22. Februar 2022 / 09:58 Uhr

Chemie Leipzigs Tor-Garant Bernd Bauchspieß: Der "Spießer" krönt sich gleich dreimal

Chemie Leipzigs Tor-Garant Bernd Bauchspieß: Der "Spießer" krönt sich gleich dreimal

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
BSG Chemie Leipzigs Star-Stürmer Bernd Bauchspieß netzt ein.
BSG Chemie Leipzigs Star-Stürmer Bernd Bauchspieß netzt ein. © westend presseagentur archiv
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1959, 1960, 1965: Gleich dreimal konnte sich der "Spießer" als bester Torschütze der DDR-Oberliga feiern lassen. In der SPORTBUZZER-Serie zu Leipzigs Torschützenkönigen der Vergangenheit geht es im zweiten Teil um Bernd Bauchspieß, der vor 60 Jahren ein Top-Goalgetter war.

Leipzig. Sieben Torschützenkönige der DDR-Oberliga spielten für Vereine aus Leipzig und der Region. In dieser Serie stellen wir sie vor – verbunden mit der Hoffnung, dass bald ein Leipziger (Bulle) bester Torjäger auch der Fußball-Bundesliga wird.

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Meister mit Chemie

Bernd Bauchspieß holte sich die Krone des Torschützenkönigs gleich dreimal. Im Alter von 18 Jahren lief 1959 er das erste Mal zu einem Spiel der DDR-Oberliga auf, für seinen Heimatverein Chemie Zeitz, mit dem er im Jahr zuvor aus der DDR-Liga, der zweithöchsten Spielklasse, aufgestiegen war. Schon daran hatte der damalige Jungspund mit 18 Treffern beträchtlichen Anteil.

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Die gleiche Anzahl reichte dann im ersten Erstliga-Jahr der Zeitzer zur Oberliga-Krone und für seine Mannschaft als Aufsteiger zu Rang zehn. Ein Jahr später wurde es noch besser, der nun 21-Jährige schoss 24 Tore - und stieg mit den Zeitzern als Oberliga-Vorletzter dennoch ab. Danach wechselte er zu Dynamo Berlin, wo er aber nur ein halbes Spieljahr kickte. Er wollte nach Leipzig, wo er ein Medizinstudium begonnen hatte, bekam aber von Fußball-Verband keine Freigabe für den SC Lok.

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So ging er zunächst zurück nach Zeitz, von wo er aber 1963 von Trainer Alfred Kunze zu Chemie Leipzig geholt wurde und umgehend mit dem neu gebildeten Team DDR-Meister wurde. Unter Mitwirkung des „Spießers“ erlebte Chemie einen kaum erwarteten Höhenflug, denn bekanntermaßen waren die Grün-Weißen nach der Neusortierung der Leipziger Erstliga-Kicker eher der sogenannte „Rest“ der Messestadt. Bauchspieß erwies sich als grandiose Ergänzung der eigentlich Aussortierten, die 1966 auch noch DDR-Pokalsieger wurden. Zuvor hatte sich Bauchspieß in der Saison 1964/65 mit 14 Toren sogar zum dritten Mal die Torjägerkrone aufgesetzt, nun für die BSG Chemie Leipzig, die in dem Jahr Dritter wurde.

Erfolgreicher Orthopäde

Der Mittelstürmer hatte weit zuvor schon sieben Spiele für die DDR-Juniorenauswahl absolviert. Für die A-Nationalmannschaft war er indes nur ein einziges Mal aufgelaufen, 1959 beim 2:3 gegen Finnland in Helsinki. In der Nachwuchs-Auswahl stand er achtmal, in der B-Auswahl spielte er dreimal. Mit der Olympia-Auswahl holte er 1964 in Tokio Bronze, bei diesem Turnier kam er in drei Partien zum Einsatz und erzielte dabei ein Tor.

Bernd Bauchspieß (li.) vor sechs Jahrzehnten mit seinem Chemie-Weggefährten Otto Skrowny (re.) im rappelvollen Leutzscher Stadion.
Bernd Bauchspieß (li.) vor sechs Jahrzehnten mit seinem Chemie-Weggefährten Otto Skrowny (re.) im rappelvollen Leutzscher Stadion. © Archiv

Für Chemie blieb er bis 1973 aktiv, erlebte den Abstieg 1971 mit, stieg 1972 aber wieder auf. Da spielte der einst brandgefährliche Mittelstürmer mittlerweile routiniert auf der Libero-Position, die er von seinem langjährigen Mannschaftskameraden Manfred Walter geerbt hatte. Walter betont bis heute die Wichtigkeit des „Spießers“ für die legendären Erfolge der Chemiker. Er innert sich auch an ihre erste Begegnung: „Da spielte ich noch in Wurzen und er in Zeitz. Ich war als Stopper sein Gegenspieler und meinte, ihn gut im Griff gehabt zu haben. Allerdings verloren wir 0:2. Beide Tore hatte Bernd gemacht …“ Später kamen in insgesamt 264 Oberliga-Spielen 120 Treffer des „Spießers“ hinzu.

Ähnlich erfolgreich wie als Fußballer war Bernd Bauchspieß im Beruf. Als promovierter Orthopäde arbeitete der unterdessen 82-jährige „Doktor“, wie er von seinen Freunden auch gern genannt wird, noch weit über den eigentlichen Renteneintritt hinaus. Über seine großartige Karriere als Fußballer und Torjäger will er heute nicht mehr viele Worte verlieren, für und über ihn scheint ihm alles gesagt.