05. August 2021 / 09:47 Uhr

Gehen bei extremen Bedingungen: Das erwartet die Potsdamer Christopher Linke und Nils Brembach

Gehen bei extremen Bedingungen: Das erwartet die Potsdamer Christopher Linke und Nils Brembach

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
10.04.2021, xkaix, Leichtathletik , Deutsche Meisterschaften - Straßengehen 2021 emspor, v.l. Leo Koepp LG Nord Berlin, Christopher Linke SC Potsdam, Nils Brembach SC Potsdam Frankfurt am Main *** 10 04 2021, xkaix, athletics , german championships road walking 2021 emspor, v l Leo Koepp LG Nord Berlin , Christopher Linke SC Potsdam , Nils Brembach SC Potsdam Frankfurt am Main kp
Die beiden Potsdamer Nils Brembach (v.r.) und Christopher Linke starten ebenso bei Olympia wie Leo Köpp aus Berlin. © imago images/Jan Huebner
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Die Geher Christopher Linke und Nils Brembach vom SC Potsdam kämpfen bei Olympia mit den Gegnern um Medaillen – und auch mit den Bedingungen.

Christopher Linke muss sich selbst korrigieren, wenn es um das Thema Wetter geht. Die Ausdauerwettbewerbe der Geher und Marathoni wurden bei den Olympischen Spielen von Tokio nach Sapporo verlegt, weil es dort kühler und weniger schwül sein sollte. Doch für den morgigen Wettkampftag (9.30 Uhr deutscher Zeit) über die 20 Kilometer sind 33 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit angesagt. Einheimische würden berichten, dass es der wärmste Sommer seit 30 Jahren sei, erzählt Linke. „Im schlimmsten Fall“, sagt er und verbessert sich dann: „Im besten Fall habe ich solche Bedingungen, denn ich komme damit gut klar. Ich habe in Doha gezeigt, dass ich unter den Bedingungen konkurrenzfähig bin.“

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Mit Doha spielt er auf die Weltmeisterschaften 2019 an, als der Geher bei 32 Grad und 78 Prozent Luftfeuchtigkeit auf einem starken vierten Platz landete, während viele andere Starter schwer mit den Bedingungen zu kämpfen hatten. Dazu zählte auch Linkes SC-Potsdam-Teamkollege Nils Brembach, der bei der WM einen Hitzekollaps erlitt und sein Rennen aufgeben musste. „Ich bin an sich eher nicht der Hitzetyp“, sagt der Falkenseer, der auf eine Hitzeanpassung in der Vorbereitung verzichtete, sich aber trotzdem sehr gut gewappnet für die Spiele sieht.

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Linke trainierte dagegen in einer selbstgebauten Hitzekammer, stellte sich einen Heizlüfter und nasse Wäsche rein, um die Bedingungen in Japan zu simulieren. „Ich hoffe darauf, denn ich glaube, dass ich nicht die Form für eine Zeit von 1:18 Stunden habe, eher von 1:20 oder 1:21, aber die kann ich immer gehen“, sagt Linke, der zum dritten Mal an Olympia teilnimmt. 

In Rio wurde er Fünfter, Brembach belegte Rang 38. „Das Ergebnis konnte man unter Erfahrung sammeln abhaken. Deshalb bin ich auf dem Weg nach Tokio, um das olympische Ergebnis deutlich zu verbessern“, erklärt der 28-Jährige, der sich in diesem Jahr den deutschen Meistertitel sicherte. An seine persönliche Bestleistung von 1:20:42 Stunden will er rankommen – oder sie im besten Fall unterbieten, dann wäre er zufrieden. Das einzige Höhentrainingslager des Jahres absolvierte er mit dem Potsdamer Geher-Team im italienischen Livigno, wo auch seine Frau und sein im März geborener Sohn Bennet mitreisen durften. 

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Linke hat sich dagegen noch ein weiteres Höhentrainingslager selbst organisiert, reiste mit Plänen von Bundestrainer Ronald Weigel auf eigene Faust ins spanische Sierra-Nevada-Gebirge, wo er eineinhalb Wochen mit einem Norweger und eineinhalb Wochen komplett alleine trainierte. „Im Vorfeld hieß es, man kann dort nicht trainieren, aber ich fand es dort super.“ Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt pendelte er auf einer Ein-Kilometer-Strecke oder der Laufbahn. „Das war schon hart“, berichtet er über die drei Wochen intensives Training. „Man kann da nichts machen, außer 40 Minuten mit dem Auto den Berg runterfahren, da hat man dann gutes Wetter, das habe ich dann ab und zu gemacht.“

Linke fühlt sich gut vorbereitet, mit einer Prognose über eine Platzierung will er sich nach nur drei Wettkämpfen in eineinhalb Jahren zurückhalten. Der Mann aus Werder ist der beste deutsche Geher der vergangenen Jahre, stellte 2019 den deutschen Rekord über 20 Kilometer ein (1:18:42). Bei EM, WM oder Olympia verfehlte er aber immer knapp das Podest. „Ich will davon wegkommen, der Medaille hinterherzurennen, sondern einfach eine Top-Leistung zeigen und vielleicht wird es mit Glück etwas mit einer Medaille“, sagt der 32-Jährige.

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Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. Zur Galerie
Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. ©

Schon vor der Abreise hatte Linke Befürchtungen über die Stimmung in Sapporo, die Atmosphäre in London sei beispielsweise „gigantisch“ gewesen, er sei froh, das schon erlebt zu haben. Seine Ahnung hat sich offenbar bestätigt. „Ich empfinde hier null Olympia-Spirit“, sagte Linke am Mittwoch. Er beneide die Athleten im olympischen Dorf, habe in Sapporo bisher weder eine olympische Fahne oder Ringe gesehen. „Man hat gehofft, zu Olympia zu fahren und nicht zum Geher-Weltcup. Schade!“

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