02. März 2019 / 12:58 Uhr

Comedian Matze Knop über Wolfsburg: „Der VfL ist natürlich immer komödiantisch interessant“

Comedian Matze Knop über Wolfsburg: „Der VfL ist natürlich immer komödiantisch interessant“

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Matze Knop tritt am Sonnabend in Wolfsburg auf.
Matze Knop tritt am Sonnabend in Wolfsburg auf. © imago/DeFodi
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Wenn Matze Knop seine Zuschauer am Samstagabend (20 Uhr) im Wolfsburger CongressPark mit auf die Comedy-Insel „Matzeknopien“ nimmt, wird es um Hausfrauen gehen, um Influencer, um Tattoos, um Anwälte und Ärzte. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 44-Jährige über Riberys Schnitzel und das Wolfsburger Comedy-Potenzial.

Viele Figuren, die Sie parodieren, stammen aus dem Fußball – warum?

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Ich spiele Fußball seitdem ich denken kann. Alles, was also emotional und psychologisch damit zu tun hat, kenne ich. Da ist es wahrscheinlich etwas unbewusst, dass man sich das aussucht. Und dann handelt es sich natürlich um eine Unterhaltungsindustrie, wo auch neben dem Platz gewisse Dinge passieren.

Zum Beispiel?


Zuletzt wurde sich über Franck Ribery mit seinem goldenen Schnitzel aufgeregt. Wenn ich Uli Hoeneß wäre, hätte ich ihm für seine Aktion einen Bonus gezahlt – würde sofort mit ihm verlängern.

Ein gefundenes goldenes Fressen für jemanden wie Sie…

Ja, herrlich! Wunderbar! Das sind doch Typen. Es ist Fußball. Und wer sich in der Kreisliga auskennt – und da bin ich nun schon sehr lange unterwegs –, weiß, dass es immer noch den einen Opa gibt, der dem Schiedsrichter mit dem Schirm droht. Das ist echt. Das gehört dazu.

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Die Rangliste der VfL-Auswärtssiege ©

Wussten Sie just in dem Moment, als Sie von dem goldenen Steak hörten – das parodiere ich?

Man hat einen Impuls, und dann fallen einem zwei, drei gute Sprüche dazu ein. Man wartet ja auf genau so etwas. Wenn sich immer nur alle stromlinienförmig verhalten – wie langweilig ist das denn?

Es heißt, echte Typen werden im Profi-Fußball immer seltener.

Heutzutage sind alle Spieler medial geschult, mit 18 wissen die sich schon perfekt auszudrücken. Da freut sich dann die Schwiegermutter und der ehemalige Lehrer, aber für den normalen Zuschauer ist das etwas dröge. Wenn Roman Weidenfeller sagt, „we have a grandios Saison gespielt“, ist das doch sensationell! Klar ist ihm das erst mal unangenehm, aber er ist echt, das ist Emotion. Oder wenn Diego Simeone beim Jubeln seine „Cojones“ zeigt, finde ich das super! Das hat Mario Basler doch früher jede Woche gemacht. Und jetzt ermittelt die Fifa, da denke ich mir: Sollen die sich lieber über so was wie den Videobeweis-Schwachsinn Gedanken machen. Weg damit!

Was nervt Sie noch in der Branche?

Ob der Ribery 20 Millionen oder 40 bekommt, ist mir persönlich Wurscht. Aber wenn ich als Normalsterblicher an einem Montag zusehen muss, durch den Stau zu kommen, um pünktlich zu einem Bundesligaspiel zu kommen, betrifft das mein Lebensumfeld schon deutlich mehr – und das mache ich nicht mehr mit. Der Fußball würde gut daran tun, Spieltage wieder zeitlich zu zentralisieren, an einem Samstag – anstatt alles auseinanderzupflücken. Zumal man gar nicht mehr weiß, wo was läuft. Das ist eine totale Vollkatastrophe und wenn man daran nichts ändert, wird das den Fußball nachhaltig zerstören.

Können Sie als Parodist einen Beitrag dazu liefern, dass die Leute über diese Dinge lachen können?

Wenn ich Comedy mache, sollen die Leute lachen. Sie sollen eine gewisse Unbeschwertheit haben und nicht über Probleme nachdenken. Ich bin kein Freund davon, dass der Comedian immer noch mal den Finger in die Wunde legt und ein halber Politiker sein soll. Es muss nicht immer hinter jedem Witz ein intellektueller Background stecken.

