10. Juli 2021 / 21:52 Uhr

Simon Kjaer, Yann Sommer und Co: Diese Stars wurden bei der EM zu Helden

Simon Kjaer, Yann Sommer und Co: Diese Stars wurden bei der EM zu Helden

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Simon Kjaer, Yann Sommer und Roberto Mancini: Drei Helden dieser EM.
Simon Kjaer, Yann Sommer und Roberto Mancini: Drei Helden dieser EM. © IMAGO/Getty/Montage
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Die EM geht mit dem Finale zwischen Italien und England am Sonntag in ihren letzten Akt. Außergewöhnliche Momente prägten das paneuropäische Turnier, einige Akteure spielten sich in den Vordergrund. Der SPORTBUZZER blickt auf fünf Helden der Europameisterschaft.

Das EM-Finale im Londoner Wembley-Stadion: Eine Bühne, auf der Helden geboren werden. Beim Duell zwischen Italien und England am Sonntag (21 Uhr, ZDF und Magenta TV) können Mannschaften und Spieler einmal mehr Geschichte schreiben. So wäre ein Triumph gegen die Squadra Azzurra für die englische Auswahl sogar der erste große Titel seit 55 Jahren. Doch auch vor dem Endspiel und der Show unter dem ganz großen Scheinwerferlicht haben sich bereits einige Protagonisten hervorgetan, die mit ihren Leistungen, Auftritten oder auch Aktionen abseits des Sports für bemerkenswerte Momente sorgten. Der SPORTBUZZER blickt vor dem Finale auf fünf Helden der Europameisterschaft.

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Simon Kjaer und Kasper Schmeichel (Dänemark)

Der Kapitän und der Torwart der dänischen Nationalmannschaft zeigten bei der EM nicht nur sportliche Höchstleistungen, mit denen sie das kleine deutsche Nachbarland beinahe ins Finale des Turniers geführt hätten. Sie standen schon im ersten Gruppenspiel gegen Finnland unfreiwillig im Vordergrund. Nachdem ihr Teamkollege Christian Eriksen gleich zu Beginn der Partie zusammengebrochen war und mit dem Tod rang, zeigten Kjaer und Schmeichel, das sie nicht nur mit dem Ball große Qualitäten haben. Kjaer erkannte die Notlage seines Freundes als Erster, sorgte dafür, dass Eriksen nicht an seiner Zunge erstickte und brachte ihn prompt in die stabile Seitenlage. Gemeinsam mit Schmeichel und anderem Mitspielern bildete er einen Ring um Eriksen, der von Ärzten wiederbelebt werden musste - um diesen vor neugierigen Blicken nicht zuletzt der TV-Kameras zu schützen. Kjaer und Schmeichel versuchten, Eriksens geschockte Partnerin Sabrina Kvist Jensen zu beruhigen und zu trösten und waren auch in den folgenden Tagen die Sprachrohre ihres Teams, das es irgendwie vollbrachte, den Schock in positiv-sportliche Energie umzuwandeln.

Die fußballerischen Qualitäten von Kjaer und Schmeichel traten angesichts dieser Momente völlig in den Hintergrund, sollen nichtsdestotrotz nicht unerwähnt bleiben. Denn beide hatten maßgeblichen Anteil am Halbfinal-Einzug der Dänen, der so manchen Beobachter an den sensationellen Titelgewinn von 1992 erinnerte. Kjaer, der von 2010 bis 2013 in Wolfsburg spielte und inzwischen beim AC Mailand sein Geld verdient, war Abwehrchef der dänischen Dreierkette und als solcher nicht aus der Ruhe zu bringen. Leicester-Urgestein Schmeichel zeigte insbesondere im Halbfinale gegen England seine Klasse, als er das mit Heimvorteil ausgestattete britische Starensemble mit Glanzparaden en masse zur Verzweiflung trieb und sogar einen Elfmeter von Harry Kane parierte - trotz einer Laserpointer-Attacke. Dass es letztlich nicht ganz für den Sprung ins Finale reichte, scheint für Dänemark okay: Schließlich, und das ist viel wichtiger, befindet sich Eriksen längst auf dem Weg der Besserung. Nicht zuletzt dank seiner geistesgegenwärtigen Teamkollegen.

Yann Sommer (Schweiz)

Das Bild, wie er inmitten seiner ausflippenden Teamkollegen jubelt, wird sich der 32-Jährige vielleicht ins Wohnzimmer hängen. Der Keeper von Borussia Mönchengladbach ging beim Elfmeter-Krimi im EM-Achtelfinale gegen Frankreich (5:4 n. E.) in die Schweizer Fußballgeschichte ein und manövrierte die Eidgenossen mit dem gehaltenen Elfmetern gegen PSG-Star Kylian Mbappé zum ersten Mal in der Geschichte unter die letzten Acht. Gegen Spanien (1:3 n. E.) rettete er sein Team dann mit seinen Reaktionen erneut in die Entscheidung vom Punkt – der US-amerikanische Fernsehsender ESPN zählte mit zehn Sommer-Paraden im Lauf der Partie einen Bestwert in einem einzelnen Spiel der laufenden EM.

