09. Februar 2021 / 11:26 Uhr

Nach Gladbach und RB auch Chelsea betroffen? So entsteht der neue Champions-League-Plan

Nach Gladbach und RB auch Chelsea betroffen? So entsteht der neue Champions-League-Plan

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Könnte in Warschau spielen: Thomas Tuchel und der FC Chelsea dürfen wohl nicht nach Spanien zum Auswärtsspiel bei Atletico Madrid einreisen. Eine Verlegung nach Polen gilt als wahrscheinlich.
Könnte in Warschau spielen: Thomas Tuchel und der FC Chelsea dürfen wohl nicht nach Spanien zum Auswärtsspiel bei Atletico Madrid einreisen. Eine Verlegung nach Polen gilt als wahrscheinlich. © imago images, Getty Images, Montage
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Der Spielbetrieb in den beiden UEFA-Wettbewerben Champions League und Europa League soll möglichst lange normal aufrechterhalten werden. Dafür werden Spielverlegungen in Kauf genommen. Auch Thomas Tuchel mit dem FC Chelsea könnte davon betroffen sein. Derweil regt sich Kritik in der Politik.

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Noch gut eine Woche, dann geht es langsam in die entscheidenden Wochen des Fußball-Jahres. Am 16. und 17. Februar starten die Achtelfinale-Spiele in der Champions League, am 18. Februar die Sechszehntelfinal-Partien in der Europa League. Es geht nun in jedem Spiel ums Weiterkommen, um Zusatzeinnahmen und die Chance auf die internationalen Titel im Mai. Fehler sind da nicht angebracht. Erste Entscheidungen sind aber bereits jetzt gefallen - in Bezug auf die Austragungsorte der Spiele. Denn die Coronavirus-Pandemie wirbelt die UEFA-Wettbewerbe wieder einmal mächtig durcheinander.

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Aufgrund des aktuell geltenden Einreiseverbots von Briten nach Deutschland mussten gleich zwei Spiele verlegt werden. RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach tragen ihre (Heim-)Spiele nun in Budapest aus. RB trifft in der ungarischen Hauptstadt am 16. Februar auf den FC Liverpool; Gladbach eine Woche später auf Manchester City. Noch weiter weg zieht es nur die TSG Hoffenheim für das Europa-League-Spiel gegen Molde FK. Aufgrund des Einreiseverbots nach Norwegen wurde das Heimspiel des Ex-Klubs von Erling Haaland nun nach Spanien verlegt. Die TSG trifft in Villarreal auf Molde.

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Was das Ganze noch absurder macht: Aufgrund der Einreisebeschränkungen der einzelnen Länder untereinander darf Molde gegen die TSG zwar in Spanien spielen, Atletico Madrid muss sein Heimspiel aber wohl ebenfalls nach Osteuropa verlegen. Auch hier ist eine Einreisebeschränkung für Briten der Auslöser. Atletico spielt gegen den FC Chelsea mit Trainer Thomas Tuchel, die nicht nach Spanien einreisen dürfen. Nach SPORTBUZZER-Informationen sind Warschau und Bukarest als Austragungsstätten wahrscheinlich. Eine Entscheidung soll noch am Dienstag fallen - obwohl die eigentliche Deadline für solch eine Verschiebung der Heimspiele des Achtelfinals bereits der Montag war. Und auch der spanische Vertreter Real Sociedad muss wohl ausweichen - aus den selben Gründen. Die Europa-League-Partie gegen Manchester United könnte in Turin gespielt werden.

All das klingt bizarr, dient aber der Fortführung des Wettbewerbs, der laut UEFA nicht pausieren sollte. Als "Annex K" bezeichnet die UEFA die Regelung für diese Ausnahmesituationen. Demnach gibt der europäische Verband die Verantwortung für mögliche Spielausfälle an die Klubs weiter. Hätte Borussia Mönchengladbach zum Beispiel darauf gehofft, dass die Einreisebeschränkungen von Briten nach Deutschland aufgehoben würde, dies aber nicht eingetreten wäre, würde die UEFA das Hinspiel mit 0:3 gegen die Borussia werden. Beim Verband gab es nach SPORTBUZZER-Informationen zwar Überlegungen, in der K.-o.-Runde nur eine Partie auszutragen oder auf neutralen Plätzen zu spielen - am Ende verwarf man derartige Gedankenspielen aber wieder.


Der Ball soll unbedingt weiter rollen, ein Stopp des Wettbewerbs ist allein aus zeitlichen Gründen kaum vorstellbar. Am 29. Mai soll etwa das Champions-League-Finale in Istanbul steigen, am 11. Juni ist der EM-Start geplant. Die Europameisterschaft im Sommer schwebt wie ein Damoklesschwert über Champions- und Europa League. Aus diesem Grund waren die Verlegungen wohl unvermeidbar, denn niemand weiß, wann und ob Einreisebeschränkungen wieder aufgehoben werden. Der Fußball ist in diesem Fall auf die Politik angewiesen. Wenngleich Liverpool-Trainer Jürgen Klopp das zuletzt nicht ganz einsehen wollte. "Ich denke, es wäre absolut angemessen, eine Ausnahme zu machen. Wir leben wirklich in einer Blase, werden permanent getestet, könnten in Leipzig spielen, ohne das Virus zu verbreiten“, sagte er, nachdem die Partie gegen RB verlegt wurde.

Politiker reagieren irritiert ob der Verlegungen

Nun müssen er und seine Reds also nach Budapest reisen. Dort ist man allerdings auch nicht gänzlich begeistert, dass unverhofft zwei Champions-League-Spiele dort stattfinden - zumindest die Nicht-Regierungstreuen. Die oppositionelle Tageszeitung Nepszava kritisierte, dass der Infektionsschutz in Ungarn nicht solch einen Stellenwert hätte wie in Deutschland. Die Bundesregierung hätte RB die Ausnahme verweigert, weil man "nicht die Gesundheit der deutschen Bevölkerung aufs Spiel setzen", wolle. "In Ungarn denkt die Regierung (von Ministerpräsident Viktor Orban) über diese Frage ein wenig anders. Im Sommer holte sie ein Supercup-Match ins Budapester Puskas-Stadion. Tausende Fans husteten und prusteten einander auf der Straße ins Gesicht, weil die Aufforderung zum Maskentragen erst nach Betreten des Stadions erfolgte. In Deutschland macht man keine Ausnahmen, hingegen herrscht verantwortliches Denken. Die Ungarn müssen sich mit Propagandaphrasen der Regierung begnügen", hieß es in Nepszava.

Und auch deutsche Politiker zweifeln ob er Regelungen. "Wir sollen derzeit alle auf Reisen verzichten. Ich verstehe nicht, warum wir da für einen Profizirkus eine Ausnahme machen sollten", sagte Karl Lauterbach (SPD). Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Dagmar Freitag (SPD), sieht das ähnlich. "Aufgrund der bekannten Mutationen des Virus ist jegliche Ein- und Ausreise in und aus anderen Ländern eine zu viel." Der UEFA und den Vereinen gehe es "allein um das Geld". SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bezeichnet die Spiele als "verzichtbar". "Es wäre ein stärkeres Signal, wenn dieses Spiel verschoben worden wäre oder gar ausgefallen wären. Der Wettbewerb darf da nicht an erster Stelle stehen", sagte er. Das Bundesinnenministerium ist da entspannter. Eine Sprecherin verneinte am Montag eine Sonderrolle für Profifußballer: "Die Ausreise aus Deutschland ist ja nicht verboten. Und bei der Einreise gelten dann die Einreise- und Quarantäneregelungen wieder."