22. April 2021 / 19:01 Uhr

Chemie Leipzig und seine Sponsoren: "Keiner ist zu gering, viele Kleine sind auch ein großer Sponsor"

Chemie Leipzig und seine Sponsoren: "Keiner ist zu gering, viele Kleine sind auch ein großer Sponsor"

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Kevin Hochler
Kevin Hochler, Sponsoring-Verantwortlicher bei der BSG Chemie Leipzig. © BSG Chemie
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Die finanziellen Ausfälle während der Corona-Pandemie zu kompensieren, ist ein schwieriges Unterfangen. Zwei große Geldgeber stärken Chemie Leipzig den Rücken. Der Verein setzt zusätzlich noch auf viele kleine Sponsoren und bietet mit digitalen Ideen der Krise die Stirn.

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Leipzig. Die Existenzangst wird immer größer: Weil Vereine in der Coronazeit enorme finanzielle Ausfälle haben, droht der Exitus. Wie hält sich die BSG Chemie über Wasser, die keinen Mäzen oder Investor als Hauptsponsor hat? Reichen die Anstrengungen der Fans, Hilfsaktionen und Merchandisingverkäufe?

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Chemie-App bietet Mehrwerte

„Es liegt in der Natur der Sache - ein Sponsor will und muss gesehen werden. Punkt“, bringt es Kevin Hochler (34) auf den Punkt. Er ist Sponsoring-Verantwortlicher bei der BSG und seit sieben Jahren am Start. Gegen die schwindende Aufmerksamkeit am direkten Standort hilft nur eines: ausweichen auf andere Gebiete. Das Zauberwort heißt online. „Schon vor Corona haben wir viele Angebote gemacht und überlegt, was wir über die Standards hinaus den Sponsoren und Partnern anbieten können“, sagt Hochler. Da sind Angebote wie die Online-Jobbörse sehr wichtig für die Firmen, die Fachkräfte suchen, ebenso wie das Branchenbuch im Netz.

Seit neuestem bietet die Chemie-App Mehrwerte, informiert proaktiv über Neuigkeiten und Entwicklungen im Verein. „So kommen wir auf Reichweite unabhängig vom Spielgeschehen“, konstatiert Kevin Hochler und verweist darauf, dass nur ganz wenige Sponsoren im letzten Jahr von der Stange gingen: „Im Gegenteil: Innerhalb des letzten schweren Jahres konnten wir die Zahl der Unterstützer auf 250 verdoppeln“, verrät er stolz. Dabei gilt das Prinzip „Keiner ist zu gering, viele Kleine sind auch ein großer Sponsor“. Das sorge für Stabilität und federe eventuelle Verluste besser ab.

Neben den beiden Hauptsponsoren haben fast alle anderen Sponsoren verlängert. Und wer selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist, mit dem wird der Dialog gesucht, um Lösungen zu finden – in beide Richtungen. „Manchmal können wir auch unser Netzwerk nutzen, um einem Sponsor zu helfen und seine Ziele zu fördern“, erklärt Hochler, der einst in der Bezirksligazeit Chemies als Ehrenamtler begann, die BSG Chemie zu unterstützen und seit 2018 seine Agentur „Hochler Marketing“ betreibt. Nach seiner Zeit als Soldat auf Zeit und der Offizierslaufbahn im IT-Bereich und im Sanitätsregiment studierte er Marketing und Vertrieb. Seine Masterarbeit beschäftigte sich mit dem Thema „Potentiale der Fanzufriedenheit“.

"Reichweite war höher als normal"

Wichtig ist auch das Thema „Sponsorenzufriedenheit“. In dieses Feld steckt Hochler viel Zeit und Ideen. „Das zahlt sich in so einer Krise dann auch aus, denn mit der Zeit wächst das Vertrauen – und das ist das allerwichtigste. Dass die Leute wissen, hier wird kein Geld verschwendet, keine Schulden gemacht, seriös gewirtschaftet“, sagt Hochler. Und dass man Grundsätze hat. Nicht umsonst gibt es störende Halbzeit-Shows oder nervige Sponsoren-Anbiederung nicht im Alfred-Kunze-Sportpark.

„Dieser Eckball wird ihnen präsentiert von…“ wird es in Leutzsch definitiv nicht geben, da ist sich Hochler sicher: „Das Erlebnis Fußball soll nicht gestört werden. Werbespots von mehreren Minuten Länge wollen wir hier nicht. Der Fan soll selber entscheiden können, ob er sich eine Präsentation eines Sponsors anschaut oder nicht.“ In der Werbebranche spricht man von „below the line“ – entlang der Grenze, der Nervgrenze in diesem Fall. „Wir haben ausschließlich positives Feedback dazu“, meint Hochler, „auch der Sponsor will positiv wahrgenommen werden“.

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Trotz aller Erfolge fiebert Kevin Hochler der Wiederaufnahme des Spielbetriebes entgegen. Unabhängig von der zugelassenen Zuschauerzahl hat er gute Resonanz nach den vom TV übertragenen Spielen in der Sponsorschaft gespürt. Von sieben Heimspielen wurden sechs übertragen, die Reichweite war enorm und höher als normal, was positive Effekte für die Wahrnehmung der Werbetreibenden brachte. Deshalb ist er jetzt über das Pokal-Viertelfinale gegen Zwickau froh: „Das bringt wieder ein kleines Aufatmen. Der Ball rollt, die Werbung wird gesehen, sowohl im TV als auch auf unseren vielen eigenen Medienangeboten. Die Fans können ihren eigenen Verein endlich auch wieder sehen, wenn auch nur auf der heimischen Couch. Ein kleiner Lichtblick!“