10. März 2019 / 16:41 Uhr

Chemnitzer FC zieht Konsequenzen nach umstrittener Beileidsbekundung für Neonazi

Chemnitzer FC zieht Konsequenzen nach umstrittener Beileidsbekundung für Neonazi

dpa
Fans des Chemnitzer FC
Nach einer umstrittenen Trauerbekundung für einen verstorbenen CFC-Fan mit rechtsextremen Hintergrund zieht der Chemnitzer FC nun Konsequenzen. © 2018 Getty Images
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Nach den Vorfällen beim Spiel gegen die VSG Altglienicke zieht der Chemnitzer FC erste Konsequenzen. CFC-Geschäftsführer und Vorstand Thomas Uhlig legt mit sofortiger Wirkung alle Ämter nieder. Stürmer Daniel Frahn wird mit einer Geldstrafe belegt. Stadt und Sponsoren haben sich von den Ereignissen distanziert.

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Chemnitz (dpa) - Eine umstrittene Beileidsbekundung für einen gestorbenen Fan, der als Mitbegründer einer rechtsextremen ehemaligen Organisation galt, hat nicht nur beim Chemnitzer FC für Aufregung gesorgt. Der Verein zog am Sonntag erste personelle Konsequenzen. Mit weiteren Folgen von Verbandsseite ist zu rechnen.

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In einer Reihe von Pressemitteilungen am Sonntag versuchte der Drittliga-Absteiger, die Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten und weiteren Schaden vom Verein abzuwenden. Doch die Diskussionen um das, was am Samstag vor dem Regionalliga-Spiel des souveränen Tabellenführers daheim gegen die VSG Altglienicke (4:4) im Stadion passierte, dürften vorerst nicht abebben - im Gegenteil.

Kaufmännischer Geschäftsführer und Vorstand Thomas Uhlig legt Ämter nieder

Am Sonntag legte der Kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig alle Ämter nieder, „um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten“. In seiner Funktion trage er die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen, erklärte der 46-Jährige.

Auch für Spieler Daniel Frahn, der vom CFC wegen seines Torjubels, bei dem er ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local Hools“ (Unterstütze deine lokalen Hools) hochhielt, mit einer Geldstrafe bedacht wurde. Wie hoch diese ist, gab der Club nicht bekannt, stellte aber fest: „Darüber hinaus droht Frahn eine Bestrafung von Seiten des Verbandes.“

▪ CFC-Geschäftsführer und Vorstand Thomas Uhlig legt mit sofortiger Wirkung alle Ämter nieder. ▪ Strafe für Daniel Frahn. ▪ Alle Infos 👉 bit.ly/CFC_News #CFC

Gepostet von Chemnitzer FC am Sonntag, 10. März 2019

Verstorbener CFC-Fan Mitbegründer der rechtsextremen „HooNaRa“

In mehreren Pressemitteilungen bemühte sich der Regionalligist um eine Aufarbeitung und betonte, dass es sich um „keine offizielle Trauerbekundung“ gehandelt habe. Der CFC habe „nach dem Tod von Thomas Haller im Rahmen des Ablaufs des Stadionprogramms den CFC-Fans und Hinterbliebenen die Möglichkeit der gemeinsamen Trauer“ eingeräumt. Haller soll Anfang der 1990er-Jahre die Organisation „HooNaRa“ (Hooligans-Nazis-Rassisten) mitgegründet haben, die sich 2007 auflöste. Er leitete bis 2006 den Ordnungsdienst beim Chemnitzer FC. Einem Bericht des MDR zufolge wurde am Samstag auf der Video-Leinwand vor dem Spiel ein Porträt von Haller eingeblendet.

Es habe eine Schweigeminute gegeben, ein schwarzes Kreuz und ein Transparent seien ausgerollt worden. Die schwarz gekleideten Fans in der Südkurve hätten zudem eine Pyro-Show in Rot und Weiß gezündet. In einer Rede seien die Verdienste Hallers für den Verein gewürdigt worden, schrieb der MDR.

Gemeinsame Trauerbekundung keine Würdigung des Lebensinhalts

Der Chemnitzer FC erklärte dazu, gemeinsame Trauer zu ermöglichen, stelle keine Würdigung des Lebensinhalts dar. „Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen, die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen. Dies geschah in Übereinstimmung mit Abwägungen, die von den Sicherheitsbehörden getroffen worden waren“, hieß es in der Stellungnahme.

Daniel Frahn entschuldigt sich für Jubel-Aktion mit Hooligan-Shirt

Ihm persönlich gegenüber sei Haller nie politisch geworden, sagte Frahn in einer der Erklärungen. „Ich bin weit davon entfernt, sein Gedankengut zu teilen“, bekräftigte Frahn. Das T-Shirt sei verkauft worden, „als Thomas Haller erkrankt ist, um die medizinische Betreuung zu gewährleisten. Daher hatte das Shirt für mich eine andere Bedeutung. Dass dieses T-Shirt so tief in der Nazi-Szene verbreitet ist, war mir dabei nicht bewusst“, erklärte Frahn. Nach Vereinsangaben entschuldigte er sich bei den CFC-Verantwortlichen und der Mannschaft für seine Jubelaktion.

„Dass ein Spieler während eines Spiels Botschaften, egal welcher Art, verbreitet und diese nicht vorher mit den Verantwortlichen des CFC bespricht, ist für uns nicht hinnehmbar“, sagte CFC-Sportvorstand Thomas Sobotzik.

Stadt Chemnitz distanziert sich von Vorfällen

Zu den Vorfällen äußerte sich auch die Stadt Chemnitz und forderte den Chemnitzer FC auf, aus dem Geschehenen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. In einer Pressemitteilung vom Sonntag heißt es: „Die Stadt Chemnitz hat die gestrigen Ereignisse am Rande des Regionalliga-Spiels des CFC mit Befremden und Unverständnis zur Kenntnis genommen. Chemnitz ist und bleibt eine weltoffene, tolerante und friedliche Stadt. Wir distanzieren uns deshalb ausdrücklich von allen rassistischen und rechtsextremen Handlungen und Statements.“

Sparkasse beendet Engagement beim Chemnitzer FC

Am Sonntag gab die Sparkasse bekannt, dass sie das Engagement beim Chemnitzer FC nach Ablauf des bestehenden Sponsoringvertrags, der bis Ende Juni läuft, nicht fortsetzen wird. Außerdem hat sich das Kreditinstitut entschieden von den Vorfällen distanziert. Die Sparkasse Chemnitz unterstützt pro Jahr rund 350 Vereine. Ziel des Engagements ist, ein vielfältiges und tolerantes gesellschaftliches Leben in der Region zu fördern.

„Wir sind von den Vorfällen beim Spiel des Chemnitzer FC gegen Altglienicke schockiert. Die Sparkasse Chemnitz steht für eine offene und tolerante Welt. Extremismus verurteilen wir entschieden“, betont Sven Mücklich, Unternehmenssprecher der Sparkasse Chemnitz.

Beschwerden per E-Mail und auf Facebook

Nach Bekanntwerden der Vorfälle am Sonntagmittag habe die Sparkasse nach eigenen Angaben Beschwerden per E-Mail und auf Facebook erhalten. „Wir können die Reaktionen verstehen. Wir distanzieren uns in aller Entschiedenheit. Für uns sind Bilder, wie sie am Samstag entstanden sind, nicht akzeptabel!“, hebt Sven Mücklich hervor.

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