18. Januar 2019 / 08:13 Uhr

Christoph Metzelder: „Ich habe großen Respekt vor Ralf Rangnicks Weg“

Christoph Metzelder: „Ich habe großen Respekt vor Ralf Rangnicks Weg“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Saiso 2010/11: Der damalige Schalke-Trainer Ralf Rangnick und sein  Verteidiger Christoph Metzelder. 
Saiso 2010/11: Der damalige Schalke-Trainer Ralf Rangnick und "sein " Verteidiger Christoph Metzelder.  © imago sportfotodienst
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Als der damals noch aktive Metzelder 2010 mit Schalke 04 bei RB Leipzig zu Gast war, lud er die Knappen im Anschluss in die Trattoria No1. Im SPORTBUZZER-Interview erinnert er sich an den Abend, seine Erfahrungen mit Ralf Rangnick und blickt auf die Bundesliga-Rückrunde.

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Leipzig. Klein-Christoph war glühender Fan von Borussia Mönchengladbach, Groß-Christoph spielte für den BVB, Schalke und Real Madrid, gründete eine Stiftung, bewahrte sich den Blick über den Tellerrand Fußball. 2013 beendete der hochdekorierte Nationalspieler Christoph Metzelder eine bewegte und bewegende 13-jährige Profi-Karriere, glänzt seidem als Sky-Experte mit seiner unaufgeregten Sicht aufs überhitzte Business. Metzelder, 38, über die am Freitag mit dem Spiel Hoffenheim - Bayern beginnende Bundesliga-Rückrunde, den Sonnabend-Hit RB Leipzig gegen BVB und ein Testspiel mit Schalke in Leipzig anno 2010.

Am 24. Juli 2010 wurde das Zentralstadion in Red Bull Arena umbenannt. Zur Feier des Tages schauten Sie und die Ihren vorbei. Wie erinnern Sie sich an diesen Tag?

Wir kamen aus dem Trainingslager in Österreich und bestritten das dritte aufeinanderfolgende Testspiel. Wir gingen auf dem Zahnfleisch! Leipzig spielte damals vierte Liga, hatte aber mindestens gehobenes Drittliga-Niveau. Und gerannt sind die ohne Ende. Das hatte schon etwas von dem Fußball, für den RB Leipzig heute steht. Frühes Stören, extrem viel Laufarbeit, schnelles Spiel in die Spitze. Mir ging der Nico Frommer ziemlich auf die Nerven ... (lacht)

... und Carsten Kammlott wirbelte auf rechts.

Das führte dazu, dass Felix Magath unseren Linksverteidiger früh vom Platz nahm.

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Schalke gewann 2:1.

Mit Ach und Krach.

Felix Magath war nicht amüsiert?

Im Gegenteil!

Danach luden Sie das Team zum Einstand in die Trattoria No1 in die Waldstraße.

Nicht nur ich, die Zeche wurde durch alle Neuen geteilt. Ich war gerade von Real Madrid gekommen.

RB Leipzig verpasste am Ende der Saison den Aufstieg in die dritte Liga.

Und wir hatten in dieser Saison so unsere Probleme mit der Mehrfachbelastung, sind mit vier Bundesliga-Niederlagen gestartet.

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Im März 2011 löste ein gewisser Ralf Rangnick Herrn Magath ab.

Wir sind mit Ralf Rangnick in der Champions League bis ins Halbfinale gekommen, haben den DFB-Pokal gewonnen, kamen aber in der Bundesliga nicht von der Stelle, wurden am Ende 14.

Wie haben Sie Ralf Rangnick als Trainer erlebt?

Detailversessen, fordernd, anstrengend. Ich war damals schon über 30, und als älterer Spieler hast du nicht mehr die komplette Lernbereitschaft. Die musste ich aber unter Ralf Rangnick haben. Wertgeschätzt habe ich das erst viel später.

Wie sieht der ideale Trainer aus?

„Mit dem Spieler fordernd, mit dem Menschen herzlich“ (Anmerkung: Das ist ein Zitat von René Weiler). Kritik muss sein, darf aber nie ins Persönliche gehen. Das ist auch eines meiner Prinzipien bei meiner Tätigkeit für Sky.

