26. April 2017 / 09:50 Uhr

Claus-Dieter Wollitz: "Nicht in der Position, als Topfavorit zu gelten"

Claus-Dieter Wollitz: "Nicht in der Position, als Topfavorit zu gelten"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Ist Trainer von Energie Cottbus: Coach Claus-Dieter Pele Wollitz.
Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz. © Imago
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Regionalliga Nordost: Der Trainer des FC Energie Cottbus im großen Interview vor dem Brandenburgderby.

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Am Freitag kommt es in der Fußball-Regionalliga zum Aufeinandertreffen von Babelsberg 03 und dem FC Energie Cottbus. FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz (51) spricht vor dem Brandenburg-Derby (18 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) über die Saison von Energie, Tabellenführer Jena und Marc Stein.

Herr Wollitz, am Freitag kann die Meisterschaft auch rechnerisch an den FC Carl Zeiss Jena gehen. Wie schwer wiegt die Enttäuschung, den ersten Platz nicht erreicht zu haben?

Wenn dem so ist, dann geht unsere Gratulation nach Jena. Wir konzentrieren uns auf unser Spiel gegen Babelsberg und wollen gewinnen. Das ist ein Brandenburg-Derby mit viel Emotion und Bedeutung, vor allem auch für unsere Fans. Wenn man ein Ziel nicht erreicht, dann ist man natürlich enttäuscht, aber wir arbeiten weiter hart und das wird irgendwann belohnt. Da bin ich mir sicher.

Sie sind im Sommer unter schwierigen Bedingungen in die Saison gestartet. Wie zufrieden sind Sie mit der Spielzeit?

Wir haben vor der Saison eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen müssen und haben im Sommer mit 13 Spielern begonnen, wovon über die Hälfte zur Probe waren oder aus dem Nachwuchsleistungszentrum kamen. Sukzessive haben wir am und mit dem Team gearbeitet. Nach den anfänglichen Punktverlusten in der Findungsphase haben wir eine stabile Saison gespielt. Wir haben in 30 Spielen 60 Punkte geholt. Das ist zwar gut, aber nicht sehr gut und reicht somit nicht, um ganz oben zu stehen. Nach fünf Spielen hatte Jena bereits 15 Punkte und wir sechs, obwohl wir mehr verdient gehabt hätten. Neun Punkte Rückstand waren bei der konstanten und stabilen Saisonleistung der Jenaer zu viel.

Eine wichtige Säule in ihrem Team ist der gebürtige Potsdamer Marc Stein.

Seine Erfahrung, seine Ausstrahlung und seine Leistungen sind für die Mannschaft von enormem Wert. Marc ist unser Kapitän und absoluter Teamleader.

Im Sommer wollten Sie SVB-Stürmer Andis Shala verpflichten. Auch im Winter soll es ein Angebot gegeben haben.

Gute Stürmer gibt es nicht wie Sand am Meer, somit befasst man sich innerhalb der Regionalliga Nordost auch zwangsläufig mit Andis Shala. Er hat zweifelsohne Qualitäten.

Mit Kevin Weidlich hat zuletzt ein Leistungsträger verlängert. Stein hat einen langfristigen Vertrag. Denken Sie, dass der Großteil des Kaders in ein weiteres Jahr in der vierten Liga geht?

Nicht nur Marc Stein hat Vertrag. Marcel Baude, Benjamin Förster, José-Junior Matuwila, Alexander Meyer, Avdo Spahic, Tim Kruse, Lasse Schlüter, Björn Ziegenbein, Jonas Zickert, Marcelo de Freitas haben alle Vertrag und bilden ein sehr gutes Gerüst. Zudem haben wir mit Kevin Weidlich und Gabriel Boakye bereits verlängert und auch Philipp Knechtel Planungssicherheit gegeben. Fabio Viteritti hat kürzlich signalisiert in Cottbus bleiben zu wollen, auch Joshua Putze hat ein Angebot vorliegen und soll bleiben. Das ist eine sehr gute Basis.

Wie stark schätzen Sie die Regionalliga Nordost nach der bisherigen Saison ein?

Das Gefälle zwischen den Spitzenteams und den anderen Mannschaften ist in allen Regionalligen enorm, das ist auch in der Nordost-Staffel so.

Ihr Trainerkollege Cem Efe verlässt den SV Babelsberg 03 nach vier Jahren als Cheftrainer. Wie haben Sie seine Arbeit wahrgenommen und was denken Sie, wo sein Weg hinführt?

Wir kennen uns schon lange, ich schätze seine Arbeit sehr und wir haben ein freundschaftliches Verhältnis. Es ist immer eine tolle Zusammenarbeit mit Cem. Wohin es ihn ziehen wird, werden wir sehen.

Der SV Babelsberg hat es nach dem Abstieg aus der 3. Liga nicht geschafft, wieder aufzusteigen und geht im Sommer in seine fünfte Regionalliga-Saison. Haben Sie Angst, dass Cottbus ein ähnliches Schicksal droht?

Mit solchen Gedanken befassen wir uns nicht. Unser Ziel ist es, den FC Energie zurück in den Profifußball zu führen. Wir sind durch die professionellen Strukturen und den damit verbundenen finanziellen Belastungen, vor allem im Stadionunterhalt, nicht in der Position als Topfavorit zu gelten. Wir arbeiten bereits jetzt am Team und werden eine gute Mannschaft haben. Wir werden eine von vielleicht drei oder vier ambitionierten Mannschaften sein.

Am 25. Mai steht das Pokalfinale gegen Luckenwalde auf dem Programm. Könnte man die Saison mit dem Titel und der Qualifikation für den DFB-Pokal retten und damit auch Anreize für neue Spieler schaffen?

Wir müssen nichts retten. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das Ziel Aufstieg haben, man das von dieser komplett neuen Mannschaft jedoch nicht erwarten kann. Der Gewinn des Pokals ist das zweite erklärte Ziel. Dieses wollen wir am 25. Mai realisieren, um in der nächsten Saison im DFB-Pokal spielen zu dürfen. Das bringt auch viel Geld für einen Viertligisten. Diese Mannschaft hat es mit ihrer Art geschafft, dass andere gute Spieler wieder nach Cottbus wollen. Das sind auch Anreize.

Wird man Sie auch in der kommenden Saison an der Seitenlinie des FCE sehen?

Ich habe bis 2018 Vertrag, daher verstehe ich die Frage nicht.