30. Juli 2020 / 20:00 Uhr

Vom BVB-Flop zu Europas erfolgreichstem Torjäger: Lazio-Star Ciro Immobile liebt Bella Italia 

Vom BVB-Flop zu Europas erfolgreichstem Torjäger: Lazio-Star Ciro Immobile liebt Bella Italia 

Jan Jüttner
Lazio-Stürmer Ciro Immobile wird sich wohl den Goldenen Schuh sichern.
Lazio-Stürmer Ciro Immobile wird sich wohl den Goldenen Schuh sichern. © Getty Images/imago images/Cordon Press/Miguelez Sports (Montage)
Anzeige

Beim BVB ging er als einer der größten Transferflops in die Vereinsgeschichte ein. Nun steht Stürmer Ciro Immobile kurz vor der Krönung zu Europas treffsicherstem Offensivmann. Der Profi von Lazio Rom lässt sogar Bayern-Star Robert Lewandowski hinter sich - für dessen Nachfolge ihn einst Dortmund in den Ruhrpott holte. 

Anzeige
Anzeige

35 Tore in 36 Spielen - so lautet die eindrucksvolle Statistik von Ciro Immobile in dieser Serie-A-Saison. Der Stürmer von Lazio Rom ließ es vor allem in den letzten vier Spielen (6 Treffer) so richtig krachen. Mit seinem Tor zum 2:0 gegen Brescia Calcio am Mittwochabend fixierte er nicht nur den Sieg seiner Mannschaft, sondern sorgte sicherlich auch dafür, dass sich Robert Lewandowski in München mächtig ärgerte. Denn im Wettschießen um den Goldenen Schuh - den Titel für den besten Torschützen in Europas Top-Ligen - stieß der Italiener den Polen von Rang eins.

Lewandowski traf in der vergangenen Saison zwar ebenfalls wie er wollte, aber eben nur 34-mal. Am letzten Spieltag gegen den SSC Neapel hat Immobile sogar die Chance sein Trefferkonto noch weiter hochzuschrauben. Der einzig verbliebene Konkurrent, der Immobile noch gefährlich werden kann, ist Cristiano Ronaldo (31 Tore). Doch dem Ausnahmekönner von Juventus Turin müsste schon ein Viererpack gegen die AS Rom gelingen, um mit Immobile gleichzuziehen - und dieser dürfte selbst nicht treffen. Alle anderen Ligen sind bereits beendet.

Mehr vom SPORTBUZZER

Dass Immobile viele Tore schießen kann, ist schon länger bekannt. Bereits in der Saison 2013/14 zeigte er sich äußerst treffsicher und erzielte für den FC Turin in 33 Spielen 22 Treffer. Diese starke Bilanz ließ den BVB hellhörig werden. Denn Sportdirektor Michael Zorc suchte damals nach einem Ersatzmann für den nach München abgewanderten Lewandowski. 18,5 Millionen Euro überwies der BVB für die Dienste des abschlussstarken Blondschopfes im Sommer 2014 nach Italien.

Doch in der Bundesliga lief es für ihn überhaupt nicht nach Plan. Der Transfer erwies sich als totaler Flop. Zwar erzielte er in 34 Spielen für die Schwarz-Gelben immerhin zehn Treffer, dennoch wirkte er zeitweise wie ein Fremdkörper im Spiel der Borussia und fand sich oft auf der Bank wieder.

"Die Deutschen sind kalt, da kann man nichts machen"

Dies hatte jedoch nicht nur sportliche Gründe. Der Italiener klagte über fehlende Wertschätzung und mangelnde Herzlichkeit im Ruhrpott. "Die Deutschen sind kalt, da kann man nichts machen", sagte er damals in einem Interview mit der italienischen Magazin SportWeek. Auch seinen Mitspieler pinkelte er im übertragenen Sinne ans Bein und warf ihnen vor, nicht gastfreundlich genug zu sein. "In den acht Monaten, seit denen ich hier bin, hat mich kein Teamkollege zu sich nach Hause zum Abendessen eingeladen", erklärte er verärgert. Die Fehler suchte er in erster Linie beim Klub und seinen Mitspielern - bei sich selbst aber eher nicht.

50 ehemalige BVB-Spieler und was aus ihnen wurde

Einst für Borussia Dortmund im Einsatz: Was machen Márcio Amoroso, Ousmane Dembélé und Alexander Frei heute? Zur Galerie
Einst für Borussia Dortmund im Einsatz: Was machen Márcio Amoroso, Ousmane Dembélé und Alexander Frei heute? ©

Die getätigen Aussagen stießen bei den Verantwortlichen des BVB verständlicherweise nicht auf große Freude. So überraschte es nur wenig, dass der emotionale Italiener das "kalte" Deutschland nach nur einer Saison verließ. Immobile ließ sich nach Sevilla ausleihen, das ihn später fest für und zehn Millionen Euro verpflichteten. Insgesamt bestritt er für die Spanier jedoch lediglich 15 Spiele und schoss nur vier Tore, da Immobile zwischenzeitlich auf Leihbasis beim FC Turin spielte. Im Jahr 2016 folgte dann der Wechsel zu Lazio Rom - und seine Karriere nahm nach jahrelanger Stagnation endlich wieder an Fahrt auf.

Tore am Fließband: Immobile trifft gern in Bella Italia

Beim Ex-Klub von Miroslav Klose avancierte der 1,85m große Angreifer zum Stammspieler und zum Schrecken der gegnerischen Verteidiger. Bei Lazio scheint er die Unterstützung zu bekommen, die er während seiner Zeit beim BVB vermisste - offenbar inklusive ausreichend menschlicher Wärme. 124 Tore in 177 Spiele für die Römer sprechen zumindest eine deutliche Sprache und belegen, was Wohlfühlatmosphäre für einen Spieler bedeuten kann. Mit seinen 30 Jahren ist er jetzt im besten Stürmeralter. Sein Marktwert wird auf 40 Millionen Euro taxiert (transfermarkt.de) - so hoch war er noch nie.

Nun sei die Gelegenheit gekommen, um noch einmal einen großen Vertag bei einem echten Top-Klub in Europa zu unterzeichnen, spekulieren einige Medien. Doch mit Blick auf seine Vita zeigt sich: So richtig durchsetzen konnte er sich nur in Bella Italia.