14. September 2021 / 23:53 Uhr

Nach dem Champions-League-Comeback: Wolfsburg froh und selbstkritisch

Nach dem Champions-League-Comeback: Wolfsburg froh und selbstkritisch

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Am Ende gab es ein Remis: Der VfL Wolfsburg und der OSC Lille trennten sich 0:0.
Am Ende gab es ein Remis: Der VfL Wolfsburg und der OSC Lille trennten sich 0:0. © Roland Hermstein
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Die Defensivleistung stimmte, ansonsten hatte der VfL Wolfsburg viel Luft nach oben bei seiner Rückkehr auf die Champions-League-Bühne.

Nach fast auf den Tag genau fünfeinhalb Jahren trat Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg wieder in der Königsklasse an. Das Comeback in der Champions League bei Frankreichs Meister OSC Lille brachte mit einem 0:0 einen Punkt, der nach Gelb-Rot gegen John-Anthony Brooks am Ende redlich erkämpft wurde.

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Die Kulisse in Lille vor 35.000 Fans war klasse, mit roten und weißen Fahnen gab es eine Choreographie im gesamten Stadion. „Es ist eine gute Atmosphäre zu erwarten, wir freuen uns riesig“, hatte VfL-Manager Jörg Schmadtke direkt vor der Partie gesagt.

UEFA Champions League: OSC Lille - VfL Wolfsburg

Szene aus dem Spiel OSC Lille - VfL Wolfsburg Zur Galerie
Szene aus dem Spiel OSC Lille - VfL Wolfsburg © Roland Hermstein

Das Spiel passte sich dem stimmungsvollen Rahmen erst einmal nur aus Sicht der Gastgeber an. Wolfsburg war zwar gut gestartet, noch in der ersten Minute tauchte Jerome Roussillon in Lilles Strafraum auf, vertändelte die Situation aber. Und das war irgendwie typisch. Lille, amtierender französischer Meister und mit nur einem Sieg aus fünf Liga-Partien schwach in die Saison gestartet, war zielstrebiger, kam zu einigen Torabschlüssen. John-Anthony Brooks und Maxence Lacroix waren in der Innenverteidigung öfter gefordert, als ihnen lieb sein konnte, vorn bekam derweil Wout Weghorst keinen verwertbaren Ball.

Die Niedersachsen, ohne Punktverlust in der Bundesliga, brachten bis zur Pause keinen Schuss auf den Kasten von Ivo Grbic. Zwei-, dreimal ging es mal schnell über Außen, die Aktionen versackten, ansonsten hatte das Team von Trainer Mark van Bommel enorme Probleme, die beiden Viererketten von Lille zu überspielen. Und: Die Gäste waren spürbar auf Sicherheit bedacht, ließen einige Male Gelegenheiten verstreichen, in denen sie die Partie auch mal hätten schnell machen können.

Nach der Pause war es erst einmal sogar mit dem vielen Ballbesitz des VfL vorbei. Nach der Schrecksekunde in der 47. Minute (beim vermeintlichen LOSC-Führungstreffer war der Ball vorher im Aus gewesen), beherrschte Frankreichs Meister die Partie, setzte sich in Wolfsburgs Hälfte fest und kam zu Abschlüssen, die zum Glück nicht zwingend waren. Wolfsburg reagierte nur, das allerdings aufmerksam und im Kollektiv. Doch anders bei Lille, wo die Offensivkräfte Jonathan David und Burak Yilmaz sowie Mittelfeldspieler Jonathan Ikone auffällig agierten, stach beim VfL kein Akteur heraus, nahm niemand das Heft in die Hand.

Einzelkritik: Der VfL Wolfsburg beim Spiel in Lille.

<b>Koen Casteels: </b> Hatte in der ersten Hälfte nicht so viel zu tun, parierte einen Yilmaz-Freistoß aber stark, nach der Pause mit einer weiteren Glanztat und dann hielt er einen Yilmaz-Kopfball aus kurzer Distanz fest. - Note: 2 Zur Galerie
Koen Casteels: Hatte in der ersten Hälfte nicht so viel zu tun, parierte einen Yilmaz-Freistoß aber stark, nach der Pause mit einer weiteren Glanztat und dann hielt er einen Yilmaz-Kopfball aus kurzer Distanz fest. - Note: 2 ©

Nach 60 Minuten kamen mit Dodi Lukebakio und Luca Waldschmidt frische Kräfte bei den Gästen. Kaum waren sie drin, handelte sich der wacklige Brooks Gelb-Rot ein, die Gäste waren nur noch zu zehnt, van Bommel opferte mit Maximilian Philipp einen Offensivmann, um durch Sebastiaan Bornauw die Defensive zu stärken. Wolfsburg war zwar nun gar nicht mehr im Spiel, vor allem dank des physisch starken und schnelle Lukebakio aber bei den wenigen Entlastungsangriffen offensiv nun sogar gefährlicher und zielstrebiger als zuvor. Und er hatte noch einmal Glück, dass es den Videobeweis gibt, der auch schon beim vermeintlichen 0:1 geholfen hatte. In letzter Sekunde hatte Josuha Guliavogui Amadou Onana gefoult, aber, so ergab der Videocheck, nachdem schon Elfmeter gepfiffen war: nur Freistoß.


So blieb der VfL auch im dritten Duell mit Lille auf europäischer Ebene ungeschlagen, Coach van Bommel blieb auch in seinem siebten CL-Spiel als Coach ohne Sieg, das Remis war für den VfL allerdings aufgrund von Leistung und langer Unterzahl ein Erfolg. Wout Weghorst meinte: „Man hatte höhere Erwartungen, viele schöne Szenarien im Kopf, es ist nicht so ausgegangen. Wenn du auf den Spielverlauf schaust und dann noch eine Rote Karte – war es ein gutes Ergebnis für uns. Es war nicht unser Spiel, unsere Defensivleistung war gut, in unserem Spiel nach vorn hat viel gefehlt.“

Maximilian Arnold sagte: „Wir sind froh, dass wir hier Unentschieden gespielt haben, fußballerisch war das nicht so viel von uns, das muss man ganz ehrlich sagen. Wir haben nicht die Ruhe am Ball gehabt, es waren viele kleine Details. Wir haben zu viele gelbe Karten bekommen. In vielerlei Hinsicht waren wir in kleinen Details schwächer als Lille, aber wir fahren mit einem 0:0 nach Hause, also sind wir zufrieden.“