05. Dezember 2021 / 20:45 Uhr

Chaos-Rennen in Saudi-Arabien: Hamilton gewinnt, Verstappen von der Rolle

Chaos-Rennen in Saudi-Arabien: Hamilton gewinnt, Verstappen von der Rolle

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lewis Hamilton (links) und Max Verstappen haben sich ein beinhartes Duell geliefert.
Lewis Hamilton (links) und Max Verstappen haben sich ein beinhartes Duell geliefert. © IMAGO/Motorsport Images
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Lewis Hamilton hat die denkwürdige Erstausgabe des Formel-1-Rennens von Saudi-Arabien gewonnen. Mit seinem WM-Rivalen Max Verstappen ist der amtierende Weltmeister nun punktgleich. Der Niederländer war komplett von der Rolle, verteidigte sich zu kompromisslos und forcierte einen Auffahrunfall von Hamilton. Ihm droht eine Strafe.

Lewis Hamilton saß völlig entkräftet auf einem Klappstuhl und hielt sich ein Handtuch vors Gesicht. Max Verstappen musste vereinzelte Pfiffe ertragen und verstand die Formel-1-Welt nicht mehr. Im irren Premieren-Rennen von Saudi-Arabien mit Crashs, Safety-Car-Phasen und Unterbrechungen verhinderte Hamilton die vorzeitige Krönung des Niederländers. Im völlig vergifteten WM-Duell kommt es nun zum hollywoodreifen Finale am Sonntag in Abu Dhabi. "Ich fahre schon recht lange, aber das war unglaublich hart", betonte Hamilton: "Ich habe mit meiner ganzen Erfahrung versucht, das Auto auf der Strecke zu halten."

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Verstappen musste sich nach einer Fünf-Sekunden-Strafe und mehrfacher Kompromisslos-Attacken gegen den Briten am Sonntag im Adrenalin-Rennen dem Formel-1-Titelverteidiger geschlagen geben. Nur Platz zwei. "Vieles ist passiert, mit dem ich nicht einverstanden bin", motzte der Niederländer. Verstappen und Hamilton mussten beide zum Rapport bei den Formel-1-Rennkommissaren – Strafen in der Nacht zum Montag deutscher Zeit drohten. Hamilton zog nach Punkten mit dem 24-Jährigen gleich, es war sein dritter Sieg in Serie, veredelt durch die schnellste Runde beim mitreißenden PS-Thriller mit Überlänge. Verstappen bleibt im Red Bull nur noch wegen der größeren Anzahl an Siegen vorn.

Mit einem demolierten Frontflügel nach einer unfassbaren Kollision rettete sich Hamilton auf dem Dschidda Corniche Circuit ins Ziel eines mehr als denkwürdigen Rennens, bei dem Mick Schumacher im Haas früh ausschied und auch Sebastian Vettel im Aston aufgeben musste.

Verstappen zu kompromisslos

Alle hatten es geahnt und befürchtet. Und schon in der Startaufstellung, in der sich Mechaniker zwischen den Streckenmauern dicht an dich drängten, wurde klar, wie eng dieser Kurs ist. In der Qualifikation hatte Verstappen unliebsame Bekanntschaft mit den Barrikaden gemacht, als er auf seiner famos schnellen Runde einschlug. Nerven beim Niederländer? Im Psycho-Duell mit Hamilton bewies der einstige Heißsporn und Wüterich eigentlich: In seinem auch schon siebten Jahr in der Motorsport-Königsklasse sollte Verstappen titelreif sein. Aber auch komplett kompromisslos – und das könnte ihm den Titel wiederum kosten.

Aus luftiger Höhe sahen die Mitglieder der Königsfamilie einen Start nach Maß für Hamilton und dessen Teamkollegen Valtteri Bottas, der am Ende Dritter wurde. Keine Attacke möglich für Verstappen. An Bottas, der in diesem Jahr schon öfter mal bei seiner Helferrolle patzte, kam er diesmal nicht ran, an Hamilton erst recht nicht. Und siehe da: Anfangs nicht einziger Crash trotz Highspeed und wenig Platz. Vettel fuhr zunächst auf Rang 15 rum, Mick Schumacher auf Position 18.

