13. Februar 2021 / 13:45 Uhr

Gross, Terzic, Dardai: Diese Wirkung hatten die Trainer-Wechsel bei Schalke, BVB und Co.

Gross, Terzic, Dardai: Diese Wirkung hatten die Trainer-Wechsel bei Schalke, BVB und Co.

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Christian Gross, Edin Terzic und Pal Dardai haben kriselnde Teams als Trainer übernommen - wie erfolgreich waren sie bisher?
Christian Gross, Edin Terzic und Pal Dardai haben kriselnde Teams als Trainer übernommen - wie erfolgreich waren sie bisher? © Getty Images (Montage)
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Rund um den Jahreswechsel gab es in der Bundesliga eine große Trainer-Fluktuation.  Borussia Dortmund und Hertha BSC haben jeweils auf einen neuen Coach gesetzt, bei Schalke und Mainz wurden die Übungsleiter gar mehrfach ausgewechselt. Der SPORTBUZZER macht den Check: Was haben die Wechsel bisher gebracht?

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Das Trainer-Karussell in der Bundesliga hat sich in den vergangenen zwei Monaten mächtig gedreht. Mit Schalke 04, Borussia Dortmund, Mainz 05 und Hertha BSC setzten gleich vier Klubs auf einen neuen Coach. Bei Schalke und Mainz sind schon die dritten Dauer-Übungsleiter im Amt, hinzu kam dort jeweils ein Interimstrainer. Doch welche Wirkung haben die Wechsel auf den Trainerstühlen bei den vier Teams, die allesamt in der Krise stecken, eigentlich erzielt? Der SPORTBUZZER blickt auf das, was Christian Gross, Edin Terzic und Co. bisher erreichen konnten.

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Christian Gross (FC Schalke 04)

Der 66 Jahre alte Schweizer ist schon der vierte Schalker Trainer in der laufenden Spielzeit. Manuel Baum folgte Ende September auf den glücklosen David Wagner. Doch schon Mitte Dezember musste auch Baum seinen Posten räumen. Das Bundesliga-Spiel gegen Arminia Bielefeld (0:1) und der Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale verantwortete Huub Stevens als Coach. Dann kam Gross - und er verhinderte immerhin, dass die Königsblauen den historischen Sieglos-Negativrekord von Tasmania Berlin einstellten. Durch ein 4:0 gegen die TSG Hoffenheim klappte es nach 30 Spielen gerade noch mit einem Erfolg. Doch es sollte der bislang einzige Sieg bleiben.

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Seit dem Hoffenheim-Spiel holte S04 gerade einmal einen Zähler - auswärts gegen Werder Bremen gab es ein 1:1. Insgesamt gelangen dem Gross-Team nur drei Tore, es setzte zudem 13 Gegentore. Mit einem Schnitt von 0,5 Punkten pro Spiel ist der aktuelle Schalke-Coach nach acht Spielen noch erfolgloser als Vorgänger Baum: Der 41-Jährige holte in seinen elf Partien immerhin noch durchschnittlich 0,64 Punkte. Die Hoffnung, dass die Neuzugänge Sead Kolasinac, Shkodran Mustafi oder Klaas-Jan Huntelaar weiterhelfen, ist bisher nicht bestätigt worden. Nun versucht es Gross mit der Begnadigung des von Baum suspendierten Nabil Bentaleb - ihm sind also alle Mittel recht. Allein: Der Tabellenletzte steht mit acht Punkten abgeschlagen am Tabellenende. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt neun Punkte. Gross sagte am Freitag selbst: "Wir haben keine Zeit mehr."

Edin Terzic (Borussia Dortmund)

Mitte Dezember endete die Amtszeit von Lucien Favre beim BVB. Der Schweizer stand zweieinhalb Jahre lang stets in der Kritik - und weil das Ziel Champions-League-Qualifikation in Gefahr schien, entschieden sich die Klub-Bosse um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc für die Trennung. Mit viel Herzblut startete der vorherige Co-Trainer Terzic seine neue Aufgabe - erstmals übernahm er die Hauptrolle in der Bundesliga. Zu Beginn strahlte er viel Optimismus aus und holte direkt drei Siege aus den ersten vier Liga-Spielen. Doch seither kriselt es in Dortmund wieder.