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Bruno Labbadias Jahr beim VfL Wolfsburg in Bildern:

Am 20. Februar wird Bruno Labbadia als Cheftrainer des VfL Wolfsburg verpflichtet. Er übernimmt das Team im Absteigskampf: Wolfsburg hat seinerzeit 24 Punkte nach 23 Spieltagen und steht auf dem 14. Platz – nur einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt. Zur Galerie
Am 20. Februar wird Bruno Labbadia als Cheftrainer des VfL Wolfsburg verpflichtet. Er übernimmt das Team im Absteigskampf: Wolfsburg hat seinerzeit 24 Punkte nach 23 Spieltagen und steht auf dem 14. Platz – nur einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt. ©

Wie studieren Sie Ihre Parodien ein?

Ich bin viel bei Youtube unterwegs, weil man dort viele Interviews findet. Man muss es einfach ausprobieren, hören, welche Wörter verwendet werden. Gibt es eine Satzmelodie, gibt es viele „Äh‘s“, „naja‘s“? Und dann ist es Training. Es ist auch die Frage, wie eine Person zu bestimmten Dingen im Leben steht. Denn aus einer Haltung heraus kann man viele Gags machen, wie bei Thomas Tuchel, der ja sehr ernährungsbewusst ist. (Knop tuchelt:) „Ich esse Luft – ohne Soße. Kalorien gehen nicht! Lasst den Zucker weg!“

Wie lange brauchen Sie für das Einstudieren?

Hängt davon ab, ob ich einen Dialekt schon kann. Und dann ist es wie mit dem Autofahren. Ich freue mich immer, wenn ich eine Rolle dann kann und den Charakter geknackt habe.

Wonach entscheiden Sie, wen Sie parodieren?

Ich mache alles mit meinem Bruder zusammen, wir suchen gemeinsam aus, wer passt und auf wen wir Bock haben. Franz Beckenbauer kann als Kaiser natürlich zu allem was sagen, vom Atomkrieg bis zum Kindergeburtstag. Ein Jogi Löw ist als Typ dagegen etwas reservierter.

Was sagen die Personen, wenn sie im echten Leben auf Sie – und ihre Parodien – treffen?

Eigentlich hatten alle, die ich mal getroffen habe, Humor und haben verstanden, wie ich das meine. Ich versuche ja auch immer, eine gewisse Grenze nicht zu überschreiten. Denn das macht es am Ende nicht lustiger, das tut vielleicht nur irgendeinem weh – und das ist schlechtes Karma. Schöner ist es, wenn wir gemeinsam lachen.

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Inwiefern könnte man über den VfL Wolfsburg lachen?

In Kombination mit Volkswagen ist der VfL natürlich immer auch komödiantisch interessant. Ich kenne mich da etwas aus, mache ja auch Manni den Busfahrer für MAN. Doch sportlich gibt es in dieser Saison zur Überraschung vieler ja auch gar nicht so viele Gründe, sich über den VfL lustig zu machen.

Wer ließe sich beim VfL gut parodieren?

Es gibt im Umfeld ja immer einige, die da rumwurschteln, so wie Pierre Littbarski – den könnte man auf jeden Fall in die engere Auswahl nehmen. Bei Bruno Labbadia wäre es die Schönlingsthematik, die man machen könnte. Maximilian Arnold ist auch ein Spaßvogel, mit dem ich letztens mal zu tun hatte. Die Leute müssen die Spieler aber eben auch kennen. Einen Admir Mehmedi hat man vielleicht schon mal gehört, aber wenn man sagen müsste, wie er aussieht, würden acht von zehn sagen: Weiß ich nicht.

Jörg Schmadtke als kauziger Typ würde sich nicht anbieten?

Das wäre auch schon eher Special-Interest. So ein bisschen wie Clemens Tönnies – in engeren Kreisen kommt das super an, aber diejenigen, die keine Schalke-Fans sind, kennen den dann meistens nicht. Grundsätzlich ist es aber so, dass nicht nur Männer Fußball gucken, sondern auch immer mehr Frauen schon mal gehört haben, wer Toni Kroos ist – das macht es einfacher. In unseren Breitengraden ist Fußball eben nicht nur Sport, sondern viel mehr.