Doch die starken Leistungen des Schlussmanns reichten diesmal nicht. Die Schweizer mussten nach einer starken EM im Viertelfinale die Segel streichen. Die Glanztaten von Sommer hinterließen dennoch Eindruck: "Für mich könnte Yann problemlos bei Mannschaften wie Real oder auch Barça spielen", sagte Ex-Keeper und Landsmann Jörg Stiel, zwischen 2001 und 2004 selbst ein Borusse. Für einen Platz unter den fünf EM-Helden reicht es für den Schweizer allemal.

Patrik Schick (Tschechien)

Dass es Tschechien unter die besten Acht schaffte, ist in besonderem Maße dem Angreifer von Bayer Leverkusen zuzuschreiben. Erst im Viertelfinale war für die tschechische Auswahl, die sich in der Runde der letzten 16 noch überraschend gegen die Niederlande (2:0) durchgesetzt hatte, nach einem 1:2 gegen Dänemark Endstation. Für fünf der sechs Turniertore seines Teams zeichnete Schick verantwortlich. Der 25-Jährige stellte damit sogar den nationalen EM-Rekord von Milan Baros ein.


Seinen Marktwert dürfte der Ex-Leipziger (Vertrag bei Bayer bis 2025) mit seinen Auftritten massiv gesteigert haben. In der Torschützenliste liegt Schick sogar gleichauf mit Superstar Cristiano Ronaldo. Da in der UEFA-Arithmetik bei Gleichstand die Vorlagen herangezogen werden, reicht es nur für Platz zwei. Dennoch gehört der Stürmer zu den prägnantesten Figuren der Europameisterschaft.

Roberto Mancini (Italien)

Mit einer Mischung aus Routine und taktischer Finesse coachte Mancini die Squadra Azzurra bis ins Endspiel der EM. "Niemand hat an uns geglaubt, als wir angefangen haben. Niemand", sagte der 56 Jahre alte Trainer, der nach dem vorläufigen Höhepunkt der beeindruckenden EM-Reise voller Stolz auf sein Team blickte: "Ich muss mich bei den Jungs bedanken, die immer daran geglaubt haben. Aber es gibt noch etwas zu erledigen." Für viele ist dies ein Verdienst des Trainers, der beeindruckende Aufbauarbeit leistete. "Italien ist weiter großartig, zum vierten Mal sind wir im EM-Finale. Meisterwerk Mancinis", meinte der Corriere dello Sport. In den drei Jahren nach der verpassten WM 2018 ist es dem früheren Weltklasse-Stürmer gelungen, eine in Trümmern liegende Mannschaft wieder aufzurichten, umzubauen und nun zum größten Erfolg ihrer jüngsten Geschichte zu führen. "Nur ein Verrückter hat vor drei Jahren an uns geglaubt, und das war der Trainer", sagte Federico Bernardeschi.

Dabei vollzog die Mannschaft bei diesem Turnier auch den Wandel von den stets zynisch und knallhart verteidigenden italienischen Teams zu einer Elf, die mutig und offensiv spielt, die Fans mitreißt und mit ihrem Fußball begeistert. Durchaus auch ein Verdienst Mancinis, der mit Giorgio Chiellini (36) und Leonardo Bonucci (34) auf das älteste Innenverteidiger-Duo des Turniers setzt, in der Offensive auch trotz zunehmender Kritik Spielern wie Ciro Immobile den Rücken stärkt. Nun lebt sein Traum vom EM-Titel mit der Nationalmannschaft. Am Sonntag gegen England kann der Fußball-Lehrer endgültig zum Helden werden.

Harry Kane (England)

Ein Elfmeter-Nachschuss ins Glück - Englands Kapitän Harry Kane brachte die "Three Lions" mit dem 2:1 gegen Dänemark in ihr erstes EM-Finale überhaupt. Es war der vierte Turniertreffer des 27-Jährigen von Tottenham Hotspur, bei dem am Anfang viele Fans und Kritiker fragten: 'Wo ist Kane?' Doch der WM-Torschützenkönig von 2018 fand rechtzeitig in die Spur. Und wie: Mit seinem Treffer zum 2:0 gegen Deutschland und zwei weiteren gegen die Ukraine schoss der Angreifer von Tottenham Hotspur die Auswahl von Gareth Southgate ins Endspiel.

Dort will er am Sonntag nicht zuletzt seinen persönlichen beeindruckenden Schlussspurt krönen. Ein Triumph im heimischen Londoner Wembley-Stadion wäre für England der erste Sieg bei einem großen Turnier seit der WM 1966, Kane somit der erste englische Kapitän seit Sir Bobby Moore, der eine Trophäe in den Himmel recken könnte. Allein das wäre genug für den absoluten Heldenstatus des englischen Spielführers.