25. Juli 2019 / 20:57 Uhr

Chemie Leipzig-Trainer Miroslav-Jagatic: „Es hat mich einfach gepackt“

Chemie Leipzig-Trainer Miroslav-Jagatic: „Es hat mich einfach gepackt“

Uwe Köster
Leipziger Volkszeitung
Am Samstag beginnt für die BSG Chemie Leipzig gegen Wacker Nordhausen das Abenteuer Regionalliga. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Trainer Miroslav Jagatic über die neue Saison.
Am Samstag beginnt für die BSG Chemie Leipzig gegen Wacker Nordhausen das Abenteuer Regionalliga. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Trainer Miroslav Jagatic über die neue Saison. © Andre Kempner
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Chemie-Trainer Miroslav Jagatic spricht im SPORTBUZZER-Interview über die neue Saison, sein Team und die Aufgabe am Montag in Nordhausen

Leipzig. Am Sonnabend beginnt für Chemie Leipzig mit dem Match bei Aufstiegs-Favorit Wacker Nordhausen (14 Uhr) das Abenteuer Regionalliga. Für den Aufsteiger Chemie kann das Ziel nur Klassenerhalt lauten, sagt Trainer Miroslav Jagatic. Der 43-Jährige ist seit 7. Januar Chefcoach bei den Leutzschern und hat die Chemiker zum Aufstieg geführt. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er unter anderem über die neue Saison.

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Im letzten Test gegen den FC Inter haben Sie die mangelnde Chancenverwertung beklagt. Wurden Torschüsse in dieser Woche noch einmal extra geübt?

Na klar. In der letzten Vorbereitungswoche ist nicht mehr viel mit Kondition bolzen. Da gilt es, an Details zu feilen. Dazu gehören auch die Torabschlüsse. Aber ich glaube, das ist eher eine Kopfsache.

Ist die Abschlussschwäche das einzige Problem, das Ihnen Sorgen bereitet?

Ich will nicht rumheulen, aber keiner hat damit gerechnet, dass wir noch mit so vielen angeschlagenen Spielern aus der letzten Saison zu tun haben. Wir haben gedacht, dass die Pause reichen wird, auch wenn die kurz war. Aber die Pause hat für manche Körper eben nicht gereicht.

Wie sieht es konkret aus?


Daniel Heinze, Andy Wendschuch, Florian Kirstein sind noch nicht fit. Sebastian Berg ist langzeitverletzt, Marc Böttger wird noch drei, vier Monate ausfallen. Max Keßler hat was mit der Schulter, da müssen wir schauen, was passiert. Und jetzt auch noch die Probleme bei Kai Druschky.

Was ist genau mit ihm?

Er hat gesundheitliche Probleme. Viele haben gesagt, er habe Übergewicht. Aber das stimmt nicht. Wir müssen bei ihm vieles checken, können davon ausgehen, dass er zum Saisonstart nicht fit sein wird.  Wenn wir zusammenrechnen, sind wir bei sieben Ausfällen. Jetzt können wir nur hoffen, dass die Jungs Schritt für Schritt zurückkommen und dass wir trotzdem unsere Punkte einfahren. Wir werden alles daran setzen und weiter zusammenrücken. Aber mit dieser Situation konnte niemand rechnen.

Jetzt war viel von Problemen die Rede. Was lief gut in der Vorbereitung?

Ich habe eine großartige Aufbruchstimmung gespürt. Jeder hat versucht, seine Aufgaben bestmöglichst zu erfüllen. Auch im Umfeld, im ehrenamtlichen Bereich, wie die Zeit es zulässt. Ohne die grüne Brille aufzusetzen kann ich doch sagen: Es ist geil zu sehen, wo wir mal waren und wo wir jetzt sind. Es ging stetig nach oben, aber gesund. Da bin ich schon stolz, ein Teil dieses Vereins zu sein.

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Die BSG Chemie Leipzig verliert das Testspiel gegen den FC Inter Leipzig mit 1:2. Zur Galerie
Die BSG Chemie Leipzig verliert das Testspiel gegen den FC Inter Leipzig mit 1:2. ©

Sie scheinen sich schnell mit dem Chemie-Virus infiziert zu haben...

Es hat mich einfach gepackt. Ich war ja schon in der Vergangenheit als Trainer anderer Vereine oft in Leutzsch. Die Leute hier, die Atmosphäre, das war immer toll. Und dann die Fans. In einer Pressekonferenz habe ich mal von einem Hexenkessel gesprochen. Da bin ich froh, dass ich jetzt auf der richtigen Seite stehe. (lacht).

Wenn die Fans wirklich der zwölfte Mann sind, dann spielt Chemie daheim immer in Überzahl...

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So ist es, unsere grüne Wand ist wirklich sensationell. Wenn die Fans sehen, dass wir alles geben und es geht doch in die Hose, feiern sie uns trotzdem. Das ist wirklich einmalig.

Sie haben mit Benjamin Bellot und Julien Lattendresse zwei gute Keeper. Wer ist die Nummer 1 im Tor?

Das lasse ich offen.

Wer steht in Nordhausen im Kasten?

Ich werde das nicht vorher bekanntgeben, auch intern nicht. Die Spannung bleibt bis zur Mannschaftssitzung.

Die Abwehr ist das geringste Problem, oder?

Generell sehe ich in der Mannschaft sehr wenige Probleme – aber es müssen alle da sein. Die Ist-Situation ist leider nicht so.

Wer zieht im Mittelfeld die Fäden?

Das hängt vom Gegner ab. Wir spielen kein starres System, müssen taktisch variabel sein. Aber so viel kann ich prophezeien: Ein, zwei Spieler werden uns in dieser Saison richtig überraschen. Ich verrate jetzt aber nicht, wer das sein wird.

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Haben Sie für irgendeine Position noch Wünsche?

Ein Trainer wünscht sich immer was. Aber ich bin Chemiker genug, dass ich genau weiß, was machbar ist und was nicht machbar ist.

Womit wären Sie am Sonnabend in Nordhausen zufrieden?

Wir sind der Underdog. Wir konzentrieren uns auf das Spiel, geben unser Bestes und schauen, was dabei herauskommt.

Aber welches Gefühl haben Sie?

Ehrlich gesagt, ich habe vor jedem Spiel kein gutes Gefühl. Du bist so fokussiert, überlegst, was alles passieren kann. Und es kann viel passieren. Du musst alle möglichen Szenarien durch­gehen, um sofort handeln können. Wenn ich dann positiv überrascht werde – umso besser.

Ist ein Spitzenteam wie Nordhausen der richtige Auftaktgegner?

Ja! Wir spielen quasi gegen eine Drittligamannschaft. Im Endeffekt ist es gut, dass man gegen so einen Gegner spielt. Da sagen vielleicht einige, ups, das ist doch noch mal ein Zacken drauf, das ist vielleicht immer so ein Spiel wie gegen Fortuna Düsseldorf, gegen den 1. FC Magdeburg. Da müssen nicht erst vier, fünf Spiele vergehen, bis man sagt, wir sind in der Liga angekommen. Sondern wir werden gleich mit einer ganz brutalen Aufgabe konfrontiert. Du weißt sofort, woran du bist. Und der Spieler, der noch nicht in der Regionalliga gespielt hat, sagt dann: Okay, so ist es also.

Interview: Uwe Köster, Christopher Resch