13. Juni 2021 / 13:12 Uhr

Internationale Pressestimmen zum Eriksen-Kollaps: "Dänemark hat verloren – das Leben gewonnen"

Internationale Pressestimmen zum Eriksen-Kollaps: "Dänemark hat verloren – das Leben gewonnen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Szenen um den Kollaps von Christian Eriksen erschüttern Fußball-Europa.
Die Szenen um den Kollaps von Christian Eriksen erschüttern Fußball-Europa. © Getty Images (Montage)
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Der Kollaps des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen schockiert ganz Fußball-Europa. In der internationalen Presse gibt es große Erleichterung über die guten Nachrichten aus dem Krankenhaus sowie Lob für das Verhalten der Mitspieler. Allerdings muss die UEFA Kritik einstecken.

Schockzustand in Fußball-Europa: Beim EM-Auftakt der dänischen Nationalmannschaft gegen Finnland am Samstag in Kopenhagen erlitt Dänen-Star Christian Eriksen einen Zusammenbruch. Sofort herbeigeeilte Helfer leiteten lebensrettende Maßnahmen ein. Eriksen wurde in ein Krankenhaus nahe des Stadions gebracht, wo sich sein Zustand stabilisierte. Das Spiel wurde nach Rücksprache mit den Spielern und nach langer Unterbrechung fortgesetzt. EM-Neuling Finnland gewann mit 1:0 (0:0). Während das Ergebnis am Ende nebensächlich war, dürften die Bilder von dem Schock-Moment wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

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Die internationale Presse zeigt sich wie alle Beobachter geschockt. In Dänemark – wie auch in ganz Europa – gibt es viel Lob für das Verhalten der Mitspieler. Diese hatten zunächst die Team-Ärzte alarmiert und während der Behandlungen auf dem Platz dann einen schützenden Kreis um den Kollegen gebildet. "Einer für alle und alle für Eriksen", hieß es beim dänischen Rundfunksender DR. Die finnische Helsingin Sanomat schreibt gar: "In einem dunklen Moment trat die menschliche Güte in den Vordergrund."

Allerdings gibt es auch Kritik daran, dass die UEFA auf Wunsch beider Mannschaften letztlich entschied, das Spiel noch zu Ende auszutragen: "Es war respektlos gegenüber Eriksen und seiner Familie, weiterzumachen", heißt es etwa im dänischen Jyllands-Posten. Der SPORTBUZZER hat die Pressestimmen zum erschütternden Vorfall zusammengetragen.

"Das wirft einen Schatten über das Turnier"

Jyllands-Posten (Dänemark): "Es war respektlos gegenüber Eriksen und seiner Familie, weiterzumachen. Und das wirft einen Schatten über ein Turnier, das helfen soll, die Nationen zu vereinen, aber stattdessen um wirtschaftliche Interessen und einen Wettbewerbsvorteil geht, der jede Integrität übertrumpft."

Rundfunksender DR (Dänemark): "Einer für alle und alle für Eriksen. Die Spieler stellten sich im Kreis um Eriksen und versuchten, die Sicht auf ihren Mannschaftskameraden zu verringern, während die Ärzte begannen, Herzmassagen zu geben. Die Zuschauer umarmten sich, fassten sich an die Köpfe. Dort lag ein Vater zweier Kinder und kämpfte um sein Leben. Keiner der Anwesenden im Parken wird das jemals abschütteln können. In wenigen Minuten hatte sich das, was als Fußballfest begann, zu einem Alptraum entwickelt. Und kurz darauf war es unmöglich, die Gänsehaut zurückzuhalten, als die finnischen Fans den Vornamen des Dänen in den Parken herausbrüllten, und die Dänen mit einem schallenden 'ERIKSEN' antworteten. Hin und her. Er ist einer von uns. Es gibt wichtigere Dinge als Fußball."

Berlingske (Dänemark): "Dänemark wacht mit einer Frage auf: Wie geht es Christian Eriksen?"


Ekstra Bladet (Dänemark): "Dänemark hat verloren, doch das Leben hat gewonnen"

Politiken (Dänemark): "Die größte Fußballparty des Jahres wurde augenblicklich gleichgültig, als Eriksen umfiel."

"In einem dunkeln Moment trat die menschliche Güte in den Vordergrund"

Helsingin Sanomat (Finnland): "In einem dunklen Moment trat die menschliche Güte in den Vordergrund, und wir sahen vor unseren Augen, direkt in Kopenhagen, den Kampf von Licht und Schatten, den Kampf um Leben und Tod, der weltweit im Fernsehen übertragen wurde. In Christian Eriksens fragilem Moment wurde sehr deutlich, dass der Mensch im Grunde gut ist. Die Güte brach in ein Loch in die Dunkelheit, die sie zuerst mit Licht zerschmetterte und schließlich überflutete. Die Lücke in der Dunkelheit wurde auf dieser Bühne von verschiedenen Personen größer gerissen: die ersten Spieler, die auf dem Spielfeld um Hilfe riefen, die schnell agierende dänische Nationalmannschaft und das medizinische Personal des Stadions, Fans, die Eriksens Namen als Chor riefen, die schützenden dänischen Spieler und das respektvolle finnische Team."

Guardian (Großbritannien): "Das vorherrschende Gefühl in Kopenhagen war von taubem Unglauben. Für Finnland sollte das erste Spiel bei einem großen Turnier eine fröhliche Angelegenheit werden. Dänemark hatte, auch wenn sie Dauergast bei den Turnieren sind, noch nie ein Endrunden-Spiel ausgetragen. [...] Und im größeren ist das Turnier zu einem Symbol geworden, dass die Corona-Krise am Anfang ihres Endes steht, dass die Austragung mit einem Jahr Verzögerung so etwas wie Normalität darstellen kann. Das alles fühlte sich am Samstagabend aber weit weg an."

"Wir haben schon Europameister: Die Ärzte"

Marca (Spanien): "Wir haben schon Europameister: Die Ärzte"

El Pais (Spanien): "Das Blut aller Fußballfans ist am Samstag gegen 18.40 Uhr plötzlich gefroren."

Tuttosport (Italien): "Chris, wir sind bei Dir!"

Spiegel (Deutschland): "Für so einen Zusammenbruch gibt es keinen einstudierten Fahrplan, keinen klaren Ablaufplan, was als Nächstes zu tun ist. Hier ist die Überforderung erst einmal groß. Umso bemerkenswerter war die Reaktion der Spieler, als Eriksen kurz vor Ende der ersten Hälfte zu Boden ging. Thomas Delaney war es anschließend, der sofort nach medizinischer Hilfe rief und seine dänischen Teamkollegen um sich versammelt hatte, um einen Sichtschutz vor Eriksen zu bilden."

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Sport Express (Russland): "Es scheint so, als ob das wichtigste Ereignis der Euro 2020 bereits stattgefunden hat. Und das im dritten Spiel. Es wird als die Europameisterschaft selbst in Erinnerung bleiben, bei der Christian Eriksen beinahe gestorben wäre. Glücklicherweise wurde eine solche Tragödie verhindert. Es spielt keine Rolle mehr, ob der 29-jährige Mittelfeldspieler weiter Fußball spielen kann oder ob seine Karriere nun enden wird. Die Hauptsache ist, dass er lebt."