17. Dezember 2019 / 11:02 Uhr

Vor Duell mit dem FC Bayern: Das macht Freiburg-Trainer Christian Streich so besonders

Vor Duell mit dem FC Bayern: Das macht Freiburg-Trainer Christian Streich so besonders

Christoph Kiesslich
Freiburg-Coach Christian Streich ist Kult - nicht nur im Schwarzwald, sondern in der ganzen Bundesliga.
Freiburg-Coach Christian Streich ist Kult - nicht nur im Schwarzwald, sondern in der ganzen Bundesliga. © imago images/Laci Perenyi
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Freiburg-Coach Christian Streich ist nicht nur der dienstälteste Trainer der Bundesliga, sondern hat längst Kultstatus erreicht. Auch dank ihm steht der SC nur zwei Punkte hinter dem großen FC Bayern, der am Mittwoch auf die Breisgauer trifft. Der SPORTBUZZER zeigt, welchen besonderen Anteil Streich am Erfolg der Freiburger hat.

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Vielleicht wäre es ein bisschen zu viel des Guten gewesen, wenn der SC Freiburg auch noch in Berlin gewonnen hätte. Oder wenigstens nicht verloren. So aber spiegeln sich die Kräfteverhältnisse am vorletzten Bundesliga-Spieltag 2019 wieder, wie es sich gehört: der FC Bayern in der Tabelle vor dem Sportclub aus dem Breisgau.

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Somit wird niemand erwarten, dass der Underdog den Serienmeister am Mittwoch (20.30 Uhr, Sky) aus dem Stadion schießt. Es wird ja gerade gerne an das legendäre 5:1 von Cardoso, Todt und Co. erinnert. Das liegt zwar schon ein Vierteljahrhundert zurück, passierte gegen ziemlich derangierte Bayern, gehört aber zum Freiburger Gedächtnisrucksack. Wie auch jenes 4:1 gegen Borussia Dortmund im letzten Heimspiel 1993, als 15.000 entzückte Zuschauer selig Wunderkerzen in den Adventshimmel streckten.

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Streich ist Menschenfreund und Kümmerer

Der damalige BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld findet noch heute schwärmerische Beschreibungen für Freiburg: "Bemerkenswert, was ein Trainer aus einer Mannschaft herausholt, die eigentlich immer gegen den Abstieg spielen müsste und plötzlich vorne mitmischt. Da steckt eine klare Philosophie dahinter – und viel Arbeit." Das Kompliment gilt Christian Streich.

Der ist mit der alemannischen Moderation des kleinen Fußballstandortes zum Kulttrainer erhoben worden und doch vor allem nur eines: authentisch. Ein Menschenfreund und ein wacher Geist, Fußballlehrer und Kümmerer. Vor allem einer, der in ständiger Sorge um den SCF lebt. 1995 wurde Streich von Präsident Achim Stocker als A-Jugend-Coach geholt, seit Dezember 2011 ist er dort Cheftrainer. Viel mehr Identifikation mit einem Verein kann man sich nicht ausmalen.

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Der wunderbare Job in der Bundesliga ist für Streich aber auch eine Last. Es soll keiner glauben, die bekümmerte Miene nach der 0:1-Pleite bei Hertha BSC sei nur aufgesetzt gewesen. Gegen ziemlich lausige Berliner kaum eine Torchance herausgespielt zu haben – das hat den 54-Jährigen frus­triert. Oder, wie man im tiefen Südwesten salopp sagt: "Das stinkt mir richtig."

Erst Klassenerhalt, dann Hawaii

Denn natürlich wäre er lieber mit 28 als mit 25 Punkten in den Fight mit den Bayern (27) gegangen. Zumindest ein frühzeitiger Abschied von jeglichen Gedanken an den Abstieg ist greifbar – es könnte aber sogar eine weitere Spielzeit mit einem Freiburger Ausreißer nach ziemlich weit oben werden. Vielleicht hat das sogar Streich für nicht unmöglich gehalten, als er sich nach der letzten Saison einen längeren Urlaub gönnte und mit Lebenspartnerin und gemeinsamem Sohn vier Wochen auf Hawaii verbrachte.

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Streich kann auf Qualität im Kader setzen

Der Transfersommer war fast schon geschichtsträchtig: Die Freiburger verloren keinen Leistungsträger, auch nicht Shootingstar Luca Waldschmidt, und sie bekamen mit Vincenzo Grifo sogar noch Qualität hinzu. Ungewohnte Kontinuität im Kader plus Unterstützung von seinem Trainerteam, Sportvorstand Jochen Saier und Chefscout Klemens Hartenbach, mit dem Streich zu Studienzeiten in einer WG wohnte, ist gleich Erfolg. So einfach das klingt, so schwierig ist es.

Im Breisgau wird das Credo von Ex-Trainer Volker Finke wachgehalten: "Eine Mannschaft ist stets mehr als die Summe der Einzelspieler." Mit diesem kitzelt auch Streich immer wieder ein erstaunliches Pensum aus seinen Profis heraus. Fragil bleibt das Freiburger Spiel dabei jederzeit, keiner fürchtet das wie Streich. Dafür trägt das stabile Fundament umso mehr. Und wenn draußen vor der Stadt das neue Stadion wirklich schon im nächsten Sommer eröffnet wird, muss Streich, aktuell dienstältester Bundesligatrainer, nur noch seinen auslaufenden Vertrag verlängern. Dann können die Bayern wieder kommen.