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Christian Schulz über die Zeit bei der U23: "Manchmal übernehme ich ihre Sprache"

Möchte Elite-Trainer werden: Christian Schulz. © imago/Hübner

Der 96-Star Christian Schulz hat dem Profifußball zwar den Rücken zugekehrt - Hannover 96 jedoch nicht. Der 35-Jährige spielt bei der U23 der Roten - und erklärt, wie den jungen Talenten in seiner Mannschaft weiterhilft, wie er mit den Profis mitfühlt und erzählt von seinem Berufswunsch.

Christian Schulz, wie wohl fühlen Sie sich als Ex-Profi in der U23? Würden Sie den aktuellen Profis gerne in der aktuellen Situation helfen?

Die Profikarriere ist für mich erledigt. Aber natürlich schaue ich, was die erste Mannschaft macht, weil ich ja persönlich viele kenne.

Wurden Sie gefragt?

Nein.

Was würden Sie Ihnen gerne zurufen?

Zurufen? Naja, ich weiß ja noch genau, wie es damals war vor drei Jahren, als wir abgestiegen sind. Daher weiß ich, dass die Situation für die Jungs vom Kopf her sehr belastend ist. Es ist immer einfach, zu sagen: Geht raus, haut alles raus, spielt Fußball! Aber das ist nicht so einfach. Deshalb war das Spiel gegen Nürnberg gut. Die Jungs können dadurch jetzt ein bisschen durchpusten und sagen: Wir können es ja doch.

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Christian Schulz - Stationen seiner Karriere

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Christian Schulz kam aus der Werder-Jugend und wurde in Bremen zum Profi. Hier ist er im Einsatz gegen 96-Profi Delura.

Wie fühlte sich das halbe Jahr als Ex-Profi beim Fußball-Nachwuchs an?

Es sind heranwachsende Männer. Das macht Spaß. Das hält einen auch jung. Das gilt auch für die Sprache. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich die Sprache sogar selbst annehme. (lacht)

Was wird denn da gesagt?

Es ist eher, wie etwas gesagt wird. Etwa so (er hebt die Hand, kneift die Augen zusammen): „Geiel. Das ist geiel!“ Ich mache das schon selbst so. Zum Glück finde ich den Ausknopf wieder, sobald ich vor der eigenen Haustür stehe. Mit Christoph Dabrowski arbeite ich auch sehr gerne zusammen. Am Anfang, das gebe ich gerne zu, habe ich mich gefragt, ob das wirklich etwas für mich ist.

Und wie ist das Niveau?

Das meine ich. Da hatte ich noch einige Fragezeichen, ob ich da umswitchen kann. Das ist schon was anderes, ob du vor 40 000 Leuten spielst oder vor 400 auf dem Dorf. Aber ich kriege das gut hin. Es geht jetzt darum, den jungen Spielern Hilfestellung zu geben.

Bilder des Regionalliga-Derbys zwischen dem TSV Havelse und Hannover 96

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Hannovers Benjamin Hadzic mit artistischem Abschluss per Fallrückzieher.

Was ist fußballerisch an der heutigen Jugend anders als zu Ihrer Zeit?

Die Jungs haben ein anderes Gefühl für Raum- oder für Drucksituationen. Früher war es physischer, wir mussten uns eher reinkämpfen in diese Situationen. Heute sind die Jungs fußballerisch enorm weit. Aber – den anderen Part darf man nicht vergessen. Nur fußballerisch kann so ein Spieler nicht alles lösen, er muss den unbedingten Willen haben, sich zu quälen, mehr zu machen als der Gegner.

Für welchen Fußball steht die U23?

Die Ausrichtung bleibt dieselbe: über Ballbesitz wollen wir zum Erfolg kommen. Es geht ja in erster Linie weiterhin um die Ausbildung der Talente.

Luca Beckenbauer trainiert bei Ihnen mit. Wie spannend ist das, bei dem Namen?

Luca ist ein eher zurückhaltender Typ, aber ein guter Fußballer, hat Ruhe. Er ist sicher sehr weit. Sein Name ist eine schwierige Hürde, aber er geht damit gut um. Sportlich macht er das sehr gut. Er ist ein Talent, das es schaffen könnte. Den Namen lassen wir mal außen vor.

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Der Name Schulz hat einen Klang in Hannover. Wie lange bleiben Sie aktiv?

Der Vertrag war auf zwei Jahre angelegt. Ich fühle mich gut, und die Tendenz geht schon dahin, dass ich nächstes Jahr auf dem Platz weitermache.

Sie bilden sich als Trainer aus, machen die Jugend-Elite-Lizenz in Barsinghausen. Das hat Jugendherbergsatmosphäre. Ist das was für Sie?

Na klar. Ich habe damit kein Problem. Fünf-Sterne-Hotels brauche ich auch nicht immer. Ich werde die Woche auch nachts dort bleiben, weil ich Respekt habe vor dem Schein. Mir haben viele geraten, ich soll das nicht unterschätzen. Da muss ich mich schon hinsetzen und lernen. Es ist doch schöner, wenn sich eine Gemeinschaft entwickelt als wenn man sich ausklinkt oder Sonderwünsche hat. Die Liste der Teilnehmer habe ich auch schon. Cedrik Makiadi (früher Wolfsburg, Freiburg und Bremen) ist dabei, Martin Polomka (Trainer HSC) ist auch in meinem Kurs.

Spieler, Trainer – wo ist der Unterschied?

Die Sichtweise. Als Spieler konzentrierst du dich fast ausschließlich auf deinen Part. Als Trainer musst du das große Ganze im Auge haben. Spieler sind dann doch eher Ich-bezogen. Und ganz ehrlich: Als Spieler lebt man im Schlaraffenland.

Nehmen Sie Hendrik Weydandt als Beispiel, wenn Sie den jungen Spielern sagen: Schaut mal, der Henne spielt mit viel Herz, so hat er das gepackt.

Genau. Typen wie Henne sind Gold wert, wenn du als Mannschaft unten stehst und der Kopf geht auch noch runter. Wenn es fußballerisch nicht klappt, da musst du es eben mit anderen Mitteln versuchen. Als Trainer würde ich einen Typen wie Henne lieben.

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