Wie wichtig war BVB-Trainer Matthias Sammer für Ihre Entwicklung?

Er hat 2000 auf einen völlig unbekannten 19-jährigen Neuzugang von Preußen Münster vertraut. Das war ich. Ich verdanke Matthias sehr viel.

Die Bild-Zeitung verpasste Ihnen und Per Mertesacker 2008 den Spitznamen „Brüder Schnarch & Schleich“.

Es gibt sicher schönere Namen, aber ich fand das damals ehrlich gesagt nicht so schlimm. Per und ich nennen uns noch heute gegenseitig so.

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Deutscher Meister mit dem BVB, Pokalsieger mit Real und Schalke, Vize-Welt- und Vize-Europameister. Zufrieden?

Absolut. Ich habe als Jugendspieler dreimal die Woche auf Ascheplätzen trainiert. So sah meine Ausbildung aus! Ich denke, ich habe das Optimum herausgeholt.

Kommen wir zur Bundesliga. Der BVB steht ...

... zu Recht auf Platz eins. Sie haben toll gespielt, aber immer wieder auch mit großer Moral Spiele umgebogen. Aber: der BVB musste sich oft bis zur letzten Minute strecken.

Demgegenüber kommen die Bayern auf ökonomischere Weise zu Siegen?

Den Eindruck habe ich. Ich glaube nicht, dass die Bayern noch viele Punkte liegenlassen. Das Titelrennen bleibt spannend. Man stelle sich nur vor, die Bayern gewinnen in Hoffenheim und Dortmund lässt Punkte in Leipzig. Dann haben wir schon im Januar einen offenen Zweikampf. Die Bundesliga macht wieder richtig Spaß, bietet Spannung und reichlich Gesprächsstoff.

Nun ja, aber RB Leipzig bekleckerte sich in der Europa League nicht gerade mit Ruhm.

Ausscheiden wollte Leipzig sicher nicht. Europa-League-Quali, Liga und Pokal – das ist vor allem mit einem kleinen Kader eine riesige Herausforderung und schwierig in Sachen Belastungssteuerung.

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RB und Hoffenheim sind von europäischen Aufgaben befreit. Vorteil beim Rennen um die Champions League?

Ja, ich traue beiden in der Rückrunde viel zu.

Sie haben gerade die Trainer-A-Lizenz absolviert. Wohin führt Ihr Weg?

Schon ein Stück weit zurück in den Profifußball. Ich überlege ernsthaft, in diesem oder im nächsten Jahr den Fußball-Lehrer zu machen.

Man traut Ihnen in der Szene auch einen Job im Management zu. Stimmt es, dass Sie sich vor längerer Zeit diesbezüglich mit Ralf Rangnick getroffen haben?

Es gab ein Gespräch, ja.

Mit welchem Ergebnis?

Keinem, wir haben uns lediglich ausgetauscht. Ich habe großen Respekt vor Ralf Rangnicks Weg. Er hat Hoffenheim und Leipzig aus dem Nichts nach oben geführt. Ja, mit Geld. Aber auch mit viel Sinn und Verstand. Heute sage ich: Er ist ein fantastischer Trainer.

Der im Sommer hinter Julian Nagelsmann ins zweite Glied rückt. Eine sinnvolle Rochade?

Ich kenne Ralfs Lebensplanung nicht, weiß aber, dass der Trainerjob in der heutigen Zeit unglaublich kräftezehrend ist und der Cheftrainer viele Kämpfe ausfechten muss. Mit dem Verein, den Spielern, Beratern und Medien. Mittlerweile ist man mehr CEO als Fussball-Lehrer.

Sie haben für den BVB und für Schalke gespielt. Wer ist denn Ihr Herzblatt im Pott?

Beide. Ich bin übrigens sowohl beim BVB und auf Schalke zahlendes Mitglied des eingetragenen Vereins.

Sie sind mit Ihrer Stiftung schon seit Jahren sozial engagiert. Schärft das den Blick fürs Wesentliche?

Ich will das nicht so hoch hängen. Ich hatte und habe die Chance, etwas für andere Menschen zu tun – so wie das viele Millionen Ehrenamtler in diesem Land tun. Nur so funktioniert meiner Meinung nach eine Gesellschaft.