02. Juni 2021 / 07:24 Uhr

Chemie Leipzigs Team der Superlative: Michael Reimer und Matthias Weiß werden 60

Chemie Leipzigs Team der Superlative: Michael Reimer und Matthias Weiß werden 60

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Die junge Leutzscher Sturmreihe von einst war 20 Jahre lang unzertrennlich. Heute sind die drei Kicker allesamt 60 Jahre alt. Von links: Hans-Jörg Leitzke, Matthias Weiß und Michael Reimer.
Die junge Leutzscher Sturmreihe von einst war 20 Jahre lang unzertrennlich. Heute sind die drei Kicker allesamt 60 Jahre alt. Von links: Hans-Jörg Leitzke, Matthias Weiß und Michael Reimer. © Westend
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In heutigen Zeiten ist es eher selten, dass eine Mannschaft vom Junioren-Bereich bis zu den Herren beinahe komplett zusammenbleibt. In der Geschichte der BSG Chemie Leipzig gab es ein solches Team. Michael Reimer und Matthias Weiß gehörten dazu und sorgten gemeinsam mit Kickern wie Hans-Jörg Leitzke in der DDR-Oberliga für Furore.

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Leipzig. Aerzen und Mallorca. Im schönen Weserbergland und auf der noch schöneren Baleareninsel feiern dieser Tage zwei bodenständige Leipziger ihren 60. Geburtstag, die Teil einer äußerst seltenen Konstellation waren: die Chemiker Michael Reimer und Matthias Weiß gehörten zu jener Elf, die zu guten Teilen von den Knaben bis in die höchste DDR-Spielklasse zusammenspielten.

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„Jetzt werde ich mir die neue App runterladen“

„Es war ein Phänomen, dass es so viele Spieler in die Oberliga geschafft haben, das war auch in der DDR nicht an der Tagesordnung“, erklärt Stefan Opitz (70), einst Übungsleiter jener Jungs. Neben den Jubilaren gehörten Hans-Jörg Leitzke, Frank Illge, Dieter Gosch und Harald Bellot zum Team – auch ein gewisser Uwe Zötzsche, der später zu Lok „delegiert“ wurde. Sie kamen zwischen 1980 und 1982 in die erste Mannschaft und gehörten zum Team der Superlative, das 1982/83 mit nur drei Minuspunkten durch die Saison kam – ein europäischer Rekord. „Wir waren sicher neben den beiden Meistermannschaften von 1951 und 1964 die Truppe, die für die meiste Euphorie in Leutzsch gesorgt hat“, ist sich Matthias Weiß sicher.

Mehr zur BSG Chemie

Der Immobilienunternehmer, der seinen Geburtstag am Mittwoch auf „Malle“ feiert, war der BSG immer treu. Zwar gab es Ausflüge nach Velten, Hennigsdorf, Aue, Magdeburg und Wolfsburg, aber „seiner“ Chemie war der gebürtige Leutzscher immer nahe. Als Sponsor, Marketingmann und letzter Vorstand des FC Sachsen nahm er auf seine Firma und Gesundheit keine Rücksicht, kämpfte wie ein Löwe – und verlor 2011 doch durch die Insolvenz, die andere eingebrockt hatten. „Das war ein aussichtsloser Kampf, aber das wollten wir damals nicht wahrhaben. Ich bin heilfroh, dass heute in Leutzsch so tolle Arbeit gemacht wird“, gesteht „Matscher“.



Auch Micha Reimer ist informiert über das, was bei Chemie passiert. „Ich nutze die Website. Jetzt werde ich mir die neue App runterladen“, hat sich der einstige Stürmer, der von 1980 bis 1990 mit Unterbrechung der Armeezeit in der ersten Elf spielte, vorgenommen. Bei der Fusion mit Böhlen zum FC Sachsen wurde er aussortiert, stand über Nacht auf der Straße und beim Arbeitsamt. Über Grimma und diverse Probetrainings landete er in Aerzen, kickte mit seinem Schwager Frank Illge bei Preußen Hameln und arbeitete in der Registratur einer Versicherung. Seit 20 Jahren ist er Digitaldrucker und pendelt ins 170 km entfernte Schwerte.

„Nur einer von vielen Geburtstagen“

Seite an Seite nahmen Weiß und Reimer jede Hürde im Nachwuchs und stürmten 1983 die Oberliga in dem unvergleichlichen Lauf. Als es gegen die Etablierten ging, zeigte sich die junge Sturmreihe, zu der noch Hans Leitzke gehörte, furchtlos. Weiß: „Gegen Dynamo Dresden schafften wir ein 1:1. Angst hatten wir keine. Wer sollte uns was?“ Am Ende schwächelte die BSG etwas, wodurch es zu den legendären Relegationsspielen gegen Union Berlin kam. Im entscheidenden Match traf Weiß zum 1:1-Ausgleich, Chemie siegte 2:1 und blieb drin. Die Feier danach bleibt bis heute unvergessen. „Es gab nichts, was wir nicht gemacht hätten“, deutet Weiß lachend an, während Reimer gesteht: „Viel ging nicht, ich war viel zu erschöpft. Ich glaube, ich bin zeitig gegangen“. Wer‘s glaubt…

Seit frühester Kindheit kickten Weiß und Reimer in einer Mannschaft, Kontakt haben die beiden heute nur noch sporadisch. Was sie eint, ist die Gelassenheit betreffs ihres Alters. „Ist doch nur eine Zahl“, meint Reimer, während Weiß flachst: „Nur einer von vielen Geburtstagen – auch in der Zukunft“. Vielleicht sehen sie sich ja, wenn es wieder zum Traditionstreff der Chemiker im Herbst kommt. Auf jeden Fall wird es viel zu erzählen geben.

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