30. März 2020 / 13:53 Uhr

Chemie-Sportchef Müller-Papra fordert: "Wichtig, dass schnellstmöglich Klarheit herrscht"

Chemie-Sportchef Müller-Papra fordert: "Wichtig, dass schnellstmöglich Klarheit herrscht"

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Steuern gemeinsam die BSG Chemie: Präsident Frank Kühne und Sportlicher Leiter Andy Müller-Papra.
Steuern gemeinsam die BSG Chemie: Präsident Frank Kühne und Sportlicher Leiter Andy Müller-Papra. © imagi images / Beautiful Sports
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Die BSG Chemie Leipzig wird aktuell von ihren Fans durch die Coronakrise getragen. Die Soliaktion läuft prächtig. Der Einnahmeverlust aus den fehlenden Heimspielen konnte ausgeglichen werden. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Sportliche Leiter Andy Müller-Papra deshalb nicht nur über Aktuelles, sondern auch die Planung für die kommende Saison.

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Herr Müller-Papra, Sie sind seit Sommer 2018 Sportlicher Leiter der BSG Chemie: Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus? Oder um es etwas konkretisieren: Was war bisher das schönste, was das schlimmste Erlebnis?

Das schönste Erlebnis war die Geburt meines Sohnes im vergangenen Jahr. Sportlich gesehen waren natürlich der sofortige Wiederaufstieg in die Regionalliga 2019 sowie das Erreichen der zweiten DFB-Pokalrunde in der Saison 2018/19 meine schönsten Momente. Den schlimmsten Moment erleben wir aktuell. Es ist für uns nicht klar wie es weitergeht, sportlich wie finanziell, dies macht die Situation so schwierig.

Wie schätzen Sie die sportliche Entwicklung der Mannschaft ein? Welche Veränderungen sehen Sie in der aktuellen Saison im Vergleich zur Regionalligasaison 2017/18?

Die Mannschaft ist reifer geworden und weiß was in der Regionalliga auf sie zukommt. Gerade in der Defensivarbeit haben wir uns im Vergleich zur letzten Regionalligasaison weiterentwickelt. Im Fußball ist es wichtig, dass jeder auf dem Platz weiß, was zu tun ist. Hier haben die Trainer gemeinsam mit den Spielern an Lösungen gearbeitet, sich auf Gegner besser einzustellen.

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Riesen-Jubel in Leutzsch: Die BSG Chemie Leipzig steigt nach dem 2:1 gegen den FC Eilenburg in die Regionalliga auf! Zur Galerie
Riesen-Jubel in Leutzsch: Die BSG Chemie Leipzig steigt nach dem 2:1 gegen den FC Eilenburg in die Regionalliga auf! ©

Welches Potential steckt in der Mannschaft für die nächste Saison - idealerweise in der Regionalliga?

Wir wollen uns als Verein natürlich ständig weiterentwickeln. Daher sind wir bestrebt, mit dem Großteil der Mannschaft auch in der kommenden Saison weiterzuarbeiten. Es wird aber auch, wie in jedem Jahr, unbequeme Entscheidungen geben, wenn wir uns von Spielern trennen müssen. Diese braucht es aber, damit wir keinen Stillstand haben und unser Ziel, die Mannschaft von Jahr zu Jahr zu verstärken, erreichen.

Die Mannschaft besitzt mit Daniel Heinze (32 Jahre), Benjamin Boltze (33 Jahre) und Stefan Karau (34 Jahre) viel Erfahrung auf dem Platz. Wie sehen Sie deren Entwicklung und die von jungen Spieler, die seit Saisonbeginn Chemie verstärkten, wie Björn Nikolajewski oder Valentino Schubert?

Die von Ihnen benannten älteren Spieler sind Spieler die auf und neben dem Platz vorneweg gehen. Gerade bei Daniel und Stefan sieht man, dass diese sich hier im Verein nochmal weiterentwickelt haben. Bolle bringt natürlich viele Erfahrung mit, aber auch er möchte sich weiterentwickeln und der Mannschaft helfen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Björn und Valentino sind hingegen Spieler die das erste Jahr im Männerbereich bestreiten. Beide haben noch enormes Entwicklungspotenzial und sind sehr ehrgeizig. Es ist wichtig, eine gesunde Mischung zwischen älteren und jüngeren Spielern zu haben. Die haben wir.

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Schon als Kind war Stefan Karau bei den Grün-Weißen, damals FC Sachsen Leipzig. Zur Galerie
Schon als Kind war Stefan Karau bei den Grün-Weißen, damals FC Sachsen Leipzig. ©

Mit Rot-Weiß Erfurt und Wacker Nordhausen gab es vor der Coronavirus-Krise einen insolventen Verein bzw. einen, der bisher mit einem blauen Augen davon kam. Wie sehen Sie die Entwicklung der Regionalliga?

Wir befinden uns in der Regionalliga eigentlich im Amateurbereich. Jeder Verein ist für seine Budgetplanung selbst verantwortlich. Wir bei Chemie geben nur das aus, was wir haben, und damit sind wir auch gut beraten. Ich möchte nicht mit dem Finger auf andere Vereine zeigen. Wenn aber gesund wirtschaftende Vereine durch die Misswirtschaft anderer Vereine benachteiligt werden, kann dies nicht richtig sein. Hier erhoffe ich mir klarere Regelungen und härtere Sanktionen. Durch die Coronakrise stehen nun die Vereine vor schwierigen Aufgaben in den nächsten Wochen, und ich wünsche mir, dass alle Vereine gesund aus der Sache herauskommen.

NOFV-Geschäftsführer Fuchs hat angekündigt, dass seiner Meinung nach die Saison über den 30.6. hinausgehen soll bzw. einige Spiele nachgeholt werden sollen: Es gibt derzeit Mannschaften zwischen 20 und 24 Spieltagen. Die BSG steht nach 23 Spieltagen mit 23 Punkten auf den 12. Platz. Wie sähe Ihre ideale Lösung aus?

Es wird keine ideale Lösung geben. Bei der aktuellen Pandemie befinden wir uns in Deutschland wohl erst am Anfang, so dass es in den kommenden Wochen nicht sehr wahrscheinlich ist, dass Fußball gespielt werden kann. Dies ist in meinen Augen auch momentan nicht das Wichtigste. Ein Saisonverlauf über den 30. Juni 2020 hinaus erachte ich nicht für zielführend. Unsere Spieler haben zum Großteil nur Verträge bis zum 30. Juni 2020. Natürlich wäre es schön, die Saison sportlich zu beenden, nur kann ich Ihnen aktuell nicht sagen, wie dies laufen kann. Für die Planungen der neuen Saison ist es wichtig, dass schnellstmöglich Klarheit herrscht. Von Geisterspielen halte ich nichts. Fußball ist für Fans gemacht.

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Wie schätzen Sie die Soli-Aktion ein? Haben Sie mit solch einer Unterstützung gerechnet? Erleichtert es die Planung der nächsten Spielzeit?

Der Spruch "Niemand wie wir" ist nicht einfach nur so daher gesagt. Unser Verein macht einfach nur Spaß, und ich bin stolz ein kleines Stück davon zu sein. Unglaublich, was in der Kürze der Zeit an Unterstützung zusammengekommen ist. Natürlich hilft dies unter anderem bei der Planung der neuen Saison.