19. Mai 2021 / 07:17 Uhr

Chemie Leipzigs Sportchef Andy Müller-Papra wird 40: „Keine besondere Zahl für mich“

Chemie Leipzigs Sportchef Andy Müller-Papra wird 40: „Keine besondere Zahl für mich“

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
BSG Chemie Leipzigs Sportchef Andy Müller-Papra mit dem Vorstandsvorsitzenden Frank Kühne.
BSG Chemie Leipzigs Sportchef Andy Müller-Papra mit dem Vorstandsvorsitzenden Frank Kühne. © imago images / opokupix
Anzeige

Erst im zarten Alter von 33 Jahren kam er als Spieler zur BSG Chemie Leipzig, nun wird er 40 und ist sportlicher Leiter der Leutzscher: Andy Müller-Papra feiert Geburtstag.

Leipzig. Niemand streichelte den Ball so ins Tor wie er, sie riefen ihn „Fußballgott“ – und seit 2018 ist er sportlicher Leiter bei der BSG Chemie: Andy Müller-Papra. Am Mittwoch wird der ehemalige Mittelstürmer 40 Jahre jung. An eines seiner vielen Tore erinnert er sich noch ganz genau: „Wir spielten mit Chemie bei Zwickau II und ich traf in der letzten Minute per Freisstoß zum 3:2-Siegtreffer. Danach bin ich entgegen meiner Gewohnheit richtig abgegangen und in die Sandgrube hinter dem Tor gehechtet. So weit bin ich glaube noch nie gesprungen“, erzählt der ruhige und sympathische Ex-Kicker.

Anzeige

Mit Chemie kam zunächst nicht zustande

Chemie war noch im Aufstiegsrennen, es ging um wichtige Punkte, was bei dem sonst abgeklärt wirkenden Müller-Papra für Wallungen sorgte. „Das hätte ich zum Ende meiner Karriere nie gedacht, dass ich noch mal so viele Emotionen erleben würde wie bei der BSG.“ Er kam erst mit 33 Jahren zu Chemie – und zwar direkt von der kurzzeitig existierenden, längst in der Gosse der Geschichte verschwundenen SG Leutzsch, die drei Jahre einen ebenso überflüssigen wie hässlichen Zwist mit Chemie anzettelte.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Andy Müller-Papra

13. September 2002:  Diebische Freude bei Co-Trainer Joachim Niklasch und Andy Müller nach dem 1:1 des SV 1919 Grimma beim VfB Leipzig. Zur Galerie
13. September 2002:  Diebische Freude bei Co-Trainer Joachim Niklasch und Andy Müller nach dem 1:1 des SV 1919 Grimma beim VfB Leipzig. ©

Dass Müller-Papra dort landete, war Zufall: „Ich kam nach meiner zweijährigen Zeit in Plauen nach Leipzig und suchte einen Verein. Mit Chemie kam es irgendwie nicht zustande, also kickte ich dort.“ Zuvor hatte er seinen Traum vier Jahre in Magdeburg gelebt, wo er zwischen 2004 und 2008 zwei Oberliga- und zwei Regionalligasaisons spielte und es auf 84 Spiele und zehn Tore brachte. Nach einem Beinahe-Aufstieg in die 2. Liga brach eine Welt zusammen, danach spielte er in Oldenburg und Zwickau, ehe er nach Plauen wechselte. Seine Rekordsaison bestritt er 2016/2017 bei der BSG Chemie, als er in der Oberliga zwölf Mal traf und damit die Bestmarke seiner Karriere im hohen Fußball-Alter von 35 Jahren hinlegte. Danach war Schluss – Trainer Dietmar Demuth plante nicht mehr mit ihm. Zudem plagten den Oldie Rückenschmerzen. Ein Jahr schaute er sich alle Spiele in Leutzsch an, ehe ihn das Angebot des Vereines erreichte, als sportlicher Leiter einzusteigen.


„Feiern kann man eh nicht“

Pikanterweise musste schon bald über die Personalie seines ehemaligen Trainers entschieden werden: Demuth wurde von Müller-Papra entlassen. „Das hatte aber rein gar nichts mit Antipathie zu tun – oder seiner Entscheidung von anderthalb Jahren zuvor, mich nicht mehr zu brauchen“, versichert Müller-Papra. Die Ergebnisse seiner Tätigkeit können sich sehen lassen: Er holte nicht nur Trainer Miro Jagatic („Supertyp, wir sind mega-zufrieden mit ihm!“), sondern auch zuletzt Typen, die voll einschlugen wie Mvibudulu, Surek, Fassbender, Bellot und Co. „Es ist immer ein Mix zwischen Spielern, die angeboten werden, und denen, die wir selber suchen und haben möchten“, meint er, der seine Brötchen in einem Immobilienbüro verdient und erst nach Feierabend für die BSG Chemie aktiv wird. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit dem Trainergespann Jagatic/Sobottka.

Die drei ticken ähnlich und verstehen sich auch menschlich sehr gut. Die jetzige Transferphase hielt ja durchaus einige Überraschungen bereit, mit Kanther und Brügman kamen zwei vielversprechende Kicker, einige weitere sollen folgen. Jetzt steht erst einmal der 40. Geburtstag an – einer wie jeder andere. Müller-Papra siehts gelassen: „Das ist jetzt keine besondere Zahl für mich, feiern kann man eh nicht“.