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Christian Beeck: "Der Erfolg von Union war schon teuer"

Christian Beeck war von 2005 bis 2011 zunächst Teammanager, später Sportdirektor. © Thomas Eisenhuth/dpa

2. Bundesliga: Der ehemalige Sportdirektor von Union Berlin spricht im Interview über den Erfolg der Eisenern, den Fußball unter Urs Fischer und den Kultstatus des Vereins.

Zwischen 2005 und 2011 war Ex-Union-Spieler Christian Beeck zunächst Teammanager, später Sportdirektor der Berliner, ehe sich die Wege nach Meinungsverschiedenheiten trennten. Nach gut einem Jahr im Management des damaligen Zweitligisten Energie Cottbus zog sich der 47-Jährige, der in Rathenow geboren wurde, ins Private zurück und arbeitet heute als Unternehmer.

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Herr Beeck, steht am Sonntag das wichtigste Spiel der Union-Geschichte an?

Wichtig ist es schon. Leider Gottes hat man es selbst nicht mehr in der Hand, Zweiter zu werden, da muss man zu Paderborn schielen. Aber ich denke, mit dem Relegationsplatz wurde ganz, ganz viel erreicht. Es ist bisher eine bemerkenswerte Saison und ich hoffe, dass sie ein gutes Ende findet.

Denken Sie, es reicht für den direkten Aufstieg?

2. Liga ist 2. Liga. Für beiden Gegner geht es um den bestmöglichen Tabellenplatz und somit um viel Fernsehgeld. Das ist extrem wichtig in der 2. Liga, weil die meisten Vereine ein Etat- inklusive Liquiditätsproblem haben. Diese Auswärtsspiele sind echte Brocken und schwer zu gewinnen. Paderborn ist mit einem Punkt mehr erstmal im Vorteil.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Union Berlin - und was aus ihnen wurde.

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Simon Terodde: 25 Tore in 93 Spielen schoss Simon Terodde für "Eisern" Union. Mittlerweile spielt er beim 1. FC Köln.

Werden Sie sich das Spiel anschauen?

Bestimmt, aber nach Bochum fahre ich nicht.

Bei Paderborn steht mit Steffen Baumgart ihr ehemaliger Cottbus-Mitspieler an der Seitenlinie. Hätten Sie dem Aufsteiger zugetraut mit Mannschaften wie Köln, dem HSV oder Union mitzuhalten?

Damit konnte wirklich niemand rechnen, dass beide Bundesligaabsteiger so die Saison gestalten. Köln hat es noch geregelt gekriegt, aber was der HSV mit diesem unfassbaren Geldeinsatz abgeliefert hat, ist ein komplettes Sportdesaster. Anders Paderborn, hier wurde mit bescheidenen Mitteln großartiges geschafft. Baumi ist zudem ein spezieller Typ. Er hat eine Art an sich, mit der er die meisten Menschen begeistern kann, die Spieler in eine Euphorie für das Spielsystem legt, allerdings auch intensiv polarisiert. Und diese Atmosphäre ist dann mit offensiv Fußball geprägt - das Ergebnis ist bekannt.

Ist denn dann Union so gut wie Platz drei zeigt oder ist die Konkurrenz einfach so schwach?

Nein, wenn du nach 34 Spieltagen am Ende mindestens Dritter bist, dann hast du dir das hart erarbeitet, auch wenn du deine Phasen hast, in den es mal nicht so rund läuft.

Wenn Union am Ende Dritter wird, wartet Stuttgart in der Relegation. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Ich denke, das ist ein reines Mentalitätsthema. Und wenn die Mentalität bei Stuttgart stimmt, dann werden sie sicherlich auch in der Bundesliga bleiben. Aber es gibt natürlich auch die Punkte, die für Union sprechen: die Überraschung, das Heimspiel. Ich würde sagen, die Chancen stehen 60:40 für Stuttgart.

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Wie sehen Sie die sportliche Entwicklung von Union unter Trainer Urs Fischer?

Der Fußball ist zwar nicht so schön, aber die Ruhe und Gelassenheit ist eine Wohltat. Man posaunt nicht so viel herum, was man alles machen möchte und wer man alles sein will, sondern macht einfach seinen Job und versucht, die Mannschaft einfach vernünftig einzustellen.

Zu seinen Hobbys zählt das Angeln, zu Ihren auch. Gehen Sie irgendwann mal zusammen angeln?

Ich glaube nicht, wir kennen uns gar nicht. Und außerdem bin jetzt in dem Alter, wo ich meine Ruhe haben will, und meine Freizeit nicht mit einem Fußballtrainer verbringen würde. Mein Lebensinhalt ist ein komplett anderer geworden und Fussball nur noch eines meiner Hobbys. Sollte Herr Fischer den Wunsch haben, gehe ich gerne mit ihm angeln. Dann kann er mir auch erklären, wie das richtig geht.

Wie sehen Sie die Gesamt-Entwicklung bei Union in den vergangenen Jahren?

Das, was jetzt passiert, hätte man schon zwei, drei Jahre früher haben können. Man hat sicherlich zu viel Geld investiert, um in diese Situation zu kommen, das alles war nicht gerade billig. Aber am Ende zählt nur das Ergebnis und das ist, bis auf die Tatsache, dass es ein bisschen früher möglich gewesen wäre, herausragend. 2006 ist der Verein ja noch in der Oberliga rumgekrepelt.

Wo wurde denn zu viel Geld ausgegeben?

Die ganzen Trainerwechsel, die ganzen Spieler, die man verpflichtet hat: Das war schon viel, viel Geld, das man investieren musste. Union hatte zwischendurch ja den Ruf weg: „Da wird am besten bezahlt.“ Es mussten externe Investoren her, um Erfolg vorzufinanzieren, und dieses Geld ist komplett für die Mannschaft ausgegeben worden. Demzufolge war der Erfolg schon teuer. Paderborn hat gezeigt, dass mit ein wenig Glück auch günstiger geht.

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Union hat einen Ruf weg als Kultverein. Was macht diese spezielle Identität aus?

Da beißt sich die Katze ein bisschen in den Schwanz. Auf der einen Seite sagt man, man ist ein bisschen anders als die anderen, aber eigentlich ist man das gar nicht. Man muss sich genauso um den Kommerz kümmern, teure Sitzplatzkarten und Logen sind auch in Köpenick notwendig um wettbewerbsfähig zu sein. Einzig die 15.000 Stehplätzen sind einmalig inklusive Eigenbau. Der Union-Fan ist am Ende genauso durchgeknallt und verliebt in seinen Verein wie der Schalker oder der Dortmunder.

Das Stadion soll auf 37.000 Plätze erweitert werden. Hat der Verein das Potenzial für so viele Fans?

Das ist vom Verein mit Sicherheit in einem fairen Case gerechnet. Ob zu den Spieltagen 37.000 kommen, bleibt aber abzuwarten und sollte auch nicht Refinanzierungsquelle sein. Berlin ist eine merkwürdige Stadt. Da hast du jedes Wochenende gefühlt 100 Veranstaltungen und die meisten sind, wenn es nicht etwas Außergewöhnliches ist, nie ausverkauft. Wird jedoch die eigene Marke konsequent sowie werthaltig platziert und der Erlebnispreis inklusive Bier und Bratwurst bleibt für den Fan erschwinglich, kann man es aus meiner Sicht dauerhaft schaffen. Eintagsfliegen und Luftschlösser wären fatal.

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