07. Februar 2020 / 12:40 Uhr

Bundestrainer auf Abruf: Prokop gegen Gislason chancenlos - DHB-Bosse erklären Entlassung

Bundestrainer auf Abruf: Prokop gegen Gislason chancenlos - DHB-Bosse erklären Entlassung

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die DHB-Führung äußerte sich bei der Vorstellung des neuen Bundestrainers Alfred Gislason über das Aus von Christian Prokop.
Die DHB-Führung äußerte sich bei der Vorstellung des neuen Bundestrainers Alfred Gislason über das Aus von Christian Prokop. © imago images/Noah Wedel
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Die Bosse des Deutschen Handballbundes erklären die Entlassung von Christian Prokop und die Ernennung von Alfred Gislason zu dessen Nachfolger. Der geschasste Bundestrainer war offenbar chancenlos.

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Der entlassene Christian Prokop war beim Deutschen Handballbund (DHB) offenbar schon vor seinem Aus nur noch Bundestrainer auf Abruf. Wie das DHB-Präsidium am Freitag in Hannover erklärte, habe eine bevorstehende Einigung des Wunschkandidaten Alfred Gislason mit einem Verband im Ausland die Entscheidung für das Prokop-Aus forciert. So betonte Bundesliga-Boss und DHB-Vizepräsident Uwe Schwenker, dass er als einziger Verbandsvertreter mit dem langjährigen Coach des THW Kiel in Kontakt gestanden und seine DHB-Kollegen schließlich darüber informiert habe, dass Gislason "am Ende der Woche wohl nicht mehr zur Verfügung" stehe.

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Dieser Austausch sei am Montag erfolgt und habe dazu geführt, die "Strategie zu wechseln". Folglich sei Gislason über das DHB-Interesse informiert worden. Daraufhin hätten die Vertragsgespräche stattgefunden. Nach der Einigung habe man Prokop über die Trennung informiert. Auf die Frage, ob der entlassene Coach im Falle geplatzter Verhandlungen auch heute noch im Amt wäre, entgegnete Schwenker: "Wir sind grundsätzlich davon ausgegangen, die Olympia-Qualifikation mit Christian zu spielen." Die Bereitschaft Gislasons, das Amt zu übernehmen, habe die "Waage zum Kippen gebracht." Es sei ein "entscheidender Impuls" gewesen, dass eine "Alternative zur Verfügung stand“.

Bob Hanning schließt Rücktritt aus

DHB-Vizepräsident Bob Hanning, der nach dem Aus von Prokop besonders in die Kritik geraten war, sagte: "Die Mehrheit des Präsidiums ist zu dem Entschluss gekommen, dass der Erfolg mit Gislason wahrscheinlicher als mit Prokop ist. Das gehört in einer Demokratie dazu. Wir haben uns fair, sachlich und ehrlich ausgetauscht." Schwenker betonte, dass Hanning weiter das Vertrauen genieße: "Er ist der Dynamo und Motor für unseren Sport. Daher ist es für uns als Liga keine Frage, dass wir rückhaltlos zu Bob stehen." Hanning selbst schloss einen Rücktritt aus.

Verbands-Boss Andreas Michelmann, der den Gewinn einer Medaille bei den Olympischen Spielen im Sommer in Tokio als Ziel ausgab, rechtfertigte derweil noch einmal die überraschende Kehrtwende des Verbandes in der Trainer-Frage. Schließlich hat man Prokop während der EM und vor den beiden gewonnenen Spielen zum Abschluss noch eine Job-Garantie gegeben. "Mit dem zeitlichen Abstand und auch mit dem räumlichen Abstand haben wir eine Analyse vorgenommen, die eine andere Sicht ergeben hat. Um das klarzustellen: Das war nicht geplant. Der Wechsel folgt einzig aus sportlichen Gründen. Wir bedauern das ausdrücklich. Dennoch ist es die Aufgabe des Präsidiums, strategisch für den DHB zu entscheiden."


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Der 60-jährige Gislason erhält einen Vertrag bis zum Ende der EM 2022 in Ungarn und der Slowakei. Sein neues Amt erstmals aktiv ausfüllen wird der Isländer beim am 9. März in Aschersleben beginnenden Nationalmannschafts-Lehrgang. Das erste Länderspiel seiner Amtszeit steht am 13. März gegen die Niederlande auf dem Programm. Rund einen Monat später wartet dann schon die große Bewährungsprobe auf Gislason und sein Team: Beim Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin geht es gegen Schweden, Slowenien und Algerien um das Ticket nach Japan.