04. Oktober 2019 / 15:35 Uhr

Chemie gegen Lok Leipzig: Fanlager bringen sich in Stellung – Polizei ist vorbereitet

Chemie gegen Lok Leipzig: Fanlager bringen sich in Stellung – Polizei ist vorbereitet

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
BSG Chemie gegen Lok Leipzig heißt es am Sonntag.
BSG Chemie gegen Lok Leipzig heißt es am Sonntag. © Christian Modla
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Auch wenn am Sonntag in Leutzsch keine Gästefans dabei sein werden: Im Vorfeld des Derbys zwischen der BSG Chemie und dem 1. FC Lok Leipzig schaukelt sich die Stimmung ganz allmählich hoch. Bisheriger Höhepunkt: ein Anti-Lok-Transparent am Völkerschlachtdenkmal.

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Leipzig. Ein Derby mit nur einem Fanlager: Wenn am kommenden Sonntag die BSG Chemie gegen den 1. FC Lok Leipzig in der Regionalliga spielt, bleibt der Gästeblock zwar leer. Die verfeindeten Anhänger brachten sich diese Woche dennoch in Stellung. Am Spieltag planen sie Aktionen in Leutzsch und Probstheida.

Beide Fanlager trommeln

„Wir hätten 3000 Karten verkaufen können“, sagte Wolfgang Wolf. Der 62 Jahre alte Sportdirektor von Lok hat nur wenig Verständnis für die Entscheidung des Verbandes und der Polizei, wonach dem Gastverein aus Sicherheitsgründen nur 250 Karten zur Verfügung gestellt werden sollten. Hintergrund: Beim Aufeinandertreffen im November 2017 war es im Bruno-Plache-Stadion von Lok zu Ausschreitungen gekommen, die Partie stand kurz vor dem Abbruch. Zuletzt sei es zwischen rivalisierenden Fan-Gruppierungen außerdem zu gegenseitigen Angriffen gekommen.

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Das Leipziger Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie im November 2017 beschäftigte Hundertschaften von Polizisten und bliebt trotz aller Bemühungen im Vorfeld und am Spieltag nicht friedlich. Zur Galerie
Das Leipziger Stadtderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie im November 2017 beschäftigte Hundertschaften von Polizisten und bliebt trotz aller Bemühungen im Vorfeld und am Spieltag nicht friedlich. ©
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Lok lehnte den Vorschlag der Behörden ab und verzichtet freiwillig auf die Unterstützung seiner Anhänger im Alfred-Kunze-Sportpark, der für 4999 Zuschauer zugelassen ist. Dem Gastverein stehen üblicherweise zehn Prozent des gesamten Kartenkontingentes zu. „500 Tickets hätten wir akzeptiert, aber wem hätten wir die 250 Karten geben sollen? Das hätte nur Ärger gegeben“, meinte Wolf: „So eine Festlegung gibt es im Profifußball normalerweise nicht. Das habe ich noch nie erlebt.“

Im Vorfeld trommeln dennoch beide Fanlager, vor allem im Internet. Die Leutzscher Fangruppe „Diablos“ rief Anfang der Woche zu einem Fanmarsch in den Alfred-Kunze-Sportpark auf. Treffpunkt sollte ausgerechnet um 9 Uhr das Völkerschlachtdenkmal, unweit von Loks Bruno-Plache-Stadion, sein. Der Lok-Anhang reagierte prompt und rief die eigenen Anhänger auf, sich schon um 8 Uhr an gleicher Stelle zu versammeln.

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Polizei kann "reagieren"

Jetzt erfolgte eine Korrektur. „Viele von euch werden die Ankündigung, sich am Sonntag am Völkerschlachtdenkmal zu treffen, mit Skepsis aufgenommen haben“, teilten die „Diablos“ nun auf ihrer Website mit. Das sei eine Finte gewesen, um den „Sicherheitsorganen die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben“. Der vermeintliche Plan sei ein Protest gegen Repressionen der Polizei gewesen, die nicht in der Lage sei, 90 Minuten in der vierten Liga abzusichern.

Die Fans der BSG treffen sich nun um 10.30 Uhr am Rathaus Leutzsch und laufen dann gemeinsam zum Stadion. Auch der Lok-Anhang hat sich etwas ausgedacht. Die Mannschaft wird um 11 Uhr im Bruno-Plache-Stadion in Richtung Leutzsch verabschiedet. Das Spiel selbst verfolgen die Fans dann bei einem Public Viewing.

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01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. Zur Galerie
01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. © LVZ

Anti-Lok-Banner am Völkerschlachtdenkmal

Trotz der Trennung der verfeindeten Fangruppen bleibt die Polizei aufmerksam. „Wir behalten auch das Völkerschlachtdenkmal im Blick und können auf verschiedene Varianten reagieren“, sagte Polizeisprecher Alexander Bertram.

Ein Vorfall am Rande sorgte im Netz in den vergangenen Tagen für Aufmerksamkeit. Mitte der Woche wehte ein Banner mit der Aufschrift „Scheiß Lok“ vom Völkerschlachtdenkmal. Das Transparent ist nun offenbar im Besitz des Lok-Anhangs. Der Hooligan, Kampfsportler und Wurzener Stadtrat Benjamin Brinsa postete bei Facebook zu einem Foto, das das Banner nunmehr im Bruno-Plache-Stadion zeigt, süffisant: „Wir haben hier was abgeholt, würden es dem ursprünglichen Besitzer gerne wieder zurück geben. Chemie ultras bitte melden, peace.“

(mit Tom Bachmann)

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