Extraportion Nervenkitzel. Allerdings sollte es die UEFA bei diesem einen Finalturnier belassen - auch den Fans zuliebe. Sollten diese irgendwann einmal wieder in die Stadien zurückkehren dürfen, wäre es ihnen gegenüber auch nur fair, nicht nur manchen Vorrunden-Langweiler live in der heimischen Arena sehen zu dürfen - sondern auch die Top-Klubs, wenn der eigene Verein denn die Vorrunde überstanden haben sollte.

Mehr vom SPORTBUZZER

Alle K.o.-Spiele wie jetzt an einem festen Ort auszutragen, würde die Fans, die sich teilweise seit Jahren auf den Europacup im eigenen Stadion freuen, eher vergraulen und noch weiter weg vom Fußball treiben. Zudem hat nicht jeder Anhänger Geld für teure Reisen zu den Endrunden-Turnieren. Ein Problem für Klubs wären derweil fehlende Einnahmen. Es ist durchaus üblich, dass Vereine im Vergleich zu Bundesliga-Spielen den Preis für einen Sitzplatz bei Europapokal-Abenden um ein Vielfaches erhöhen. Wie sollen diese Einnahmen-Verluste bei einem Finalturnier aufgefangen werden? Allein deshalb machen Hin- und Rückspiel jeweils im eigenen Stadion auch Sinn.

Nicht umsonst hatte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin ein erneutes Finalturnier für die Zukunft zunächst ausgeschlossen. "Dieses Turnier mag interessant sein. Aber ich glaube nicht, dass wir das in der Zukunft durchführen können. Dafür ist im Kalender kein Platz", sagte er Mitte August. Und tatsächlich: Wo und wann soll ein erneutes Endrunden-Turnier in einem WM- oder EM-Jahr ohne Corona-Krise bitte ausgetragen werden? Zudem steht mit der von der FIFA initiierten Klub-WM die nächste Mehrbelastung für die Fußballer an. Es wäre ratsam, nicht noch weiter am Fußball raumzuschrauben.

Hier abstimmen: Sollte der Champions-League-Modus aus dieser Saison beibehalten werden?

Stimmt in der Umfrage ab! Wer hat eurer Meinung nach recht: Wäre ein erneutes Finalturnier der Champions League sinnvoll?