08. August 2019 / 09:40 Uhr

Clemens Tönnies und die Folgen: Wie der FC Schalke 04 sein Image opfert

Clemens Tönnies und die Folgen: Wie der FC Schalke 04 sein Image opfert

Daniel Theweleit
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Image des FC Schalke 04 bröckelt wegen Clemens Tönnies.
Das Image des FC Schalke 04 bröckelt wegen Clemens Tönnies. © imago images/Thomas Bielefeld/CHROMORANGE
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Ein Beleg seiner Macht: Für Clemens Tönnies riskiert der FC Schalke 04 die Beschädigung des alten Selbstbildes, sich gegen jede Form der Diskriminierung zu stellen.

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In der Öffentlichkeit ist die intensive Debatte um die rassistischen Äußerungen des Unternehmers Clemens Tönnies ziemlich außer Kontrolle geraten. Menschen aus der Fußballwelt haben sich ebenso geäußert wie Politiker, unterschiedliche Organisationen und Freunde des FC Schalke 04. Im Klub hingegen ist fast alles wie immer. Der große Patron im Chefsessel des Aufsichtsrates hat die Fäden auch im Auge des Sturms fest in der Hand behalten. Zwar hat der sogenannte Ehrenrat des Vereins am Dienstagabend ein Gespräch mit Tönnies über mögliche Konsequenzen seiner Äußerungen geführt, die bis zu einer Absetzung hätten führen können. Über das Strafmaß hat der 63-Jährige offenbar aber selbst entschieden.

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Ehrenrat findet das Tönnies-Zitat nur "diskriminierend"

Nach einer angeblich vierstündigen Sitzung des für ethische Fragen zuständigen Ehrenrates verkündete der Verein, Tönnies habe „erklärt, sein Amt als Mitglied des Aufsichtsrats und dessen Vorsitz für einen Zeitraum von drei Monaten ruhen zu lassen“. Das Gremium ist jedoch zur Ansicht gelangt, „dass der erhobene Vorwurf des Rassismus unbegründet“ sei. Der mächtigste Mann beim Fußball-Bundesligisten habe lediglich „gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen“.

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Das ist eine recht eigenwillige Form des Umgangs mit Aussagen, die sich eher nicht ohne schlüssige Begründung aus einem rassistischen Kontext herauslösen lassen. Der Unternehmer hatte vorgeschlagen, den Klimawandel mit der Finanzierung von 20 Kraftwerken in Afrika zu bekämpfen und erklärt: „Dann würden die Afrikaner aufhören Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Der Ehrenrat, in dem drei Juristen, ein Steuerberater und ein Pfarrer sitzen, findet diese Worte „nur“ diskriminierend.

Schalke 04 riskiert wegen Tönnies eine nachhaltige Beschädigung des alten Selbstbildes

Mit diesem Vorgang riskiert der FC Schalke eine nachhaltige Beschädigung des alten Selbstbildes als Verein, der sich von vielen Konkurrenten dadurch abhob, dass er sich besonders klar gegen jede Form der Diskriminierung stellte. Dieses Image wird nun zugunsten von Tönnies geopfert. Der vor allem bei Schalke-Fans bekannte Blogger Hassan Talib Hadji twitterte: „Herzlichen Glückwunsch. Die Macht von Clemens Tönnies in unserem Verein ist somit größer und stärker als die fundamentalen Grundwerte unseres FC Schalke 04. Der Ehrenrat des S04 hat hier eine elementar und abgrundtief falsche Entscheidung getroffen.“

Diesen Eindruck hat auch Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages. „Wenn ich einen ganzen Kontinent und seine Bevölkerung letztlich in eine Ecke stelle, dann erfüllt das für mich schon eher den Tatbestand des Rassismus als nur den der Diskriminierung“, kritisierte die SPD-Politikerin bei NDR Info und forderte eine „klare Haltung“ vom Deutschen Fußball-Bund, dessen eigener Ethikrat am 15. August ebenfalls zur Causa tagt. Denn Schalke 04 scheint Tönnies nicht glaubhaft kritisch gegenübertreten zu können.

Der Einfluss von Tönnies auf Schalke 04 wird wohl trotz Auszeit nicht kleiner werden

Widerstand regt sich bei der Schalker Faninitiative, die sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus und Diskriminierung aller Art engagiert und Proteste angekündigt hat. Die Aktion Arbeitsunrecht will am 13. September zudem im Rahmen einer großen Kundgebung in Rheda-Wiedenbrück Gewerkschafter, Bürgerrechtler, Umwelt- und Tierrechtsaktivisten mit aktiven Fußballfans zusammenbringen, um auf die Schattenseiten des Wirkens von Clemens Tönnies hinzuweisen.

Die Vorwürfe reichen von zweifelhaften Bedingungen in den Schweinemastbetrieben des Unternehmers über die Ausbeutung von Arbeitern bis hin zum Verdacht, Tönnies’ Wirken im Klub gehöre zu den Gründen für die zuverlässig wiederkehrenden Krisenphasen bei Schalke 04.

Und weil Tönnies im Alltag schon lange nicht nur Aufsichtsrat ist, sondern Strippenzieher hinter ganz vielen Vorgängen im Klub, wird sein Einfluss während seiner selbst verordneten Zwangspause womöglich überhaupt nicht kleiner werden.

Hier abstimmen: Muss Clemens Tönnies seinen Posten beim FC Schalke 04 räumen?

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