23. Februar 2021 / 12:51 Uhr

Champions League? Wolfsburgs Pressing-Maschine Schlager: "Man kann noch ganz weit abrutschen"

Champions League? Wolfsburgs Pressing-Maschine Schlager: "Man kann noch ganz weit abrutschen"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Spielt eine gute Saison: Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg.
Spielt eine gute Saison: Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg. © Boris Baschin / Swen Pförtner/dpa
Anzeige

Xaver Schlager vom VfL Wolfsburg sagte mal über sich selbst: „Ich bin ein Arbeiter, ich bin unangenehm.“ Beides zeigte er in dieser erfolgreichen Saison mit dem Wolfsburger Fußball-Bundesligisten, der ein heißer Aspirant auf die Champions League ist. Aber: Schlager möchte sich beim Thema Königsklasse nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Anzeige

Er ist sich für keinen Zweikampf zu schade, behält auch dann die Ruhe, wenn gleich mehrere Gegenspieler ihm den Ball wegschnappen wollen - Xaver Schlager findet meist Lösungen. Kein Wunder, denn der Österreicher ist die Pressing-Maschine des VfL, mit dem der 23-Jährige es in dieser Saison besser machen möchte als mit seinem Ex-Verein Red Bull Salzburg. Mit dem österreichischen Spitzenteam hatte es Schlager nämlich nicht in die Champions Leage geschafft. Mit dem Wolfsburger Fußball-Bundesligisten möchte er das packen. Aber viel reden will er trotz Platz drei und den zuletzt so konstant guten Leistungen über die Königsklasse nicht.

Anzeige

Schlager betont auch umgehend, warum er so "defensiv" mit diesem Thema umgeht. "Es sind noch über zehn Spieltage, man kann noch ganz weit abrutschen", sagt der Nationalspieler. Jetzt schon von der Champions League zu reden, "ist viel zu früh und macht auch keinen Sinn, weil man sich selbst nur unter Druck setzt, sich Gedanken macht - das bringt doch nichts", legt er nach. Man müsse einfach bis zum 34. Spieltag abwarten: "Erst dann kann man sagen, wir haben es geschafft oder wir haben es nicht geschafft." Klar sei jedoch auch: "Wenn wir so weitermachen wie zuletzt, ist ein super Endergebnis möglich."

Mehr zum VfL Wolfsburg

Mit den Salzburgern hat Schlager viermal die Champions-League-Quali spielen dürfen, aber auch im Sommer 2018 gelang der Sprung in die Gruppenphase nicht. Es war ein Frust-Erlebnis, denn auch im zehnten Anlauf war es RB erneut nicht gelungen, sich für die Königsklasse zu qualifizieren. Die Salzburger waren im Rückspiel der dritten Qualifikationsrunde nicht über ein 0:0 beim kroatischen Vertreter HNK Rijeka hinausgekommen, nach dem 1:1 im Hinspiel bedeutete das: Salzburg war raus. Möglicherweise betont Schlager daher immer wieder, dass das Jetzt und Heute, im Fokus bleiben müsse. Er sagt: "Ich habe es schon selbst erlebt: Wenn man sich zu viele Gedanken macht, kann das einen verrückt machen - und dann kann das auf die Leistung Einfluss nehmen." Aber das Ziel sei es doch, weiterhin solche Leistungen wie zuletzt zeigen zu können. Und deshalb "muss man von Spiel zu Spiel schauen". Das sei zwar "eine blöde Phrase", die oft benutzt werde, "aber in ihr steckt viel Wahrheit. Denn sobald man die Gedanken in die Zukunft richtet, lebt man nicht mehr in der Gegenwart - und man sollte immer in der Gegenwart leben."

Schlager ist mit 287 gewonnenen Zweikämpfen nach Wataru Endo (337, VfB Stuttgart), Matheus Cunha (307, Hertha BSC) und Daniel Caligiuri (302, FC Augsburg) der viertbeste Zweikämpfer der Liga. Zusammen mit dem in dieser Saison ebenfalls auf konstant hohem Niveau spielenden Maximilian Arnold, mit dem er sich neben dem Platz gut versteht, macht er die VfL-Mitte dicht. Eine Doppel-Sechs, die zu den besten der Liga gehört. Schlager: "Ich denke, wir machen das im Moment sehr gut - wenn der eine geht, muss der andere bleiben. Wir können uns aufeinander verlassen." Schlager hat den Sprung in die Nationalelf geschafft, Arnold wiederum wünscht sich ein Comeback in der DFB-Elf, das nach Meinung der sportlich Verantwortlichen beim VfL jetzt kommen muss. Schlager: "Seine Leistungen sprechen für sich, ich denke schon, dass der Max es verdient hat." Aber entscheiden müsse das Bundestrainer Jogi Löw.

Wie Arnold ist Schlager beim VfL gesetzt, wenn er fit ist, spielt der spielstarke Mittelfeldspieler, der sich auch aus kniffligen Situationen meist befreien kann. Er sucht die Zweikämpfe vorn und hinten, sorgt somit für viele Umschaltmomente mit Überzahlsituationen. Das macht er richtig gut. Und so kommt es nicht selten vor, dass er nach einem gewonnenen Offensiv-Zweikampf in eine gute Abschluss-Position kommt. Aber Schlager und das Toreschießen - das will noch nicht so richtig funktionieren. In dieser Saison ist ihm erst ein Tor gelungen, beim 2:0 im November des vergangenen Jahres bei Schalke 04 hatte er getroffen. "Natürlich hätte ich gern mehr Tore", sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: "Ich weiß nicht... Irgendwie habe ich das Schießen verlernt, keine Ahnung. Ich hab' halt immer irgendeinen Blödsinn vorm Tor gemacht." Aber Schlager ist keiner, der schnell aufgibt. Er werde weiterhin hart arbeiten, "und vielleicht werde ich auch irgendwann treffen". Wichtiger als Tore von ihm sei jedoch, "dass wir die Spiele gewinnen - und wer dann trifft, ist dann ziemlich egal".