13. Dezember 2020 / 18:45 Uhr

Christian Gerstenberger-Zange: "Bei Union kam der Spaß zurück"

Christian Gerstenberger-Zange: "Bei Union kam der Spaß zurück"

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Christian Gerstenberger-Zange sorgt in gegnerischen Abwehrreihen seit über 30 Jahren für Angst und Schrecken. Vor einer Dekade war der Stürmer in Walsleben aktiv (kleines Bild, links).
Christian Gerstenberger-Zange sorgt in gegnerischen Abwehrreihen seit über 30 Jahren für Angst und Schrecken. Vor einer Dekade war der Stürmer in Walsleben aktiv (kleines Bild, links). © Oliver Schwandt, Archiv
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Der 41-Jährige war für den MSV und Union Neuruppin sowie Walsleben aktiv - im Interview spricht der 41-Jährige über diese Stationen und das offene Ende seiner Fußballkarriere.

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„Sportliche Zukunft von Christian Gerstenberger ungewiss“ – so titelte die MAZ am 18. Dezember 2010. Als Spielertrainer hatte der frühere Oberliga-Kicker des MSV Neuruppin dem SV Blau-Weiß Walsleben Leben eingehaucht. Die Weiterführung der persönlichen Laufbahn war damals vakant, weil es für den Torjäger die Schockdiagnose gab: Meniskus- und Kreuzbandriss sowie Knorpelschaden. Dem heute 41-Jährigen, der in den vergangenen Jahren für Grün-Weiß Golm in der Landesklasse auf Torejagd ging, wurde schon mehrfach das Karriereende prophezeit, zur Rückrunde schließt er sich aber wieder einem neuen Verein an: Viktoria Potsdam. Im SPORTBUZZER-Interview spricht „Gerste“ über das desaströse MSV-Kapitel, die Verbundenheit zu Union Neuruppin und, na klar, das noch immer offene Ende der Fußballkarriere.

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Die Fußballfamilie im Ruppiner Land bringt Ihren Namen meist nur mit Union, hin und wieder auch dem MSV Neuruppin in Verbindung. Ihr Engagement in Walsleben gerät in Vergessenheit. Ist das bei Ihnen auch so?

Christian Gerstenberger-Zange: Auf keinen Fall, ich erinnere mich gerne an die Zeit bei Blau-Weiß. Wir hatten dort eine coole Truppe und mit einem Remis den Klassenerhalt in der Kreisliga gepackt. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem damaligen Vorsitzenden Hans-Joachim Krüger war sehr vertraut.

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Die besten Torjäger des Fußballkreises Prignitz/Ruppin 2020/2021. ©

Wie kam es, dass Sie in Walsleben das Traineramt übernahmen?

Ich hatte davon in der Zeitung gelesen und mich selbst angeboten.

Und das mit 31 Jahren.

Ich bin ja 2009 aus Brandenburg zum MSV Neuruppin gewechselt, tatsächlich bahnte sich das schon ein Jahr zuvor an, Wolfgang Rahn hatte mich immer wieder kontaktiert, den kannte ich schon vom BSC Süd 05. Die Zeit beim MSV glich dann aber einem sportlichen Fiasko: Nach nur neun Monaten war schon Schluss, ich hatte kein einziges Tor erzielt, mich mit Trainer Jens Reckmann überworfen und auch noch eine Verletzung davongetragen.

Nicht Ihre erste Blessur.

Das stimmt. Bis zum 28. Lebensjahr hatte ich nie Probleme, dann jedoch den ersten Kreuzbandriss erlitten. Ich wollte mich wegen dieser Vorgeschichte nicht noch mal operieren lassen, wollte mich deswegen an der Seitenlinie probieren.

Was in Walsleben nur bedingt gelang.

Es fing gut an, wir feierten einige Erfolge, die Kadergröße war aber einfach zu knapp. Also musste ich irgendwann doch meine Schuhe schnüren, das Knie hat zum Glück gehalten, der Reiz kam zurück. Ich war erst Trainer, dann Spielertrainer, um dann letztlich wieder richtig aktiv sein zu wollen.

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Dann wieder in der Fontanestadt, jedoch auf der anderen Seeseite.

