13. April 2022 / 14:34 Uhr

Maximal ein Nagelsmann-Titel möglich: Die Startbilanz der letzten 5 Bayern-Trainer von Guardiola bis Flick

Maximal ein Nagelsmann-Titel möglich: Die Startbilanz der letzten 5 Bayern-Trainer von Guardiola bis Flick

Dennis Ebbecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wie hat Julian Nagelsmann im Vergleich zu seinen Vorgängern abgeschnitten? Der SPORTBUZZER macht den Check.
Wie hat Julian Nagelsmann im Vergleich zu seinen Vorgängern abgeschnitten? Der SPORTBUZZER macht den Check. © Getty Images (Montage)
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Das Champions-League-Aus des FC Bayern hat eine Gewissheit mit sich gebracht: Julian Nagelsmann kann seine Debüt-Saison in München maximal mit "nur" einem Titel beenden. Der SPORTBUZZER verrät, wie die vorherigen fünf FCB-Trainer starteten.

Der FC Bayern wollte laut Julian Nagelsmann im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League "aus sehr hohem Druck Diamanten entstehen lassen". Doch der erhoffte Glanz-Auftritt gegen den FC Villarreal blieb am Dienstagabend aus. Das 1:1 war nach der Hinspiel-Niederlage (0:1) zu wenig, um das Halbfinale zu erreichen. Nach dem Aus gegen den vermeintlich leichtesten Viertelfinal-Gegner steht fest: Nagelsmann wird seine Debütsaison beim deutschen Rekordmeister mit maximal einem Titel beenden - den wenig bedeutenden Erfolg im DFL-Supercup zu Saisonbeginn einmal außen vor gelassen.

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Da die Münchner im Oktober vergangenen Jahres eine deutliche 0:5-Klatsche in der zweiten Pokalrunde gegen Borussia Mönchengladbach kassiert hatten, kann der Coach "nur" noch auf die Meisterschaft hoffen - und diese dürfte mit neun Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Borussia Dortmund bei fünf ausstehenden Spieltagen immerhin nahezu in trockenen Tüchern sein. Dennoch: Nach dem CL-Aus muss sich der gesamte Klub nun selbst hinterfragen - auch der Trainer selbst. Wie verlief eigentlich für die vorherigen Übungsleiter der FCB-Auftakt? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

Pep Guardiola

In einem sind sich die Experte einig: Pep Guardiola hat den FC Bayern fußballerisch nachhaltig besser gemacht. Der Katalane, der zuvor mit 14 Titeln zum erfolgreichsten Trainer des FC Barcelona avanciert war, heuerte 2013/14 mit hohen Erwartungen im Gepäck an der Säbener Straße an, denen er zum Auftakt gleich gerecht wurde: Der Spanier erntete mit dem Gewinn des UEFA-Supercups gegen den FC Chelsea direkt die Lorbeeren, die Jupp Heynckes in der Saison zuvor mit seinem Champions-League-Sieg gesät hatte.

Guardiola setzte den Bayern-Lauf eindrucksvoll fort: Nie zuvor wurde der Liga-Primus früher Meister (27. Spieltag). Im DFB-Pokalfinale bezwang die Pep-Auswahl zudem den BVB. Einziges Manko: In seinen drei Jahren in München konnte er nie die Champions League gewinnen. Bitter für Pep: Immer scheiterte der Spanier an seinen Landsmännern (Real, Atlético und Barça). Auch bei Manchester City, seit 2016 als Cheftrainer tätig, durfte er den "Henkelpokal" bis dato noch nie in die Höhe stemmen. Mittwochabend haben die "Citizens" die Chance, nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel gegen Atlético Madrid erst einmal das Halbfinale zu buchen.

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Carlo Ancelotti

Auf Guardiola folgte 2016/17 mit Carlo Ancelotti der nächste Welttrainer, der zuvor bereits dreimal die Königsklasse gewonnen hatte (zweimal mit Milan, einmal mit Real). Bei den Bayern sollte der Stern des Misters allerdings nicht so hell erleuchten. Den Italiener ereilte in München ein ähnliches Schicksal wie später Nagelsmann: Am Ende seiner Debütsaison stand nur ein Titel, nämlich die Meisterschaft. Im DFB-Pokal war im Halbfinale gegen den BVB Schluss, in der Champions League im Viertelfinale gegen Real Madrid. Aufgrund dieser Niederlagen hielt sich die Freude bei Ancelotti darüber in Grenzen, dass er als erster Coach in vier der fünf großen Ligen (Deutschland, Frankreich, England und Italien) Meister wurde.

