28. Juli 2020 / 14:15 Uhr

Mvibudulu nach Wechsel von Lok zu Chemie: "Ich hätte nichts dagegen, länger hier zu bleiben"

Mvibudulu nach Wechsel von Lok zu Chemie: "Ich hätte nichts dagegen, länger hier zu bleiben"

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Stephané Mvibudulu
Im Testspiel gegen SV Panitzsch/Borsdorf gelang Stephané Mvibudulu ein Doppelpack. © Christian Donner
Anzeige

Nachdem Stephané Mvibudulu beim 1. FC Lok Leipzig keine all so große Rolle gespielt hat, sucht der 27-jährige jetzt sein Glück beim Lokalrivalen Chemie. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die Gründe, disziplinarische Vorfälle und über das Derby.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Ein Wechsel von Probstheida nach Leutzsch oder umgekehrt ist und bleibt in der geteilten Fußball-Stadt Leipzig ein Politikum. Für manche Fans ist dies gar ein unerhörtes „no go“ oder bedeutet zumindest radikalen Liebesentzug, zumindest von einer Seite. Die letzten Wechsel dieser Art gingen nur in eine Richtung – von Blau-Gelb zu Grün-Weiß.

DURCHKLICKEN: Das sind die Eindrücke vom Testspiel Panitzsch/Borsdorf gegen BSG Chemie

Der in der Stadtliga spielende SV Panitzsch/Borsdorf konnte der höherklassigen BSG Chemie kaum Paroli bieten und verlor das Testspiel mit 0:10 (0:4) Toren deutlich. Zur Galerie
Der in der Stadtliga spielende SV Panitzsch/Borsdorf konnte der höherklassigen BSG Chemie kaum Paroli bieten und verlor das Testspiel mit 0:10 (0:4) Toren deutlich. ©

Die Spieler selbst sehen die Angelegenheit meist nüchterner als Außenstehende – wie jetzt Angreifer Stephané Mvibudulu. Er folgte Julien Latendresse-Levesque und Andy Wendschuch, die vor zwei Jahren in den Alfred-Kunze-Sportpark wechselten. Der 27-jährige Mvibudulu ist gebürtiger Kongolese, der mit seinen Eltern 1995 vor dem Bürgerkrieg floh und in Leipzig aufwuchs. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Offensivmann über eigene disziplinarische Schwächen, mangelndes Vertrauen und das Derby im Dezember.

Willkommen in Leutzsch. Für die Chemie-Fans erst mal Aufklärung: Wie spricht man Ihren Namen korrekt aus?

Der Vorname kommt aus dem Französischen, die Betonung liegt auf dem "a". Beim Nachnamen spricht man das "M" nicht mit, ansonsten spricht man es ganz normal.

Ein Wechsel von Probstheida nach Leutzsch, die Fans sprechen auch vom Südfriedhof und Unterholz, ist und bleibt etwas Außergewöhnliches. Sie sind groß geworden mit dieser Rivalität, haben bei Lok mit Fußballspielen begonnen - wie fühlt es sich für Sie bisher an?

Bis jetzt sehr gut, ich habe nichts Negatives bislang gehört. Aber wenn das Derby vor der Tür steht, wird man schon das eine oder andere abbekommen.

Also war das alles gar nicht so schwer?

Natürlich beschäftigt man sich schon mit dem Thema und dem ganzen Drumherum. Man muss es dann so nehmen, wie es ist. Ich bin heimisch in der Stadt, habe meine Freundin hier. Ich habe meine Entscheidung so getroffen und nun stehe ich auch dazu. Im Endeffekt ist es immer noch Fußball – mehr nicht.

Was war der Grund für den Wechsel?

Ich hatte ja wenig Spielzeit bei Lok, das hatte ich mir auch anders vorgestellt. Da war es von beiden Seiten dann folgerichtig, dass sich die Wege trennen.

Mehr zu Chemie

20 Spiele mit nur einem Tor – war das möglicherweise zu wenig für die Ansprüche bei Lok?

Ich wurde nicht oft zum Einsatz gebracht, obwohl ich erstmals in meiner Karriere komplett verletzungsfrei geblieben bin. Wenn ich reflektiere, lag das natürlich auch an mir selbst, da hat auch nicht immer alles gepasst.

Was ist vorgefallen?

Naja, es gab da schon was mit der Disziplin und zu spät kommen, sowas halt. Das geht natürlich nicht.

Das mögen Trainer ungefähr wie besserwisserische Journalisten …

Das kann sein. Ich fand trotzdem, dass zu wenig an mir festgehalten wurde. Ich hatte gefühlt immer nur ein Spiel, um zu funktionieren, und wenn das nicht klappte, war man gleich wieder raus aus der Mannschaft.

Könnte in Leutzsch anders laufen. Dort sucht man händeringend nach einem Knipser, um die ausbaufähige Torquote zu verbessern.

Das hoffe ich auch. Ich komme zwar mehr über die Außen, fühle mich aber auch in der Mitte wohl.

Wenn das gut funktioniert, könnte Leutzsch endlich die neue Heimat werden? Bisher gab es ja viele Stationen in Ihrer Karriere, aber keine richtige Konstanz. Oder?

In München war ich drei Jahre bei 1860, das war schon eine Konstanz. Aber ich hätte überhaupt nichts dagegen, hier länger zu bleiben. Das hängt ja sicher auch davon ab, wie gut es läuft. Schau’n wir mal.