11. Oktober 2019 / 16:17 Uhr

Christian und Marcus Krahl: Für ein Spiel ruht die Bruderliebe

Christian und Marcus Krahl: Für ein Spiel ruht die Bruderliebe

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Für Fehrbellins Christian (l.) und Unions Marcus Krahl ist die Pokalpartie besonders. Erstmals überhaupt spielen die Brüder gegeneinander.
Für Fehrbellins Christian (l.) und Unions Marcus Krahl ist die Pokalpartie besonders. Erstmals überhaupt spielen die Brüder gegeneinander. © Böttcher, Feller, privat
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Oberer Kreispokal Prignitz/Ruppin: Die Geschwister wollen mit ihren Teams – SV 90 Fehrbellin und Union Neuruppin – im Oberen Kreispokal eine Runde weiterkommen.

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Auf den ersten Blick wirkt die Achtelfinal-Partie im Oberen Kreispokal zwischen dem SV 90 Fehrbellin und Union Neuruppin wie jede andere, wenn ein Kreisligist als David auf den Landesklassen-Vertreter, der in diesem Falle den Goliath darstellt, trifft. Doch der Schein trügt, bei genauem Hinsehen und intensiverer Recherche wird klar, dass diese Paarung und ihre Protagonisten mehr miteinander zu tun haben, als man ursprünglich denkt.

In der vergangenen Saison, als der Obere Kreispokal seine Premiere feierte, gehörten beide Teams zu den Top Vier im Wettbewerb – Kreisligist Fehrbellin katapultierte sich sogar ins Endspiel, die Unioner schieden im Semifinale gegen den späteren Sieger Langener SV aus. Eine weitere Parallele: Mehrere Spieler haben eine Vergangenheit beim jeweils anderen Verein. So kickt Kevin Wentzlaff mittlerweile wieder bei seinem Heimatverein in der Rhinstadt, während mit Jannis Steinke und Tizian Fülbier frühere 90er gegenwärtig in Gildenhall aktiv sind.

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Die spannendste und zugleich sympathischste Anekdote schreiben aber Christian und Marcus Krahl. Ein Bruderpaar, welches am Sonntag gemeinsam den Weg zum Fehrbelliner Sportplatz „Oldrich Novak“ antritt, vor Ort aber nicht die gleiche Umkleidekabine beziehen wird. Christian nämlich streift sich das Trikot des SV 90 über, Marcus dagegen schnürt für den SV Union die Töppen – für mindestens 90, vielleicht 120 Minuten oder womöglich bei einer Entscheidung vom Elfmeterpunkt ruht die Bruderschaft.

„Wir haben noch nie gegeneinander gespielt, das ist für unsere gesamte Familie, vor allem für unsere Eltern, etwas ganz Besonderes“, schmunzelt Marcus Krahl. Der 29-Jährige ist der jüngere Bruder, lernte das Fußball-Abc beim SV Protzen und dem MSV Neuruppin, ehe es ihn im D-Junioren-Alter zu den 90ern zog. „Bis auf eine kurze Ausnahme, wo ich bei Rot-Weiss Kyritz war, habe ich dann bis in den Männerbereich in Fehrbellin gespielt“, verrät der Industriemechaniker, der sich seit etwa sechs Jahren bei den Unionern in Gildenhall wohlfühlt – und schon auf mehreren Positionen sein Können unter Beweis stellen durfte: „Im Angriff habe ich angefangen, jetzt werde ich schon länger als rechter Verteidiger gebraucht. Damit bin ich aber einverstanden, auch da kann man sich offensiv einschalten.“

Im Gegensatz zu Marcus ist der 32-jährige Christian Krahl seiner Rolle auf dem Feld stets treu geblieben. Der Vollblutstürmer verbreitet seit einer gefühlten Ewigkeit bei den Abwehrspielern im hiesigen Fußballkreis Angst und Schrecken, lässt seine Farben regelmäßig jubeln und traf auch beim Halbfinalsieg in der letzten Saison gegen Blumenthal/Grabow. „Das Endspiel gegen Langen war fantastisch, auch wenn wir das Derby in der Verlängerung knapp verloren haben. Die Atmosphäre war beeindruckend, weshalb wir uns auch wieder vorgenommen haben, in diesem Wettbewerb so weit wie möglich zu kommen“, gibt sich der Automatisierungstechniker kämpferisch.

Der Langener SV macht beim SV 90 Fehrbellin das Double perfekt.

In einem packenden und von der Spannung lebenden Kreispokal-Endspiel gewinnt der favorisierte Kreisoberligist mit 2:1 nach Verlängerung beim Lokalkonkurrenten SV 90 Fehrbellin. Marian Retzlaff gelang in der 110. Minute der goldene Treffer. Zur Galerie
In einem packenden und von der Spannung lebenden Kreispokal-Endspiel gewinnt der favorisierte Kreisoberligist mit 2:1 nach Verlängerung beim Lokalkonkurrenten SV 90 Fehrbellin. Marian Retzlaff gelang in der 110. Minute der goldene Treffer. © Marius Böttcher
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Dass die Rollen klar verteilt sind, darüber sind sich die „Krahli“-Brüder bewusst. „Wir sind der Underdog“, betont Christian, „wir haben im letzten Jahr aber gezeigt, was möglich ist. Außerdem konnten wir auch in der ersten Runde gegen Pritzwalk ein Ausrufezeichen setzen, an einem guten Tag ist bestimmt auch gegen Union etwas möglich“. Ob der starken Ergebnisse ist auch Marcus gewarnt: „Der Pokal hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze, in Fehrbellin ist es ohnehin immer sehr schwer, weshalb wir den Gegner keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen werden. Wenn wir unsere Leistung abrufen, dann erreichen wir aber die nächste Runde.“

Ein paar Sprüche haben sich die Geschwister schon gegenseitig um die Ohren gehauen, eine interne Wette wird es aber nicht geben. Ohnehin sei die Aufregung bei beiden (noch) nicht besonders groß, „da sind unsere Eltern schlimmer, die sind total zappelig“, lacht Marcus Krahl. Mama Carmen und Papa Karsten sind oft auf den Fußballplätzen der Region unterwegs – samstags bei den Union-Spielen von Marcus und am Sonntag, wenn Christian mit den 90ern um Punkte kämpft. Wem am morgigen Sonntag die Daumen gedrückt werden, ist dagegen unklar. „Die werden sich vermutlich irgendwo in die Mitte stellen und hoffen, dass wir uns gegenseitig nicht wehtun“, scherzt Christian Krahl.

Tatsächlich kann es ab 14 Uhr, wenn Schiedsrichter Orlando Gernhard den Pokalfight freigibt, aber auch mal rascheln, wenn die Krahl-Brüder – der eine als rechter Verteidiger, der andere als Stürmer – im direkten Duell aufeinandertreffen. „Da wird sich auch nicht geschont, dafür sind wir jeweils zu ehrgeizig“, weiß Marcus Krahl, der von Bruder Christian Zustimmung erhält: „Wir wollen beide die nächste Runde erreichen und mit unserem Team erfolgreich sein. Auf dem Feld kämpft jeder für sich, danach gibt es dann ein Bierchen.“ Und vor dem Spiel vielleicht einen kleinen Mittagssnack, schließlich wohnen die Geschwister Krahl nur knapp 100 Meter vom Sportplatz im gleichen Hausaufgang.

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