01. August 2020 / 09:53 Uhr

Champions Check: Olympique Lyon fehlt die Spielpraxis – Memphis Depay will Juventus Turin ärgern 

Champions Check: Olympique Lyon fehlt die Spielpraxis – Memphis Depay will Juventus Turin ärgern 

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Memphis Depay gilt als einer der besten Spieler Lyons. 
Memphis Depay gilt als einer der besten Spieler Lyons.  © imago images/PanoramiC
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Die Serie zur Champions League  Teil fünf: Wegen des Saisonabbruchs in der Ligue 1 geht Olympique Lyon ohne Wettkampfpraxis ins Turnier . Trainer-Urgestein Gernot Rohr sieht Gegner Juventus Turin deshalb klar im Vorteil. Olympique muss auf seine starke Offensive um Memphis Depay hoffen. 

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Womit sich die Fußballprofis von Olympique Lyon am Abend des 26. Juli die Zeit vertrieben, ist nicht bekannt. Vielleicht haben sie mit sechs Testspielen in den Beinen ihrem Gegner im Achtelfinale der Champions League beim Jubeln zugeschaut. Denn Juventus Turin machte an jenem Tag mit einem 2:0-Erfolg über Sampdoria Genua seinen neunten italienischen Meistertitel in Folge perfekt.

Vor der Fortsetzung der Königsklasse herrscht zwischen dem einstigen französischen Serienmeister (2002 bis 2008) und der "alten Dame" ein enormes Ungleichgewicht. Denn während die Saison in der Serie A wegen der Coronavirus-Pandemie Mitte März unterbrochen und im Juni wieder aufgenommen wurde, entschieden sich die Franzosen Ende April zum Abbruch ihrer Ligue 1. "Das ist natürlich ein Handicap", sieht Gernot Rohr im Gespräch mit dem SPORTBUZZER OL im Vergleich mit Juve klar im Nachteil: "Die Italiener haben den Rhythmus, sind frisch als Meister gekürt worden. Dann kommen noch das Vertrauen und die positive Gesamtstimmung dazu. Das ist bei Olympique nicht der Fall."

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Rohr, gebürtiger Mannheimer und seit 2016 Nationaltrainer Nigerias, kennt sich aus im französischen Fußball. 1977 wechselte er als Spieler zu Girondins Bordeaux, startete dort 1989 auch seine Laufbahn als Coach. Später trainierte er unter anderem OGC Nizza, FC Nantes und mehrere Mannschaften in französischsprachigen Ländern Afrikas. Seit 1982 hat Rohr die französische Staatsbürgerschaft. Er hat aufmerksam registriert, dass Lyon mit seinem umtriebigen Präsidenten Jean-Michel Aulas juristisch gegen den Abbruch der ­Ligue 1 vorging – und verlor. "Diese Option ist aussichtslos", wunderte Rohr der aus OL-Sicht negative Bescheid nicht.

Rohr: Lyon auf einem Niveau mit Marseille oder Lille

Doch meist gibt der Erfolg dem Klubchef, den Rohr als "sehr hartnäckig" charakterisiert, recht: In Aulas’ Ägide etablierte sich Olym­pique in der Spitzengruppe der französischen Liga, war Dauergast in der Champions League – und siebenmal Meister. Inzwischen hat sich jedoch Paris Saint-Germain – auch dank immenser Millionenzuschüsse seines katarischen Eigentümers Nasser al-Khelaifi – als Platzhirsch an der Spitze der Ligue 1 festgebissen. Rohr sieht Lyon ungeachtet der etwas schwächeren abgelaufenen Spielzeit direkt dahinter auf einem ähnlichen Niveau wie Olympique Marseille oder den OSC Lille. "Lyon kann den Platz des Herausforderers wieder erobern, weil es auch in Marseille nicht immer harmonisch zugeht", betont der 67-Jährige.

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Saison 1992/1993: Im Olympiastadion München besiegt Olympique Marseille den AC Mailand mit 1:0. Der deutsche Nationalspieler Rudi Völler (links) steht bis zur 78. Minute auf dem Platz. Zur Galerie
Saison 1992/1993: Im Olympiastadion München besiegt Olympique Marseille den AC Mailand mit 1:0. Der deutsche Nationalspieler Rudi Völler (links) steht bis zur 78. Minute auf dem Platz. ©

Prunkstück der Lyonnais ist die Offensive. Sie wird geprägt vom niederländischen Nationalspieler Memphis Depay, der in der vergangenen Saison vor seinem Kreuzbandriss in 13 Punktspielen neun Treffer erzielte. Dazu kommt Mittelstürmer Moussa Dembélé – nicht verwandt mit dem Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé vom FC Barcelona –, der 2019/2020 mit 16 Toren in 27 Ligue-1-Ein­sätzen treffsicherster OL-Akteur war. "Die beiden sind Lyons Stärke", bekräftigt Rohr.

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Defensiv hingegen hat das Team in diesem Sommer eine Schwächung erlitten. Denn mit Lucas Tousart, 1:0-Siegtorschütze aus dem Hinspiel gegen Juventus, hat sich ein Stabilisator zum Bundesligisten Hertha BSC verabschiedet. Tousart hat in Berlin bereits das Training aufgenommen. "Das ist auf jeden Fall ein Verlust", glaubt Rohr: "Aber Lyon hat viele gute Spieler, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen, und wird ihn ersetzen können."

Rohr überzeugt: Lyon glaubt an das Weiterkommen

Damit fehlte Tousart auch schon in den sechs Testspielen für die neue Saison, von denen Olympique nur eines verloren hat. Das 0:2 gegen die Glasgow Rangers hat sich Rohr angeschaut, weil die Schotten mehrere Kandidaten fürs nigerianische Nationalteam in ihren Reihen haben. "Da hatte Lyon einen schlechten Tag. Es fehlte noch an Komplexität, an Spielverständnis, an Harmonie, was nach einer so langen Pause völlig normal ist", so Rohr, der überzeugt ist, dass die Franzosen an ein Weiterkommen gegen Turin glauben, denn: "1:0 ist ein gutes Ergebnis."