27. Dezember 2019 / 08:17 Uhr

Chemie Leipzig: Vertrag mit Ibisevic aufgelöst, Klassenerhalt wird kein Selbstläufer

Chemie Leipzig: Vertrag mit Ibisevic aufgelöst, Klassenerhalt wird kein Selbstläufer

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
<b>31. Juli 2019:</b> Im zweiten Spiel das zweite 0:0. Nach dem torlosen Remis bei Aufstiegsanwärter Wacker Nordhausen, bleibt Regionalliga-Aufsteiger Chemie Leipzig auch im ersten Saison-Heimspiel gegen Viktoria Berlin torlos. Aber auch die Gäste treffen nicht.
Miroslav Jagatic und seine Chemiker haben noch etwas vor sich, um den Klassenerhalt zu sichern. © KH
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Die Chemiker haben noch einige Baustellen im Team, bevor am 26. Januar der Ligaalltag gegen den BFC wieder aufgenommen wird. In der Hinrunde hat sich die BSG gut präsentiert und die Chancen auf den Klassenerhalt stehen nicht schlecht.

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Leipzig. Euphorie am Zaun, Gesänge nach Spielschluss, Spieler und Fans vereint hinter den grün-weißen Fahnen: So feierte Chemie den Abschluss der ersten Regionalliga-Halbserie – trotz der 0:1-Niederlage bei Viktoria Berlin. Symptomatisch für die Gefühlslage bei den Leutzschern. Mit 20 Punkten nach 18 Spielen steht man gut da. Noch wichtiger ist die Erkenntnis: Man kann mithalten gegen beinahe jeden Gegner. Das unterscheidet die Mannschaft von jener vor zwei Jahren.

DURCHKLICKEN: So lief 2019 für die BSG Chemie

<b>3. März 2019:</b> Die BSG Chemie Leipzig startet erfolgreich ins neue Jahr und besiegt Nordhausens zweite Mannschaft mit 2:1. Der Matchplan des neuen Chemie-Trainers Miroslav Jagatic geht dabei größtenteils auf. Die Tore für Leipzig schießen Druschky und Florian Schmidt. Zur Galerie
3. März 2019: Die BSG Chemie Leipzig startet erfolgreich ins neue Jahr und besiegt Nordhausens zweite Mannschaft mit 2:1. Der Matchplan des neuen Chemie-Trainers Miroslav Jagatic geht dabei größtenteils auf. Die Tore für Leipzig schießen Druschky und Florian Schmidt. ©
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Damals war man aus der Landesliga in die Oberliga aufgestiegen und in einem beispiellosen Kraftakt durchmarschiert. Somit kam die Regionalliga überraschend – man war weder personell noch logistisch-organisatorisch voll vorbereitet. Wie auch? Professionelle Strukturen wachsen nicht über Nacht. Dieses Mal war alles anders. Der Wiederaufstieg war früh angesagt und wurde mit dem neuen Trainer Miro Jagatic auch erreicht. Starke Neuzugänge überraschten Fans und Öffentlichkeit, der Sportliche Leiter Andy Müller-Papra und der Vorstand hatten weitsichtig gehandelt. Benjamin Bellot, Benny Boltze und Thommy Kind (mit 6 Toren bester Torschütze) sind Rückkehrer, welche die grün-weiße DNA in sich tragen und sofort unverzichtbare Stammkräfte wurden.

Ibisevic in die USA

Der Tscheche Tomas Petracek ist im Sturm ebenso unverzichtbar, auch wenn seine drei Tore ausbaufähig sind. Youngster Björn Nikolajewski kam aus Cottbus, stand gleich in der Startelf und sorgte mit seiner Abgeklärtheit für Aufsehen.

Durchgefallen sind die Last-Minute-Zugänge Raffael Cvijetkovic und Elvir Ibisevic. Sie sollten den unerwarteten Ausfall von Kai Druschky kompensieren, der seine Laufbahn sogar beendete. Nun wurde der Vertrag mit Ibisevic gelöst. „Beide Seiten hatten unterschiedliche Vorstellungen der Zusammenarbeit“, hieß es in der Verlautbarung des Vereins. Unter der Hand hört man schon lange die Unzufriedenheit mit dem Neffen des Bundesligastars Vedad Ibisevic heraus. Zu wenig Engagement, zu große Kluft zwischen Schein und Sein, falsche Anspruchshaltung – zu wenig für das ehrgeizige Trainerduo. Nun trennte man sich „einvernehmlich“, Ibisevic will sein Glück in den USA probieren, wo er aufwuchs.