Nach dem Aufschwung gab es in enttäuschendes Remis gegen Mainz 05 sowie Niederlagen bei den beiden direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen und bei Borussia Mönchengladbach. Auf ein 3:1 gegen den FC Augsburg folgte das mühevolle 3:2 nach Verlängerung im Pokal-Achtelfinale gegen den SC Paderborn, dann gab es mit dem 1:2 beim SC Freiburg erneut eine Niederlage. Die Terzic-Bilanz in der Liga ist damit ernüchternd: Er holte nur 1,44 Punkte pro Spiel. Sein Vorgänger hatte bis zur Entlassung in der bisherigen Krisen-Spielzeit mit 1,73 Punkten einen besseren Schnitt. Mit Terzic rutschten die Schwarz-Gelben im Vergleich zur Favre-Zeit auch um einen Tabellenplatz ab. Als Sechster hat der BVB derzeit vier Zähler Rückstand auf Champions-League-Platz vier, den Eintracht Frankfurt belegt. Der Dortmunder Coach bleibt mit Blick auf die Qualifikation für die Königsklasse optimistisch. "Die Mannschaft ist stark genug, um dieses Ziel zu erreichen. Und darum geht's", sagte der 38-Jährige.

Bo Svensson (Mainz 05)

Deutlich schlechter als in Dortmund, aber nur geringfügig besser als bei Schalke läuft es derzeit für Mainz. Der selbsternannte Karnevalsverein trennte sich schon nach zwei Spieltagen von Achim Beierlorzer, installierte den Assistenten Jan-Moritz Lichte als Interimscoach - blieb aber weiter erfolglos. Dann übernahmen Christian Heidel als Sportvorstand (für den zurückgetretenen Rouven Schröder) und Sportdirektor Martin Schmidt. Ein kurzes Intermezzo gab Jan Siewert, hatte den FC Bayern beim 2:5 sogar kurz am Rande einer Niederlage. Bo Svensson, den Heidel und Schmidt vom FC Liefering loseisten, folgte als Chefcoach. Beim "Farmteam" von Red Bull Salzburg hatte der ehemalige Profi der 05er erst im Sommer 2020 übernommen.

Unter Svensson ist der Trend zumindest positiv. Die Unruhen, die es unter Beierlorzer gab, sind vergessen. Dieser hatte Adam Szalai suspendiert, woraufhin das gesamte Team einen beispiellosen Trainingsstreik einlegte. Mittlerweile ist das Klima innerhalb der Mannschaft ruhiger. Mit 13 Punkten steht Mainz auch unter Svensson noch auf dem vorletzten Platz - vier Zähler sind es bis zum rettenden Ufer. Immerhin gab es Lichtblicke wie beim 1:1 gegen den BVB oder zuletzt beim 1:0 gegen Union Berlin. Während Lichte in zwölf Spielen durchschnittlich nur 0,5 Punkte holte, sind es unter Svensson schon 1,17. So hat der Däne, der in der Vergangenheit auch schon die Mainzer Jugend gecoacht hatte, den Klassenerhalt weiter im Blick. "Wir haben zuletzt gezeigt, dass wir in der Liga mithalten und Gegner vor Probleme stellen können", sagte der 41-Jährige. Vor allem die Winter-Neuzugänge Dominik Kohr und Danny Da Costa, beide vom Lokal-Rivalen Eintracht Frankfurt ausgeliehen, sorgen derzeit für viel Schwung.

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Pal Dardai (Hertha BSC)

Den bislang letzten Trainer-Wechsel in der Bundesliga gab es in Berlin. Ende Januar war Bruno Labbadia zeitgleich mit dem langjährigen Sport-Geschäftsführer Michael Preetz bei der Hertha entlassen worden. Für Labbadia übernahm Rückkehrer Pal Dardai. Statt großen Europa-Träumen gilt es für den Ungar nun vor allem, die Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg wieder in die Spur zu bringen. Zwei Spiele, zwei Pleiten: so lautet die bisherige Bilanz des 44-Jährigen. Allerdings lauteten die Gegner auch FC Bayern zuhause (0:1) und Eintracht Frankfurt auswärts (1:3) - es sind die beiden bislang formstärksten Mannschaften im Jahr 2021. Unter anderem mit dem kurz vor Transferschluss gekommenen Weltmeister Sami Khedira soll Dardai die Wende gelingen.