26. November 2021 / 16:38 Uhr

Chemie Leipzig schwer verärgert: NOFV bewegt sich nicht im Streit um Geisterspiele

Chemie Leipzig schwer verärgert: NOFV bewegt sich nicht im Streit um Geisterspiele

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Beim Spiel gegen Energie Cottbuss wird im Alfred-Kunze-Sportpark der BSG Chemie Leipzig nicht so viel los sein.
Beim Spiel gegen Energie Cottbuss wird im Alfred-Kunze-Sportpark der BSG Chemie Leipzig nicht so viel los sein. © PICTURE POINT
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Bis zu 100.000 Euro Verlust stehen im Raum: Die BSG Chemie Leipzig wollte seine anstehenden Heimspiele verlegen, um nicht vor leeren Rängen Spielen zu müssen. Der Fußballverband allerdings lenkt nicht ein.

Leipzig. Chemie gegen Cottbus: ein echter Hammer! Traditionsduell, Boomtown gegen Lausitz, Allerlei gegen Spreegurken, Jagatic gegen Wollitz, Amateure gegen Profis – es gibt viele Ansätze, über jenes Spiel zu schreiben. Doch wenn am Sonnabend 14.05 Uhr (MDR) das letzte Regionalliga-Vorrundenspiel der Leutzscher angepfiffen wird, herrscht Tristesse auf den Rängen. Gähnende Leere, weil es das Virus so will und der zuständige Verband die (sächsischen) Vereine nicht von Geister-Heimspielen befreit.

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„Wo bleibt da die Gleichheit?“

„In der Regionalliga Nordost wird der Spielbetrieb bis auf Weiteres unter Beachtung der Coronaschutzverordnungen der Bundesländer und der strikten Umsetzung der jeweils gültigen Hygienekonzepte fortgeführt“, teilte der Nordostdeutsche Fußballverband den Vereinen mit. Damit ist der Antrag der BSG Chemie, die kommenden Heimspiele zu verlegen, abgeschmettert. Ausgerechnet die Grün-Weißen trifft es besonders hart, sind doch die restlichen drei Heimspiele vor der Weihnachts- und Winterpause samt und sonders besondere. Spitzenteam Cottbus und die beiden Fast-Nachbarn Eilenburg und Meuselwitz garantieren für hohe Besucherzahlen. Bis zu 100.000 Euro Verlust stehen im Raum. Aber eben nur für Chemie. Pech gehabt? „Wir sind verwundert und traurig, dass man unserem Antrag nicht stattgegeben hat“, sagte Chemie-Medienchef René Jacobi.

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Bis zu 100. 000 Euro Verlust stehen im Raum. Aber eben nur für Chemie. Pech gehabt? „Wir sind verwundert und traurig, dass man unserem Antrag nicht stattgegeben hat“, sagte Chemie-Medienchef René Jacobi. Als Begründung wurde die „Gleichheit“ genannt, die anderen Vereinen ebenfalls entgegengebracht werden müsse. „Dem können wir uns überhaupt nicht anschließen, denn anderen Vereine hätten den Antrag ja auch stellen können“, so Jacobi. „Und Vereine aus anderen Bundesländern dürfen ja mit Zuschauern spielen. Wo bleibt da die Gleichheit?“


Was die finanziellen Verluste für einen Verein wie Chemie bedeuten, zählt als Argument offenbar wenig. Um schöne Worte sind die Funktionäre nicht verlegen. Wie NOFV-Chef Hermann Winkler sagte, strebe man an, dass mindestens 50 Prozent der Saison abgeschlossen werden sollen, um eine Grundlage für eine Wertung bei einem eventuellen Totalabbruch zu haben. Die Ankündigung des MDR, alle Heimspiele der sächsischen Regionalligisten bis Weihnachten live zu übertragen, wertet der Verband als Erfolg.

„Hoffe noch immer auf eine Verschiebung der zweiten Halbserie“

Sportlich wird es ohne Zuschauer auch nicht leichter für die Mannschaft von Trainer Miro Jagatic. „Wir haben die letzten Spiele, die allesamt gegen Spitzenteams gingen, jeweils so gut gespielt, es aber versäumt, uns zu belohnen“, sagt der Coach. „So viel müssen wir gar nicht anders machen. Aber der Mix aus Coolness und Glück fehlte zuletzt vor dem Tor. Wenn wir das wieder hinkriegen, gewinnen wir auch wieder – und warum nicht auch gegen Cottbus?“, fragt Routinier Florian Brügmann, der gegen Lok „die beste Halbzeit der Saison“ gesehen hatte, als in Hälfte zwei Chemie am Drücker war.

Trainer Jagatic beschwört die Geduld, die man jetzt aufbringen müsse. Auf welche Spieler er tatsächlich zurückgreifen kann, weiß er erst nach dem Abschlusstraining. Einige Kicker liegen mit Grippe flach. So ganz hat der Coach die Hoffnung auf ein Umdenken beim NOFV jedoch noch nicht aufgegeben: „Ich hoffe noch immer auf eine Verschiebung der zweiten Halbserie.“ Diese soll bereits am ersten Dezember-Wochenende beginnen – für Chemie daheim gegen Eilenburg. Sein Boss Frank Kühne fragt sich, warum der hohe Aufwand eines Flutlichtes betrieben werden muss, wenn dann die Spiele nicht in einer Notlage wie dieser verschoben und mittwochs ausgetragen werden könnten. „Darüber bin ich sehr verärgert – das macht mich auch richtig wütend!“ Ein Lächeln hatte Kühne am Ende eines turbulenten Tages doch noch im Gesicht. „Wir haben heute fünf Stunden über den weiteren Fortgang unserer Bauvorhaben gesprochen. Das hat mein Gemüt wieder ein bisschen aufgehellt.“