Offensiv noch Reserven

Die Mannschaft wirkt ansonsten geschlossen, recht homogen, taktisch gereift. Die Taktiktüftler auf der Bank, Christian Sobottka und Miro Jagatic, reagieren flexibel auf unterschiedliche Anforderungen. Selten offensiv, oft mit zwei defensiven „Sechsern“, zuletzt gar mit Fünferkette, setzt man auf eine stabile Defensive. Mit nur 21 Gegentreffern (wie auch Lok, BFC) verfügt man über die zweitbeste Defensive der Liga. Neunmal (!) spielte man „zu null“, acht Unentschieden sind der zweithöchste Wert der Liga. Nur sechs Niederlagen setzte es – nur fünf Teams der Liga verloren weniger. Eine starke Leistung der Defensivabteilung, allen voran von Torwart Benny Bellot und Kapitän Stefan Karau in seinem x-ten Frühling.

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Nach vorn freilich gibt es die größten Reserven. Idealerweise kontert man, setzt auf schnelle Gegenschläge über die Außen auf den wendigen Petracek in der Spitze, setzt auf den kantigen Kind als Anspielstation, der mit dem Kopf ablegt oder die Bälle festmacht. Zuletzt wurden zu viele Bälle lang geschlagen, was auf Kosten der Genauigkeit ging. Die Waffe der schnellen Außen griff zu selten, zumal Alexander Bury oft angeschlagen und der pfeilschnelle Philipp Wendt lange verletzt war.

Max Keßler spielt seine Stärken noch zu selten aus. Für das spielerische Element fehlt auch der ebenfalls langzeitverletzte Marc Böttcher, dessen feine Pässe das Spiel bereichern könnten. Hier hofft man auf die zweite Halbserie. Positiv war die Rückkehr eines anderen Juwels: Florian Kirstein. Zweimal hatte sich der pfeilschnelle Stürmer einen Fußbruch zugezogen, nun ist er wieder da. Eine weitere große Hoffnung für das Spiel der Chemiker.

Gefährliche Konstellation

Absolute Höhepunkte der bisherigen Saison waren das 3:3 in Halberstadt, als man nach 0:3-Rückstand zurück ins Spiel kam, das 2:0 gegen den starken Mitaufsteiger Lichtenberg sowie natürlich der 2:0-Sieg im Ortsderby gegen den 1. FC Lok, dem man nicht nur die einzige Saisonniederlage bisher zufügte, sondern den man auch spielerisch beherrschte und weitaus höher hätte besiegen können. Ungewohnte Freudentage in Leipzig-Leutzsch!

DURCHKLICKEN: Die Bilder vom 3:3 in Halberstadt

Zur Halbzeit lagen die Leutzscher 0:3 hinten. Am Ende steht eine Aufholjagd und ein 3:3 auf der Anzeigetafel. Zur Galerie
Zur Halbzeit lagen die Leutzscher 0:3 hinten. Am Ende steht eine Aufholjagd und ein 3:3 auf der Anzeigetafel. © Christian Donner

Wohltuend sind der Realismus und die Bodenständigkeit der Truppe, in der charakterstarke Typen und willige Youngster sich ergänzen. Dazu der starke, fast fanatische Rückhalt der Fans, die den Alfred-Kunze-Sportpark wieder zu einem gefürchteten Terrain machten und ihr Team ständig nach vorn peitschen. Wenn es in der Winterpause gelingt, die Fehleinkäufe in der Offensive zu korrigieren, wird Chemie auch mehr Tore erzielen. Der Klassenerhalt sollte aber in jedem Falle gelingen – auch wenn es kein Selbstläufer wird. Jena und Chemnitz droht der Abstieg, bis zu vier Teams könnten absteigen aus der Regionalliga. Eine gefährliche Konstellation. Chemie weiß das – und bleibt fokussiert.

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