Seine zweite Bayern-Saison durfte der Italiener nicht beenden. Nach einem 0:3 in der Gruppenphase gegen PSG war das Kapitel FCB für ihn beendet. Über Everton zog es ihn 2021/22 zurück zu den "Königlichen", bei denen Ancelotti offenbar an alte Erfolge anknüpfen kann. Die Meisterschaft ist Real kaum noch zu nehmen und in der Königsklasse steht man nach überraschenden Erfolgen gegen die Mitfavoriten Paris und Chelsea bereits im Halbfinale.

Jupp Heynckes

(Fast) alles, was Jupp Heynckes anfasst, wird zu Gold. Nach dem Triple 2013 lieferte er 2017/18 mit der Aufholjagd in der Meisterschaft den nächsten Beweis. "Don Jupp" übernahm im Oktober 2017 zum vierten Mal den FC Bayern, nachdem kurzzeitig Willy Sagnol interimsmäßig Ancelotti ersetzt hatte. Für den Ex-Gladbach-Profi war es kein Comeback, sondern eher ein Freundschaftsdienst für Uli Hoeneß. Der Plan ging auf: Das Heynckes-Team machte einen Fünf-Punkte-Rückstand auf den BVB noch wett und feierte vorzeitig am 29. Spieltag den Meistertitel.

Doch mehr als die Schale gab es für Heynckes diesmal nicht, weil im Halbfinale der Königsklasse mal wieder Real den Bayern ein Bein stellte. Im Pokalfinale musste man zudem eine Niederlage gegen Frankfurt hinnehmen. Für die Trainer-Legende, die im kommenden Mai 77 Jahre alt wird, war es die wohl letzte Trainerstation seiner Karriere.

Niko Kovac

Mit dem DFB-Pokalsieg gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber im Gepäck heuerte Niko Kovac im Sommer 2018 in seiner früheren Heimat München an. Der Start verlief schleppender als erhofft. Das Champions-League-Aus im Achtelfinale war das früheste seit 2011. Zudem ging die Herbstmeisterschaft an Konkurrent Dortmund. In der Rückrunde drehte das Kovac-Team jedoch auf und holte einen Rückstand von zwischenzeitlich neun Punkten auf. Mit einem 5:1 gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt brachte der Kroate am 34. Spieltag die Meisterschaft unter Dach und Fach. Nur Franz Beckenbauer, Hansi Flick und ihm ist es gelungen, mit Bayern als Spieler und als Trainer Meister zu werden.

Zwar konnte Kovac in seiner Debütsaison sogar das Double einfahren, doch bereits in seiner zweiten Spielzeit beim FCB endete die Zusammenarbeit. Nach einem vernichtenden 1:5 am 10. Spieltag - ausgerechnet in Frankfurt - zog der Verein die Reißleine. Für Kovac ging es 2020/21 zur AS Monaco, mit der er in der Ligue 1 Dritter wurde und im Pokal-Finale an PSG scheiterte. In der Winterpause der aktuellen Saison war für ihn Schluss - Platz sechs nach der Hinrunde war für die Verantwortlichen im Fürstentum zu wenig. Aktuell ist der Kroate ohne Klub.

Hansi Flick

Er kam, sah und siegte - und zwar in jedem Wettbewerb! Ursprünglich zur Saison 2019/20 als Co-Trainer installiert, wurde er nach der Kovac-Entlassung noch in der Hinrunde zum Chefcoach ernannt. Unter Flick nahm die Mannschaft schnell wieder Fahrt auf und sicherte sich das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Insbesondere der 8:2-Kantersieg im CL-Finalturnier in Lissabon gegen den FC Barcelona schlug international hohe Wellen. Am Ende ging Flick sogar mit dem Sextuple und zwischenzeitlich 32 ungeschlagenen Spielen in Folge in die Geschichte ein.

Nach dieser Rekord-Saison hing die Messlatte für Team und Trainer besonders weit oben, sodass es kaum möglich war, 2020/21 daran anzuknüpfen. Die Saison war auch von Meinungsverschiedenheiten mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic geprägt, fand aber dank der Meisterschaft ein versöhnliches Ende. Flick verabschiedete sich mit "nur" einem Titel in Richtung DFB, wo er im August 2021 Bundestrainer wurde. Dort erwischte er - wie schon zuvor bei den Bayern - einen Einstand nach Maß, holte das WM-Ticket mit sieben Siegen in seinen ersten sieben Länderspielen.

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