30. Januar 2020 / 18:05 Uhr

Chemie Leipzig und 1. FC Lok leiden unter Rot-Weiß Erfurts Rückzug

Chemie Leipzig und 1. FC Lok leiden unter Rot-Weiß Erfurts Rückzug

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
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Im September holte die BSG Chemie Leipzig einen Punkt im Erfurter Steigerwaldstadion. Nach der Insolvenz und der Einstellung des Spielbetriebs von Rot-Weiß Erfurt geht dieser Punkt nun flöten. © Christian Donner
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Was haben Nordhausen, Chemie und Babelsberg gemeinsam? Nun, auf den ersten Blick nicht viel.

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Leipzig. Nordhausen lebte straff über die Verhältnisse und musste Insolvenz anmelden. Chemie und Babelsberg leben finanziell ehrlich und kämpfen um den Klassenerhalt. Dort mischt nach der Strafe von neun Punkten Abzug nun auch Nordhausen mit. Alle drei verloren nun aber wichtige Punkte wegen der Pleite von Rot-Weiß Erfurt.

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Über Nacht purzelte die Tabelle einmal komplett durcheinander, nachdem am Mittwoch die Erfurter eingestehen mussten, dass es endgültig nicht mehr weiter geht. Zum zweiten Mal in zwei Jahren stürzte der permanent über die Verhältnisse lebende Verein sich und die ehrlich wirtschaftenden Konkurrenten ins Chaos. So mussten die Leutzscher 2018 aus der Regionalliga absteigen, weil Erfurt (und Chemnitz) nach Insolvenzen jeweils neun Punkte abgezogen bekamen und es vier statt zwei Absteiger aus der Regionalliga gab. Ansonsten wäre Chemie dringeblieben. Haarsträubende Ungerechtigkeit schon damals.

Auch jetzt hat der Ausstieg Erfurts erhebliche Konsequenzen. Einerseits sind da die Punktverluste durch die Annullierungen der bisherigen Spielergebnisse. Vor allem im unteren Tabellenbereich gibt es Bewegung: Lichtenbergs 4:0 kommt ebenso nicht zur Anwendung wie Meuselwitz‘ 2:1-Auswärtssieg. Die Nordhäuser rutschten durch den Wegfall ihres 1:0-Heimsiegs gegen Erfurt auf den 13. Tabellenplatz und stehen nun zwei Punkte hinter Chemie. Die Grün-Weißen wiederum haben Glück im Unglück. Ihr 0:0 in Erfurt brachte einen Punkt, der nun flöten geht – die direkte Konkurrenz aus Babelsberg (1:1) und Rathenow (0:0) büßt aber ebenso ein. Arg erwischte es Halberstadt, das drei Zähler verliert (1:0-Auswärtssieg) und statt fünf nun sieben Punkte Rückstand auf Chemie hat.

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Die BSG Chemie Leipzig erkämpft sich im Erfurter Steigerwaldstadion ein 0:0. Zur Galerie
Die BSG Chemie Leipzig erkämpft sich im Erfurter Steigerwaldstadion ein 0:0. ©

Lok verliert vier Punkte

„Eine Katastrophe“, stöhnt Chemie-Vorsitzender Frank Kühne, der auch an die zusätzlich entgangenen Zuschauereinnahmen denkt. „Gegen Rot-Weiß Erfurt wären garantiert über 4000 Zuschauer gekommen, das ist einfach ein Ost-Klassiker“. Über den Daumen gepeilt entgehen der BSG somit geschätzte Einnahmen um die 30000 Euro. Hier fordert Kühne ein striktes Umdenken beim NOFV und dem DFB: „Wir werden schon wieder erheblich nach hinten geworfen durch andere Akteure. Wie lange und wie oft kann so etwas denn noch passieren?“ Wie die Einnahmelücke geschlossen werden soll, ist nun die große Frage, die sich auch andere Vereine stellen.

Lokalrivale Lok hatte zumindest da mehr Glück, das Heimspiel gegen Erfurt fand im Dezember statt. Dafür verlieren die Probstheidaer gleich vier Punkte (2:1, 2:2), während Cottbus drei (5:2), Hertha II (0:0) und Altglienicke nur einen (1:1) Zähler einbüßten. „Am Ende verlieren die Ehrlichen“, stellt Frank Kühne ernüchtert fest. Die Ehrlichen – und der Fußball und seine Fans.