23. Mai 2020 / 08:12 Uhr

Chemie-Kapitän Karau hätte gern auf das eine oder andere Unentschieden verzichtet

Chemie-Kapitän Karau hätte gern auf das eine oder andere Unentschieden verzichtet

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Stefan Karau geht als Kapitän der BSG Chemie voran.
Stefan Karau geht als Kapitän der BSG Chemie voran. © Picture Point
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Die Regionalliga-Kicker der BSG Chemie Leipzig befinden sich immer noch in der Corona-Pause. Kapitän Stefan Karau nutzt die ungewohnt freie Zeit für die Familie und hat mit dem SPORTBUZZER über das letzte Heimspiel, Motivation und die Stimmung im Alfred-Kunze-Sportpark gesprochen.

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Leipzig. Das letzte Spiel des Regionalligisten BSG Chemie Leipzig liegt elf Wochen zurück. 2:4 verloren die Grün-Weißen gegen die VSG Altglienicke. Das Team um Trainer Karsten Heine feierte sich danach als Spitzenreiter, während die Chemiker mit ziemlich langen Gesichtern den Platz verließen, obwohl das neue Offensiv-Verhalten einige Überraschungen im Spiel bereit hielt. Seitdem herrscht Ruhe auf dem Rasen.

"Als Fußballer willst du spielen"

BSG-Kapitän Stefan Karau verlängerte in der Zwischenzeit seinen Vertrag in Leutzsch um eine Saison. Er habe nicht einfach aufhören wollen, so Karau im Gespräch mit dem SPORTBUZZER. Auch wenn er früher mal erklärt hatte, dass er nach einem Sieg gegen Lok seine Karriere beenden würde. Der 34-Jährige fühlt sich gut und will weiter spielen – auch wenn der Derbysieg am 6. Oktober vorigen Jahres gelang und er selbst fast noch das erste Tor geliefert hätte.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Stefan Karau

Schon als Kind war Stefan Karau bei den Grün-Weißen, damals FC Sachsen Leipzig. Zur Galerie
Schon als Kind war Stefan Karau bei den Grün-Weißen, damals FC Sachsen Leipzig. ©

Inzwischen trainiert die Mannschaft schon seit über zehn Wochen nicht mehr. Es steht individuelles Training auf dem Programm ergänzt um Tipps vom Athletiktrainer. Sportdirektor Andy Müller-Papra hatte bereits Ende März eine schnelle Entscheidung gefordert, ob und wie die Saison weitergeht oder nicht. Zwei Monate später ist immer noch keine Entscheidung gefallen. Karau selbst geht nicht davon aus, dass sein Teamin der Saison noch einmal antreten wird. Es gilt sich mit der Situation zu arrangieren und in den "sauren Apfel zu beißen". "Als Fußballer willst du spielen oder zumindest wissen, wann das wieder möglich ist, um deine Zeit einteilen zu können und – nicht unwichtig – auch mal den Kopf abzuschalten."

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Im Normalfall wäre die Saison schon zu Ende. Am 16. Mai hätte das letzte Spiel auswärts gegen den BFC Dynamo im Jahnsportpark stattgefunden. Nun, nach nur 23 Spieltagen, steht Stefan Karaus Mannschaft mit 23 Punkten auf Tabellenplatz zwölf. Wie beurteilt er die Saison? "Wir waren gut dabei", so der Kapitän. Auf das eine oder andere Unentschieden hätte er sehr gern verzichten können. Insgesamt elf Mal blieb für Chemie nach 90 Minuten nur ein Zähler übrig. Aber anders gesehen: Ein Punkt ist mehr als kein Punkt, was den einen oder anderen Anhänger zumindest nicht ärgerte.

Keine Re-Live-Spiele, keine Playstation

Karau selbst ärgerte vor allem, dass durch die Coronakrise nach dem Heimspiel gegen Altglienicke Schluss war. Denn trotz der 2:4-Niederlage war es für den 34-Jährigen ein gutes Spiel, auf dem die Mannschaft aufbauen wollte. Trotzdem sei die Saison gut gelaufen. Das Team habe im Vergleich zur vorherigen Oberliga-Spielzeit hat "einen Riesensprung" gemacht. Anders als nach dem Regionalliga-Aufstieg 2017 wusste die Mannschaft, was auf sie zukam, so Karau weiter. Von Vorteil sei auf jeden Fall auch gewesen, dass sich Trainer Miroslav Jagatic sehr gut in der Liga auskannte.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum 2:4 gegen Altglienicke

Die BSG Chemie Leipzig kann sich zwar erstmals in 2020 über eigene Punktspieltore freuen, geht in der Partie gegen die VSG Altglienicke aber dennoch als Verlierer vom Platz. Zur Galerie
Die BSG Chemie Leipzig kann sich zwar erstmals in 2020 über eigene Punktspieltore freuen, geht in der Partie gegen die VSG Altglienicke aber dennoch als Verlierer vom Platz. © Christian Modla

Was macht ein Kicker wie Stefan Karau eigentlich, wenn es weder Training noch Ligaalltag gibt? Er geht arbeiten, verbringt Zeit mit der Familie, schaut keine Re-Livespiele und daddelt auch nicht auf der Playstation rum. Er besitzt schlicht keine.

"Ganz schwer vorstellbar" sind für den BSG-Leitwolf übrigens Geisterspiele im Alfred-Kunze-Sportpark. "Ich finde es schon beim Elf-gegen-Elf im Training wunderlich, wenn nichts von den Rängen zu hören ist." Mit dieser Meinung ist Karau nicht allein, denn sowohl von grün-weißer Vereins- als auch Fanseite gab es immer wieder ein klares Nein zu Partien vor leeren Rängen.