04. Juli 2018 / 12:54 Uhr

WM-Kommentatorin Claudia Neumann wehrt sich gegen Hetze im Netz: „Geht länger zur Schule“

WM-Kommentatorin Claudia Neumann wehrt sich gegen Hetze im Netz: „Geht länger zur Schule“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
ZDF-Sportreporterin
ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann © Rainer Jensen
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Nach den unzähligen Beleidigungen und Anfeindungen in den sozialen Medien äußert sich WM-Kommentatorin Claudia Neumann mit deutlichen Worten zu der Hetze im Netz. Sie sieht ein gesellschaftliches Phänomen.

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WM-Kommentatorin Claudia Neumann hat sich mit deutlichen Worten gegen die weit unter der Gürtellinie platzierte Hetze in den sozialen Medien gewehrt. „Ich finde das einfach grauenvoll. Diese Art von Kommunikation und falschem Demokratieverständnis, die sich durch die sozialen Medien frisst, ist grauenvoll“, sagt die ZDF-Journalisten in einem Interview mit der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung Die Zeit: „Man kann den Menschen nur immer wieder zurufen: Geht länger zur Schule. Bildet euch weiter, erweitert euren Bewusstseinshorizont, dann lernt man auch, andere Haltungen zu tolerieren. Ohne da irgendjemandem zu nahe treten zu wollen: Aber das ist einfach nicht meine Welt. Und auch kein Claudia-Neumann-Problem, sondern ein gesellschaftliches Phänomen.“

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Neumann hatte bei ihren bisherigen WM-Einsätzen regelmäßig Shitstorms über sich ergehen lassen müssen, war verbal beleidigt und gedemütigt worden. Zahlreiche Kollegen solidarisierten sich daraufhin mit der 54-Jährigen, das ZDF stellte sich verteidigend vor Neumann. Zuletzt hatte der Sender sogar Strafanzeige gegen zwei Social-Media-Nutzer wegen derer Entgleisungen gestellt. Neumann versucht, die Anfeindungen nicht persönlich zu nehmen. Schließlich gehe es nicht um sie als Person, „sondern darum, dass sich Frauen erdreisten, in exponierten Positionen im Fußball aufzutauchen. Die Hetzer kennen mich ja nicht.“

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Ihre Erklärung für die Anfeindungen wegen ihrer Tätigkeit in der vermeintlichen Männerdomäne Fußball: „Vielleicht brauchen Männer ihre kleine Oase des Rückzugs, in der man sie Kind sein lässt.“ Und weiter: „Gewissen Menschen scheint zumindest jegliche Form des Anstands abhandengekommen zu sein. Jedes Anderssein geht ihnen gegen den Strich. (…) Ob es weibliche Kommentatoren sind oder homosexuelle Spieler, Fußballer mit Migrationshintergrund – manche Menschen scheinen nicht akzeptieren zu wollen, dass ihnen das Altbekannte abhandenkommt.“



Neumanns Rat an all diejenigen, die männliche Kommentatoren bevorzugen: „Das ist doch auch ihr gutes Recht. Es gibt auch Frauen, die lieber Béla Réthy zuhören als mir. Das ärgert mich nicht. Solange die Kritik nicht persönlich wird, soll auch jeder seinen Unmut äußern. Ich denke dann: Schaltet doch einfach den Ton aus, wenn es euch stört.“

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