04. Januar 2022 / 15:34 Uhr

Chef der BG Göttingen warnt vor Problemen für die BBL durch Omikron

Chef der BG Göttingen warnt vor Problemen für die BBL durch Omikron

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
„Momentan überschlagen sich die Ereignisse“: BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen (r.), hier mit Kapitän Akeem Vargas und Headcoach Roel Moors (v. l.).
„Momentan überschlagen sich die Ereignisse“: BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen (r.), hier mit Kapitän Akeem Vargas und Headcoach Roel Moors (v. l.). © Swen Pförtner
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Wie wirkt sich die hochansteckende Omikron-Variante in der Corona-Pandemie auf die Vereine der Basketball-Bundesliga aus? Frank Meinertshagen, Geschäftsführer der BG Göttingen, warnt vor zunehmenden finanziellen Engpässen für die BBL-Klubs und sagt im Tageblatt-Gespräch: „Finanziell kommt jetzt die schwierigste Zeit auf uns zu.“

Die Corona-Pandemie setzt zunehmend dem Profisport zu: Bei den Fußballern der Münchener Bayern melden sich reihenweise positiv getestete Spieler in die Quarantäne ab, bei den Basketballern müssen die Würzburger gegen Bayreuth auf vier Spieler sowie Trainer Sasa Filipovski verzichten, und am Dienstag wird wegen Quarantäne das nächste Spiel der EWE Baskets Oldenburg abgesagt. Mittendrin befindet sich die BG Göttingen, und angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante machen sich auch die Verantwortlichen der Veilchen Gedanken, wie es weitergeht.

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„Momentan überschlagen sich die Ereignisse“, sagt BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen über die Ereignisse der vergangenen Tage. „Wir müssen jetzt gucken, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt.“ Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Partie der Veilchen bei Medi Bayreuth am Mittwoch kurzfristig abgesagt werden müsse, schließlich habe Medi sich zuletzt im Franken-Derby mit Würzburg gegenübergestanden – verrückte Zeiten in der BBL.

Eine erneute Pause schließt Meinertshagen eigentlich aus

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in nächster Zeit eine Pause einlegen. Aber man muss schauen, wie viele Spiele verlegt oder abgesagt werden, bis wir mit der Welle durch sind“, sagt Meinertshagen über die Omikron-Variante. „Das ist in der Tat schwierig zu beurteilen.“ Angenommen, die halbe Liga sei von Quarantäneverfügungen betroffen, müsse die Situation neu bewertet werden.

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Womöglich könne von anderen Ländern und anderen Ligen gelernt werden, in denen die Omikron-Variante bereits vorherrschend sei. Dass, wie in den USA, Corona-Infektionen oder Quarantänefälle einfach mit Zukäufen von Spielern kompensiert werden, die Kurzzeitverträge erhalten, sei hierzulande aber nicht nur wegen der Regularien, sondern auch aus finanziellen Erwägungen und aus Gründen der Fairness undenkbar. „Wir müssen einfach versuchen, den Spielbetrieb fortzuführen, so gut es geht“, stellt Meinertshagen klar.

Ein Problem könnte die bislang unausweichliche 14-tägige Quarantäne für Teams werden, bei denen Omikron nachgewiesen wurde. Die neue Corona-Variante gilt als hochinfektiös, weshalb bei einem positiven Test ganze Teams lahm gelegt werden. Zum Vergleich: Bei der Delta-Variante muss sich nur der infizierte Spieler in Quarantäne begeben, darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass er sich nach fünf Tagen „freitestet“. „Der Spielbetrieb wäre sehr beeinträchtigt, wenn mehrere Teams bei einem positiven Test auf die Omikron-Variante rigoros 14 Tage in Quarantäne müssten“, verdeutlicht Meinertshagen.

„Finanziell kommt jetzt die schwierigste Zeit auf uns zu, und ich bin mir nicht sicher, dass alle BBL-Klubs die Corona-Situation, sollte es so weitergehen, mittelfristig gut überstehen“, spricht der Veilchen-Chef Klartext. Beispiel BG: Die Verantwortlichen freuen sich sehr darüber, dass 500 Zuschauer das Derby gegen Braunschweig oder das nächste Heimspiel gegen Frankfurt verfolgen können – unter anderem weil es schön für die Fans ist, den Sponsoren ein Gegenwert geboten wird und zumindest etwas Stimmung in der Halle ist. Aber im Hinblick auf den Aufwand und die daraus resultierenden Kosten rechnet es sich eigentlich nicht: „Sollten wir mit 500 Zuschauern statt ganz ohne Zuschauer die Saison zu Ende spielen, wäre das für uns um einen mittleren sechsstelligen Betrag teurer“, sagt Meinertshagen.

Coronabedingt weniger Zuschauer gehen „nur eine Zeit lang gut“

Ein weiteres Rechenexempel: Ein volles Haus wie gegen die Bayern und eine verordnungsbedingt geringere Zuschauerzahl wie gegen Crailsheim mache für die BG bei den Einnahmen einen Unterschied von rund 50.000 Euro aus. „Das geht eine Zeit lang gut, aber es funktioniert nicht gut“, unterstreicht der BG-Chef, der seit einigen Tagen nicht mehr Mitglied des BBL-Präsidiums ist – er habe zwar erneut kandidiert, ein Mitbewerber, ein Vertreter eines kleineren Klubs, sei ihm jedoch vorgezogen worden, was er natürlich akzeptiert. „Ich wäre gern drin geblieben. Man ist nicht mehr so nah dran und kann die Entwicklung nicht mehr so mitbestimmen“, sagt Meinertshagen.

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Die Corona-Hilfe Spitzensport des Bundes sei wichtig, „aber auf Dauer, also jahrelang, hilft sie auch nicht, weil sie natürlich nicht alle unsere Verluste abdeckt“, sagt der Veilchen-Geschäftsführer. Spitzenklubs wie Alba Berlin hätten zwar einen größeren Puffer, aber auch größere Verluste. Meinertshagens Fazit: „Ich glaube nicht, dass es Klubs gibt, die sofort die Grätsche machen, aber irgendwann müssen wir wieder in den Normalbetrieb zurückgehen.“ Und vor allem: „Je häufiger wir aussetzen, desto schwieriger ist es, die Fans zurückzugewinnen.“