26. Januar 2021 / 16:29 Uhr

Champions-League-Sieger Didi Hamann: "Wolfsburg kommt unter die ersten Vier"

Champions-League-Sieger Didi Hamann: "Wolfsburg kommt unter die ersten Vier"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Didi Hamann
Gefällt, was er da sieht: Der ehemalige Top-Fußballer und heutige TV-Experte Dietmar „Didi“ Hamann lobt den VfL für dessen Auftritte in dieser Saison. Der Ex-Profi glaubt, dass es die Wolfsburger in die Champions League schaffen. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Der VfL Wolfsburg spielt eine Top-Saison und klopft als Tabellenvierter ans Tor zur Champions League. Königsklassen-Sieger und TV-Experte Dietmar Hamann lobt den VfL und sagt, warum er ihm in dieser Saison so gern zuschaut.

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Platz vier, 32 Punkte – die VfL-Fans gucken dieser Tage gern auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga. Die Wolfsburger (erst zwei Niederlagen in dieser Saison) erfahren viel Lob. Aber nicht nur von der eigenen Anhängerschaft, sondern auch von Ex-Stars wie Dietmar „Didi“ Hamann, der 2005 mit dem FC Liverpool die Champions League gewann, mit den Bayern zweimal deutscher Meister (1994 und 1997) wurde und mittlerweile als TV-Experte bei Sky geschätzt wird. Hamann weiß, wie es sich anfühlt, oben zu stehen. Und was alles wichtig ist, um oben zu bleiben. Er sagt: „Der VfL wird bis zum Ende oben dabei sein.“ Im SPORTBUZZER-Interview erklärt der 47-Jährige, warum er das so sieht.

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Herr Hamann, Sie haben am Samstag nach dem VfL-Sieg in Leverkusen bei Sky gesagt, der VfL werde bis zum Schluss ganz oben in der Tabelle mitmischen – was macht Sie da so sicher?
Ich sehe einfach keinen Grund, warum es nicht so sein sollte…(grinst)

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Machen wir es ein bisschen konkreter…
Gern. Ich finde, andere Klubs da oben haben ziemliche Probleme – etwa die Dortmunder. Und der VfL hat aus meiner Sicht kaum oder keine Schwächen, sie sind einfach unglaublich kompakt.

Was zeichnet den VfL aus?
Sie haben mit Koen Casteels einen guten Torwart, sie haben mit Jay Brooks und Maxence Lacroix zwei Innenverteidiger, die wunderbar harmonieren. Das sind richtige Recken, die auch bei Standards vorn gefährlich sein können. Und dann haben sie den Arnold im Mittelfeld, der die beste Form hat, seit ich ihn kenne. So dominant und so gut hat er meiner Meinung noch nicht gespielt. Und mit Xaver Schlager oder Josuha Guilavogui hat Arnold weitere laufstarke Spieler neben sich. Das ist richtig gut. Und vorn hat der VfL mit Weghorst einen Knipser. Die Wolfsburger haben in jedem Mannschaftsteil gute Spieler – so wie das bei einer Top-Mannschaft sein muss.

Ist der VfL für Sie denn schon eine Top-Mannschaft?
Ja, sie haben gegen die Großen in dieser Saison gut ausgesehen und haben am Samstag gezeigt, dass sie mit Bayer Leverkusen auch eine Mannschaft von oben schlagen können. Und dann sehe ich bei ihnen im Vergleich zu den anderen da oben noch einen Vorteil.

Welchen meinen Sie?
Der VfL ist die einzige Mannschaft aus den Top Vier der Tabelle, die in diesem Jahr nicht international dabei ist. Bei dem dicht gedrängten Terminkalender in dieser Saison kann das für die Wolfsburger im Kampf um die Champions League ein Trumpf sein. Wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich glaube, dass die Wolfsburger unter die ersten Vier kommen, dann sage ich: Ja! Diese Mannschaft wirkt einfach sehr stabil.

Dabei hat‘s in dieser Saison schon ordentlich zwischen Trainer und Manager gekracht, als Oliver Glasner öffentlich gemacht hatte, dass er gern noch einen Spieler mit Tempo und Tiefgang gehabt hätte.
Ob das richtig war oder nicht, lasse ich jetzt mal dahingestellt, das kann ich nicht beurteilen. Aber dieser Zwist zeigt auch, dass da kompetente Leute am Werk sind, denen es um die Sache geht. Dass man sich dann zusammensetzt und sagt, was man besser machen kann, spricht für die Größe und die Reife der handelnden Personen. Ich schätze Jörg Schmadtke schon seit Jahren, Glasner kannte ich vorher wenig. Aber so, wie er sich öffentlich gibt, ist er für mich eine absolute Respektsperson. Noch mal: Mir gefällt gerade ziemlich gut, was da passiert.

<b>Koen Casteels</b>: Da, wenn er gebraucht wurde, wie etwa in der ersten Halbzeit als er Alarios Chance vereitelte, starke Reaktion beim Hammer von Sinkgraven nach der Pause. - Note: 2. Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, wie etwa in der ersten Halbzeit als er Alarios Chance vereitelte, starke Reaktion beim Hammer von Sinkgraven nach der Pause. - Note: 2. ©

Der VfL wird gern von gegnerischen Trainern als schwer zu bespielende Mannschaft bezeichnet. Sehen Sie das auch so?
Ja, die Wolfsburger haben sich nicht nach oben hin gestohlen oder hin geschlichen, die Wolfsburger gehören da oben hin. Ich schaue ihnen gern zu, weil sie hinten stabil sind, weil sie eine gute Balance auf den Platz bekommen. Sie kriegen kaum Konter-Tore – das ist mit ein Verdienst von Schlager, Arnold und auch Guilavogui, wenn er denn spielt. Mit ihm, Brooks oder eben Weghorst haben sie auch diese körperliche Komponente, die du auf und ein bisschen auch neben dem Platz brauchst. Denn wenn du im Spielertunnel neben solch groß gewachsenen Jungs stehst, die sich ducken müssen, um durch eine Tür zu passen, dann denkst du schon manchmal: Oh, heute könnte es eng werden…(lacht)

Was braucht es jetzt aus VfL-Sicht, um da oben bleiben zu können?
Schlager hat am Samstag gesagt, man könne sich nichts dafür kaufen, jetzt Vierter oder Fünfter zu sein. Diese Einstellung ist gut, denn der VfL hat noch nichts erreicht. Du musst versuchen, diese Spannung intern hochzuhalten und du musst den Jungs klarmachen, dass sie zwar da, wo sie jetzt stehen, hingehören. Aber um da bleiben zu können, gibt es nur eins: hart arbeiten und weiterhin Spiele gewinnen, denn es wird auch eine Phase kommen, in der der VfL ein oder zwei Spiele verliert.