21. März 2020 / 14:20 Uhr

Virologe Christian Drosten: Volle Bundesliga-Stadien "bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht"

Virologe Christian Drosten: Volle Bundesliga-Stadien "bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für den Christian Drosten steht fest: In der Bundesliga wird es so schnell keine vollen Stadien mehr geben.
Für den Christian Drosten steht fest: In der Bundesliga wird es so schnell keine vollen Stadien mehr geben. © imago images
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Muss die Bundesliga lange ohne Zuschauer in den Stadien auskommen? Der profilierte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité malt ein düsteres Bild, das den deutschen Fußball in eine existenzielle Krise stürzen könnte.

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Muss die Bundesliga für lange Zeit ohne Fans in den Stadien auskommen? Für den renommierten Virologen Christian Drosten steht fest: In deutschen Stadien wird es wegen der Coronavirus-Pandemie so schnell keine vollbesetzten Tribünen mehr geben. Das sagte der Chef der Virologie der Berliner Charité dem Magazin Stern. Für die Profiklubs wäre das eine möglicherweise existenzbedrohende Hiobsbotschaft.

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Er glaube "überhaupt nicht daran, dass wir in irgendeiner absehbaren Zeit wieder Fußballstadien voll machen. Das ist überflüssig. Das wird es bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht geben", sagte Drosten, der einer der profiliertesten Manager der aktuellen Coronavirus-Krise ist. Er sagt außerdem: "Auf Dinge, die schön sind, aber nicht systemrelevant, wird man lange verzichten."

DFL debattiert über Modelle - Geisterspiele für Drosten keine Option

Aktuell debattiert die Deutsche Fußball Liga (DFL) über mehrere Szenarien, wie die Liga-Spielzeit überhaupt zu Ende gebracht werden kann. Dabei soll nach SPORTBUZZER-Informationen auch über einen "Mini-EM-Modus" nachgedacht werden. Soll heißen: Die DFL legt fixe Austragungsorte in allen Regionen fest, von Nord nach Süd, von West nach Ost. An diesen Spielorten soll der Rest der Saison dann in kürzester Zeit mit mehreren Partien täglich durchgezogen werden.

Fest steht, dass DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in naher Zukunft Bundesliga-Spiele mit Zuschauern als "nicht realistisch" bezeichnet. Für Drosten sind allerdings auch Geisterspiele kaum kontrollierbare Risiken - insbesondere wegen der Versammlungen von Fans außerhalb der Stadion. Ein abschreckendes Beispiel aus Sicht des Virologen sind die Vorfälle beim bisher einzigen Geisterspiel zwischen Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, als die Gladbacher Spieler den Derbysieg mit den Fans außerhalb des Stadions feierten. Ähnliche Szenarien seien in Zukunft kaum zu vermeiden.

Drosten ist nicht der einzige Fachmann, der sich Fußballspiele mit Fans im Stadion in der aktuellen Situation nicht vorstellen kann. Auch für seinen Kollegen Alexander Kekulé gibt es keine Alternative. "Großveranstaltungen, bei denen man 60 000 Menschen in einem Stadion zusammenbringt, die sehe ich tatsächlich in diesem Jahr auch nicht", sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle/Saale der Sportschau. Ähnlich hatte sich schon sein Kollege Jonas Schmidt-Chanasit geäußert, der sogar damit rechnet, dass in diesem Jahr überhaupt nicht mehr Fußball gespielt werde.

Eberl plädiert für Geisterspiele: "Wirtschaftlichen Schaden begrenzen"

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl dagegen setzt sich für ebensolche Geisterspiele ein. "Wir hoffen ja, dass wir diese Spiele ohne Zuschauer machen können, um die Saison halbwegs vernünftig zu Ende zu bringen und den wirtschaftlichen Schaden für die Klubs und für alle anderen Branchen, die wirtschaftlich und gesellschaftlich am Fußball hängen, einigermaßen zu begrenzen“, sagte der Sportchef der Borussia der Rheinischen Post. Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke machte sich für Spiele ohne Zuschauer stark.

Der von Eberl erwähnte finanzielle Schaden ist selbst bei Geisterspielen immens. Wie Borussia Dortmund zu Beginn der Krise meldete, drohen pro Partie, die ohne Zuschauer ausgetragen wird, Verluste in Höhe von 2,5 bis 3 Millionen Euro. Beim FC Barcelona wären es laut Präsident Josep Maria Bartomeu sogar sechs Millionen Euro - pro Spieltag.