09. Oktober 2021 / 08:03 Uhr

Chemie Leipzigs Kapitän Stefan Karau: „Ein Tor von mir habe ich vielen versprochen“

Chemie Leipzigs Kapitän Stefan Karau: „Ein Tor von mir habe ich vielen versprochen“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stefan Karau hat für die BSG Chemie Leipzig mittlerweile 200 Spiele absolviert.
Stefan Karau hat für die BSG Chemie Leipzig mittlerweile 200 Spiele absolviert. © Christian Modla
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Eine lebende Legende für viele grün-weiße Fans: Kapitän Stefan Karau hat 200 Pflichtspiele für Chemie Leipzig bestritten – und mit uns über diese Zahl, seinen Lieblingsverein und das kommende Pokalspiel gesprochen.

Leipzig. Er ist Antreiber, Kampfsau und Kapitän, Ur-Gestein und menschgewordene Chemie-Ikone, wurde jüngst für 200 absolvierte Pflichtspiele für die BSG Chemie geehrt und bestreitet gerade seine letzte Saison. Stefan Karau (35) spricht im SPORTBUZZER-Interview über Lieblingsgegner, Grottenspiele und das bald stattfindende Ortsderby.

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Früher waren 200 Spiele für ein und denselben Verein fast nichts Besonderes. Heute ist das anders. Stolz auf diese Zahl?

Viele wissen ja, wie ich zu diesem Verein stehe. Ich bin über jedes einzelne Spiel für Chemie froh und genieße es.

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Die Fans von Chemie Leipzig huldigen Stefan Karau für seine Vereinstreue. © Picture Point

Früher gab’s einen Wimpel und einen warmen Händedruck. Wie ist das heute?

Bei mir gab’s ein gerahmtes Bild und einen warmen Händedruck…

Wie soll man einen Nachfolger für Sie finden, wenn man nicht das Geld der Konkurrenz zur Verfügung hat?


Da muss man wahrscheinlich mit anderen Dingen punkten wie Stadion, Fans und Atmosphäre. Es ist ein Spagat – ohne Geld ist das schwer. Ich bin froh, dass ich nicht dafür verantwortlich bin.

Für welchen Bereich wären Sie denn nach Karriereende gern verantwortlich in Leutzsch?

Da gibt es nur lose Gedanken, wir haben uns auch schon mal ausgetauscht, aber solange ich aktiv spiele, mache ich mir da keinen großen Kopf drüber. Die ungefähre Richtung weiß ich, aber da reden wir drüber, wenn es so weit ist.

Erinnern Sie sich ans erste Männerspiel für Chemie?

Natürlich, das war 2014/15 gegen Gelb-Weiß Görlitz, ein 0:0.

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Kein Gegentor, also nicht schlecht…

Naja, da wäre nach vorn mehr gegangen, aber die Null stand erst mal. Ich schaue mir gern alte Spiele von uns an, bin diesbezüglich ziemlich auf Ballhöhe.

Dann wissen Sie sicher auch auf Anhieb Ihr bestes Spiel?

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Da gab es so viele… (lacht). Vielleicht das DFB-Pokalspiel gegen Regensburg, weil das 2. Liga war und wir nach Rückstand zurückgekommen sind.

Das schlechteste Spiel haben Sie dann aber sicher erfolgreich verdrängt…

Nein, leider nicht. Das war sicher das 0:5 in Luckenwalde. Da ging gar nichts, auch nicht bei mir. Das war grausam.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum 0:5 in Luckenwalde

Der Höhenflug der BSG Chemie Leipzig wurde brutal beendet. Im Spitzenspiel gegen den FSV Luckenwalde setzte es für die Chemiker eine 0:5 Niederlage. Zur Galerie
Der Höhenflug der BSG Chemie Leipzig wurde brutal beendet. Im Spitzenspiel gegen den FSV Luckenwalde setzte es für die Chemiker eine 0:5 Niederlage. © Christian Donner

Da trafen Sie wahrscheinlich auch auf ihren unangenehmsten Gegenspieler?

Weiß ich nicht, nein. Da kann ich jetzt niemanden namentlich erwähnen. Generell liegen mir stabile, größere Typen mehr als kleine und quirlige. Da kann man besser zupacken, die fallen nicht gleich um.

Der beste Trainer war…?

Schwer zu sagen, jeder hat sein Pro und Contra. Ich kam mit allen gut klar, alle vertrauten mir. Dietmar Demuth fand ich menschlich top, ich mochte seine alten Geschichten aus Hamburg.

Gibt es einen Lieblings-Mitspieler?

Ganz klar Benny Schmidt. Der Schmidter und ich kennen uns so lange, sind durch dick und dünn gegangen, verstehen uns auch privat sehr gut.

Gibt es noch einen Lieblingsverein neben Chemie?

Ich sympathisiere mit dem AS Rom, das hängt mit Francesco Totti zusammen, der so verbunden mit der Roma war. Ich habe mir schon zweimal das Derby in Rom angesehen. Und ich schiele auch nach Halle zum VfL, wo ich sieben Jahre gespielt habe. Aber da ist nicht viel Platz neben Chemie…

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Und wie steht’s mit Karau-Toren? Da gab’s etliche Beinahe-Treffer, aber nicht so viele erfolgreiche Versuche?

Ja, stimmt. Gegen Jena wurde mein Kopfball von der Linie gekratzt, da fehlte nicht viel, und wir wären doch noch mit einem Punkt nach Hause gefahren. Auch gegen Lok war ich zweimal nahe davor.

Also wird’s mal wieder Zeit?

Ja, ich habe jetzt schon so vielen Leuten ein Tor versprochen, da muss ich das wohl einlösen.

Aber getroffen haben Sie schon in 200 Pflichtspielen, oder?

Klar, genau dreimal. Gegen Freiberg, Görlitz und einmal im Pokalspiel gegen Annaberg. Da konnte ich nicht mehr ausweichen, ich stand bei der Flanke von Andy Müller-Papra schon fast auf der Linie, als er mir auf die Brust fiel.

Jetzt steht wieder ein Pokalspiel vor der Tür. Chemie ist in der Ergebniskrise. Was muss passieren, um bei bei Fortuna Chemnitz zu gewinnen?

Wir müssen das ernst nehmen wie ein Punktspiel. Das wird kein Selbstläufer, ich habe schon viele eklige Pokalspiele erlebt. Das geht’s auf Kunstrasen zur Sache, die können auch Fußball spielen und kämpfen. Aber wir sind der klare Favorit und wissen, wie schön so ein Pokalsieg ist. Am Ende zählt nur das Weiterkommen.