Das Kapitel Neuruppin kann nicht gegensätzlicher sein. Während ich im Volksparkstadion beim MSV fußballerisch die schwerste Zeit erlebt habe, so waren die Jahre bei Union Neuruppin die schönsten in über 35 Jahren Fußball für mich. Gildenhall ist meine zweite sportliche Heimat geworden.

Was sind die Gründe dafür?

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Ich hatte damals keine einfache Zeit, nach der Trennung von meiner Freundin hat mich der Verein aufgefangen. Wir sind von der Kreisliga in die Landesklasse aufgestiegen, waren eine echte Einheit, bei Union kam der Spaß zurück. Selbst als es mich zurück in die Heimat zog, bin ich eine Saison lang noch gependelt. Mein Lebensmittelpunkt war dann aber wieder in Potsdam und in Golm hatte ich einen jungen und ambitionierten Verein gefunden.

Jahre später ist der Kontakt in die Fontanestadt aber noch immer da?

Wie groß die Verbundenheit noch immer ist, haben die Unioner erst kürzlich bewiesen. Als wir vor zwei Monaten Neuruppin in Golm empfangen haben, gab es für mich ein kleines Präsent zur Geburt meiner Tochter. Ich finde das bemerkenswert, schließlich haben sich die Gesichter in den Jahren verändert. Doch auch die Jungs, die mich nicht mehr kennen, sind mir wohlgesonnen. Als wir vor ein paar Jahren mit Golm bei Union gespielt haben, bin ich schon am Freitag angereist, hab’ dort abends mittrainiert und am nächsten Tag gegen die gleiche Truppe gespielt.

Mit wem bestehen denn noch Verbindungen?

Mit Trainer Stephan Ellfeldt, den Wolter-Brüdern, Sebastian Miessner, Christian Lenz und vor allem Stefan Bregulla. Stefan ist mein bester Kumpel, wir haben auch zusammen bei Golm angefangen, als er ebenfalls hier lebte. Ich war sogar sein Trauzeuge.

Kommen wir zurück zum Sportlichen: Sie wechseln in diesem Winter von Golm zu Viktoria Potsdam, von der Landes- in die Kreisklasse. Was bewegt Sie mit 41 Jahren dazu, weiterhin im Männerbereich zu kicken?

Ich will mehr Einsatzzeiten haben, in Golm war das wegen der Kadergröße wohl nicht mehr machbar. Viktoria ist eine interessante Adresse und hat mit Sven Thoß einen Top-Trainer an der Seitenlinie.

Also kommt ein Engagement im Altherren-Bereich noch nicht in Frage?

Doch, tatsächlich ist das ein Thema. Ich bin erst vor zwei Wochen mit meiner Lebensgefährtin und unseren zwei Kids nach Michendorf gezogen, dort werde ich dann wohl für die Ü32 auflaufen. Der Trainer wohnt in meiner Straße und würde mir den Mitgliedsantrag am liebsten in den Briefkasten werfen. Das soll aber nicht heißen, dass ich dann nicht auch weiter bei Viktoria spiele. Mal sehen, was über den Sommer hinaus passiert.

Vier Knie-Operationen haben Sie über sich ergehen lassen. Warum wollen Sie weitermachen?

Es gab Momente, wo ich keinen Bock mehr hatte, vor allem die Zeit beim MSV nahm mir die Lust am Fußball. Aber ich hatte stets gute Ärzte, die mich operativ immer wieder so hinbekommen haben, dass medizinisch nie etwas dagegen sprach, wieder auf dem Platz zu stehen – zumindest auf der Ebene, auf der ich mich bewege. Wenn ich in den Wald laufen gehe oder privat kicke, dann merke ich, dass es noch funktioniert. Aber klar, ich habe als Fußballer schon mehrfach die zweite Luft bekommen.

45 oder 50? Haben Sie sich eine Altersmarke gesetzt, bei der dann wirklich endgültig Schluss sein soll?

Nein, das habe ich vor ein paar Jahren aufgegeben. Wenn es nach mir geht, stehe ich noch ein paar Jährchen auf dem Platz. Zu sehr mag ich auch das Zusammensein nach dem Spiel, das Bier und die Bockwurst.