13. Januar 2020 / 10:51 Uhr

Christian Heidel über seinen Schalke-Abgang: "An der schlechten Saison war ich nicht schuld"

Christian Heidel über seinen Schalke-Abgang: "An der schlechten Saison war ich nicht schuld"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Christian Heidel hat sich ausführlich zu seinem Aus beim FC Schalke 04 geäußert.
Christian Heidel hat sich ausführlich zu seinem Aus beim FC Schalke 04 geäußert. © imago/DeFodi
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Der ehemalige Sportvorstand vom FC Schalke 04, Christian Heidel, hat dem "Kicker" nach seinem Rücktritt im März das erste Interview gegeben. Darin spricht der 56-Jährige über die Gründe für sein Aus, die Erwartungshaltung in Gelsenkirchen und seine Transfers, die in dieser Saison doch noch aufgeblüht sind. 

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Christian Heidel hat in einem Kicker-Interview klargestellt, dass er den FC Schalke 04 "nicht im Bösen" verlassen hat. Der 56-Jährige war im März nach einem 0:3 bei seinem Ex-Klub Mainz 05 von seinem Amt als Sportvorstand zurückgetreten. "Es gab intern keinen Druck, aber ohne Zweifel einen medialen Druck aus einer Richtung. Das ist normal auf Schalke", erklärte Heidel. Die Entscheidung sei ihm damals nicht leicht gefallen - aber er stehe nach wie vor dazu. "Nach einem überragenden Jahr mit Vizemeisterschaft, Champions-League-Qualifikation, Pokalhalbfinale sowie Umsatz- und Gewinnrekord folgte eine ganz schlechte Saison, die sehr viele Ursachen hatte. Ich glaube nicht, dass ich daran schuld war, aber ich hatte ohne Zweifel die sportliche Verantwortung dafür."

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Heidel hatte das Gefühl, etwas unternehmen zu müssen - "damit es keinen größeren Unfall gibt". Aufsichtsratschef Clemens Tönnies war bereits fünf Tage vor dem Mainz-Spiel in Kenntnis gesetzt worden. "Es ging nur um die Veröffentlichung, da war der Wunsch des Vereins, das Spiel in Mainz abzuwarten", so der Ex-Schalke-Sportvorstand, dem eine Verkündung vor dem Spiel gegen seinen ehemaligen Verein lieber gewesen wäre, "weil es ein bisschen konstruiert aussah, dass ich ausgerechnet in Mainz gehe. Mir wäre jeder andere Ort auf der Welt lieber gewesen."

Erste Rücktrittsgedanken hatte Heidel bereits im Dezember, von Vereinsseite sei jedoch stets versucht worden, ihn vom Weitermachen zu überzeugen. "Noch am Tag des Spiels in Mainz haben Leute aus dem Aufsichtsrat versucht, mich vom Rücktritt abzubringen." Er habe seinerzeit verhindern wollen, dass der bereits kriselnde Klub in den Abstiegskampf rutscht und er wollte den damaligen Trainer Domenico Tedesco schützen. "Es geht immer nur um Schalke 04. Ich habe einfach geglaubt, dass unbedingt Ruhe reinmusste, und ich war diesmal der Grund für die Unruhe, was auch für mich ein völlig neues Gefühl war", erklärte Heidel.

Heidel: "Auf Schalke erzählt man immer von den alten Zeiten"

Allgemein bestehe in Gelsenkirchen eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. "Menschen, die von den großen Möglichkeiten auf Schalke sprechen, haben keinerlei Kenntnisse. Man erzählt immer von den alten Zeiten. Während Klubs wie Bayern, der BVB, Leipzig, Leverkusen, Mönchengladbach, Wolfsburg und jetzt die Hertha ihr Budget immer mehr erhöhen, geht es bei Schalke in die andere Richtung. Wir mussten erheblich reduzieren. Der Vizemeisterkader war der günstigste seit langer Zeit." Innerhalb des Klubs sei man sich dieser Problematik bewusst, im Umfeld jedoch nicht. "Du verlierst Qualität, aus genannten Gründen teilweise ablösefrei, musst aber Spieler holen, die entwickelt werden müssen. Das kostet Zeit, und die gibt es auf Schalke nicht."

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Das sind die Vertragslaufzeiten von Nabil Bentaleb, Salif Sané, Weston McKennie & Co. beim FC Schalke 04. Zur Galerie
Das sind die Vertragslaufzeiten von Nabil Bentaleb, Salif Sané, Weston McKennie & Co. beim FC Schalke 04. ©

In dieser Saison eingeschlagene Transfers: Keine Genugtuung für Heidel

Einige der von Heidel verpflichteten Spieler zeigen erst in der aktuellen Saison ihre Qualitäten, darunter Neu-Nationalspieler Suat Serdar, Kapitän Omar Mascarell oder der wiedererstarkte Amine Harit. Genugtuung verspürt der erfahrene Manager, der im Sommer im Türkei-Urlaub einen Schlaganfall erlitten hatte, deshalb aber nicht. "Ich sitze mit meiner sechsjährigen Tochter im Trikot vor dem Fernseher, wenn Schalke spielt. Ich liebe Schalke nach wie vor, und natürlich Mainz 05 (lacht). An diese Jungs, auch an Salif Sané oder Mark Uth, die verletzt sind oder waren, habe ich immer geglaubt. Aber wir sind in eine Saison gerutscht, in der alles schiefging."