13. Januar 2021 / 12:21 Uhr

Colditzer feiern nach Umgliederung Erfolg in fremden Gefilden

Colditzer feiern nach Umgliederung Erfolg in fremden Gefilden

Robin Seidler
Leipziger Volkszeitung
Man braucht nicht unbedingt eine Bank für eine kurze Verschnaufpause.
Man braucht nicht unbedingt eine Bank für eine kurze Verschnaufpause. © J. Richter
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Nach dem zähneknirschenden Umzug in die Fußball-Landesklasse (Mitte) hat sich der HFC Colditz in der neuen Umgebung glänzend akklimatisiert. Aktuell führen die Colditzer die Tabelle an und haben sogar, wenn sie ihren Rang weiterhin verteidigen können, die Chance eine Liga höher zu klettern.

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Hausdorf. Für die Landesklasse-Fußballer des HFC Colditz fallen in dieser Saison die Derbys gegen Eintracht Sermuth und den FC Bad Lausick zwar weg, dafür lernen die Kicker viele neue Sportanlagen kennen. Sie wurden im Sommer von der Landesklasse-Staffel Nord der Staffel Mitte zugeordnet. Dort haben sie die ersten sieben Spieltage aber mit Bravour gemeistert und grüßen mit 19 Punkten von der Tabellenspitze.

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Der Blick auf die aktuelle Tabelle zaubert den Verantwortlichen in Hausdorf natürlich ein Lächeln ins Gesicht – zumal mit so einer Erfolgsserie zu Saisonbeginn nicht zu rechnen war. „Aber es ist auch nur eine nette Momentaufnahme“, sagt Vereinschef Lars Voigtländer. „Gegen die Kontrahenten um den Staffelsieg hätten wir erst noch gespielt und wir wissen, dass irgendwann einmal das Glück nicht auf unserer Seite ist.“ Bis auf das 1:1-Unentschieden beim FV Gröditz haben die HFC-Kicker noch keine Punkte abgegeben. „Und selbst dort hätten wir gewinnen können“, ist sich Trainer Frank Richter sicher.

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Dass es auch in die andere Richtung laufen kann, wissen die Verantwortlichen aus der vergangenen, abgebrochenen Saison, die sie in der Nord-Staffel lediglich auf dem 11. Platz beendet hatten. „Wir haben den ersten Lockdown genutzt, diese Serie gründlich analysiert und da schon viele Gespräche bezüglich der neuen Saison geführt“, sagt der Coach, der 2016 von der damals aufgelösten U23 des 1. FC Lokomotive Leipzig nach Hausdorf kam, zwischenzeitlich Spielertrainer gewesen und nun nur noch Trainer ist.

„Das war die beste Lösung, weil ich das Spiel von außen im Prinzip ganz anders einschätzen kann“, sagt der 30-Jährige. Zu den Spielern, die sich im Sommer abgemeldet hatten, gehörte auch Torjäger Martin Schwibs, der zum Roßweiner SV wechselte, sowie Sebastian Jahn, der ebenfalls viele Jahre für den HFC aktiv gewesen ist und nun für den SV Klinga-Ammelshain aufläuft. Junge Akteure fanden den Weg nach Hausdorf. Gleich ein Dutzend Spieler reisen regelmäßig aus Leipzig an, dazu fünf Männer aus Döbeln. „Bei den Jungs aus Leipzig sind aber viele dabei, die ihre Wurzeln in der Colditzer Region haben und unter anderem durch den Fußball die Bindung zu ihrer Heimat halten“, sagt Lars Voigtländer.

Auswärtsspiele nun richtige Tagestouren

Der 45-Jährige ist seit 2012 im Vorstand des rund 100 Mitglieder starken Klubs und seit 2018 Vereinschef. 2010 fusionierten der Colditzer SV und die Fußball-Abteilung des Hausdorfer SV zum HFC Colditz.

Für heftige Diskussionen hat im Sommer die Nachricht beim HFC gesorgt, dass sie in die Landesklasse-Staffel Mitte eingegliedert werden. „Wir haben uns total vor den Kopf gestoßen gefühlt, weil wir das im Prinzip aus den Medien erfahren haben“, sagt Schatzmeister und Sponsorenbeauftragter Eberhard Günther, der zuvor viele Jahre bei Motor Rochlitz und kurz bei Germania Mittweida war. „Besonders für die Leipziger Spieler sind die Strecken zu den Auswärtsspielen nun richtige Tagestouren.“

Möglicher Aufstier

Die Colditzer gastieren unter anderem bei den mittelsächsischen Teams Fortuna Langenau, BSC Freiberg und dem SV Lichtenberg, zudem gibt es weite Fahrten zu Empor Hartmannsdorf nahe der deutsch-tschechischen Grenze oder auch ins Elbtal und in den Kreis Meißen. Die Mannschaft selbst habe sich damit arrangiert, sagt Trainer Richter. „Im Team war das nach drei, vier Tagen kein Thema mehr.“ Im Gegenteil, die Truppe habe das Positive daraus gezogen. „Es ist doch schön, wenn wir auswärts fahren und gewinnen. Dann ist die Rückfahrt umso schöner und es schweißt die Mannschaft noch mehr zusammen.“

Und wenn man es einmal aus Leipzig bis nach Hausdorf geschafft habe, „dann sind die Wege zu den Gegnern auch nicht mehr so weit“, sagt er. „Und so wie die Truppe momentan zusammenhält, ist es wirklich super“, sagt Lars Voigtländer. Vor allem die Trainingsbeteiligung sei deutlich besser als in der Vorsaison. „16 Spieler sind meistens da, davon noch viele junge mit Entwicklungspotenzial. Teilweise waren die Jungs in unserer Mittelfeldreihe nicht älter als 20 Jahre.“ Auf die baldige Fortsetzung der Saison hoffen die Fußballer, vor allem da es sportlich zuletzt rund lief. Wenn die HFC-Kicker am Ende ganz oben stehen sollten, „dann hätten wir uns sportlich für die Landesliga qualifiziert und müssten reden“, sagt Lars Voigtländer.

„Aber nicht um jeden Preis, denn in Sachen Landesliga sind wir in Hausdorf ja ein gebranntes Kind.“ In der Spielzeit 2004/05 wetteiferte der damalige Hausdorfer SV schon einmal in Sachsens höchster Spielklasse. Nach dem Rückzug des Hauptsponsors zur Winterpause hielt der Verein zwar sportlich noch die Klasse, zog sich dann aber bis in die Kreisliga zurück. „Diesmal wollen wir, dass der Verein weiter wächst.“ Und dafür packen die Spieler auch neben dem Platz mit an, wo im Herbst die Tribüne gepflastert und die Bandenwerbung erneuert wurde.