Mick Schumacher verursacht mit hartem Crash Renn-Unterbrechung

Doch an diesem Tag unter dem Flutlicht an der Blauen Lagune galt alles Interesse nur dem Zweikampf um den Titel. Klar war, Verstappen müsste weit vor Hamilton ins Ziel kommen. Mit nur acht Punkten mehr war er gestartet, nachdem der 36 Jahre alte Brite mit seinen Siegen in Brasilien und Katar bereits aufgeholt hatte. Szenarien gab es reichlich, wie Verstappen Weltmeister würde: Doch Stand nach den ersten Runden: Hamilton würde mit Verstappen gleichziehen. Was tun? Das Risiko einer Karambolage und damit einem möglichen Aus bei einem Überholversuch war groß und die Gefahren lauerten überall: Zum Leidwesen von Mick Schumacher, der seinen Haas frühzeitig mächtig demolierte. Das Safety Car musste raus. Mercedes holte beide Autos zum Reifenwechsel rein. Verstappen blieb draußen und übernahm die Führung vor Hamilton und Bottas.


War das die taktische Finesse, auf die Red Bull nur gelauert hatte? Nun lag das Risiko plötzlich eher beim Briten im weiterhin schwarz lackierten Silberpfeil. Und nicht nur eher: Denn es dauerte zu lange, um das Haas-Wrack zu bergen, das Rennen wurde unterbrochen. Hamilton funkte: „Heißt das, er kann Reifen wechseln?“ Die Mercedes-Box antwortete: „Leider Lewis, ist das so.“ Mit er war Verstappen gemeint, der nun alle Vorteile bei sich hatte. „Wir haben zu sehr gezockt“, motzte Hamilton. Sein Renningenieur antwortete nur noch kleinlaut.

Grund für die Unterbrechung war das Herrichten der Barrieren, in die Mick Schumacher gekracht war. "Es geht an und für sich, der Stolz ist aber gekränkt", sagte Mick Schumacher auf die Frage, wie es ihm gehe. 16 Minuten nach dem Abbruch rollten die Wagen wieder los zum stehenden Start: Hamilton kam diesmal von Platz zwei innen besser weg, zog vor Verstappen in die Kurve, der verließ die Strecke, um die Attacke zu erfolgreich zu kontern – ein klarer Regelverstoß, weil sich Verstappen einen Vorteil verschaffte.

Verstappen erhält Fünf-Sekunden-Strafe

Hamilton musste sogar so bremsen, dass auch noch Esteban Ocon vorbeikam. Zeit genug, sich die Bilder anzuschauen, gab es direkt danach: Hinten krachte es, unter anderem schied Mick Schumachers Teamkollege Nikita Masepin aus, auch Sergio Perez im zweiten Red Bull. Wieder Unterbrechung. Und nun auch noch ein Funk-Hin-und-Her der Extraklasse. Rennleitung an Red Bull, Red Bull an Rennleitung, Rennleitung an Mercedes mit dem Ergebnis: Auf eine Untersuchung des Vorfalls und damit eine vermutliche Fünf-Sekunden-Strafe würde verzichtet, wenn Verstappen Ocon und Hamilton vorbeilassen würde. Das machten Verstappen und Red Bull, zogen aber die etwas schnelleren und weicheren Reifen auf.

Dritter Start beim vorletzten Rennen: Und die Gummirechnung ging auf. Verstappen zeigte, dass er das Risiko auch in so einem entscheidenden Rennen nicht scheut, er kam am besten weg und schoss innen an Hamilton vorbei bis auf Platz eins. Doch Hamilton machte Druck. Und es eskalierte. Wolff krachte seine Kopfhörer wutentbrannt auf die Tisch. Verstappen hatte offensichtlich gelupft, als Hamilton erneut vorbeiziehen wollte. Das Team hatte ihm gesagt, er solle die Position zurückgeben. Zuvor hatte der Niederländer nämlich erneut eine Attacke gekontert und dabei die Strecke verlassen. Nach den Crashs in Silverstone und Monza erreichte das vergiftete Duell noch mal eine neue Dimension. Verstappen ließ Hamilton zwar wieder vorbei, attackierte aber direkt wieder. Die Rennleitung hatte genug: Er bekam eine Fünf-Sekunden-Strafe.