22. Juni 2017 / 13:24 Uhr

Concordia Nowawes: Der etwas andere Verein

Concordia Nowawes: Der etwas andere Verein

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Die E-Junioren des SV Concordia Nowawes sind in die Kreisliga aufgestiegen.
Die E-Junioren des SV Concordia Nowawes sind in die Kreisliga aufgestiegen. © Benjamin Feller
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Fußballkreis Havelland: Concordia Nowawes aus Potsdam setzt auf Freundschaften statt auf Siege.

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Concordia Nowawes ist anders. Der Fußball-Verein aus dem Potsdamer Stadtteil Babelsberg stellt nicht Tore und Siege in den Vordergrund, sondern die Freude am Kicken. „Fußball soll Spaß machen. Leistungsdruck, Demütigungen und alles Militärische wirken persönlichkeitszerstörend“, heißt es in der Vereins-Philosophie. Man wolle „einen Freiraum schaffen, in dem Fußball unabhängig von Herkunft, sozialem Status, Talent, Alter und Geschlecht für alle zum Erlebnis wird.“ Ganz einfach ist es derweil nicht, den Verzicht auf Leistungsdruck durchzuhalten. „Die Trainer haben es verinnerlicht. Wir legen auch Wert auf gute Umgangsformen, es gibt kein Angebrülle. Der Ehrgeiz kommt eher mal von den Kindern“, erzählt der Vereinsvorsitzende Alexander Kallenbach. „Die fragen schon mal, warum jemand spielt oder nicht spielt. Das ist eine Herausforderung.“

Vom Fußballclub Concordia Nowawes 06 wegen Platznot errichteter illegaler Bolzplatz, für den Nachwuchs, an der Nuthestraße.
Vom Fußballclub Concordia Nowawes 06 wegen Platznot errichteter "illegaler" Bolzplatz, für den Nachwuchs, an der Nuthestraße. © Christel Köster
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Dass trotz der besonderen Philosophie Erfolg möglich ist, zeigten kürzlich die E1-Junioren. Die Jungs des Jahrgangs 2006 haben in der Havelland-Kreisklassenstaffel 6 mit nur einer Saisonniederlage und 144 Toren in 22 Spielen die Meisterschaft gewonnen. Damit spielen künftig zwei der elf Mannschaften in der Kreisliga, alle anderen in der Kreisklasse. „Das ist eine Bestätigung, dass es auch ohne Druck und Drill geht“, sagt Kallenbach. „Man muss aber auch sagen, dass es der ältere Jahrgang war.“ Eine Altersklasse besteht aus zwei Jahrgängen. Die meisten Vereine mischen die Jahrgänge nach Leistung. Concordia schickt derweil reine Jahrgangsmannschaften in den Wettbewerb. Kallenbach: „So bilden sich stärkere soziale Strukturen. Die meisten wollen auch mit ihren Freunden spielen.“

Ein Verein ohne Heimstätte

Die ältesten Spieler des Kinder- und Jugendvereins kommen in diesem Sommer in die A-Junioren. Bald stellt sich also die Frage nach einer Männermannschaft. „Der Wunsch besteht auf jeden Fall, viele wollen später im Verein bleiben“, sagt Kallenbach. „Wir wollen sie gerne auch als Übungsleiter bei Concordia halten.“ Manchmal sind gute Spieler jedoch nicht zu halten, sie wechseln zu Vereinen wie Babelsberg 03 oder Babelsberg 74. Im Gegenzug kommen von anderen Vereinen Jungs, die es dort nicht geschafft haben. Es gibt auch eine Mannschaft, die nicht für den Spielbetrieb gemeldet ist und nur trainiert. Kallenbach: „Die Eltern wählen uns bewusst aus. Wir können zwar nicht alle aufnehmen, aber es gibt keine Leistungsauswahl.“ Concordia sehe sich als Verein für die Basis. „Wir sind nicht elitär.“

Das Concordia-Team aus dem Jahr 1924.
Das Concordia-Team aus dem Jahr 1924. © Verein

Das geben allein die Trainingsbedingungen nicht her. Eine echte Heimstätte hat der Verein nicht. Das Training findet auf der sogenannten Nowawiese, einem kleinen Sportplatz ohne Drainage am Rande des Babelsberger Parks, auf der Sandscholle oder in der sogenannten Fahland-Arena statt. Den provisorischen Trainingsplatz an der Wetzlarer Straße hat der Unternehmer und Spielervater Frank Fahland zur Verfügung gestellt. Gerne würde sich der Verein eine Art mobiles Vereinsheim anschaffen. „Wir wollen einen Bauwagen kaufen und ausbauen“, sagt Kallenbach. Als Umkleide, Unterstand und für Besprechungen.

Vorgängerclub von Nationalsozialisten verboten

Bei der Gründung traf man sich einst in einer Kneipe. Der Verein sollte im Dezember 2006 schnell aus der Taufe gehoben werden. Denn der Vorgängerclub wurde einhundert Jahre zuvor ins Leben gerufen. 1906 war der FC Concordia 06 im Arbeiterbezirk Nowawes gegründet worden. Die Nationalsozialisten verboten später Arbeitersportvereine. Concordia trainierte dennoch im Babelsberger Park und trug einige Freundschaftsspiele in Berlin aus – alles illegal. Der heutige Verein ist kein Rechtsnachfolger, sieht sich aber durchaus einigen Werten verpflichtet. So ist Concordia auch politisch engagiert, tritt etwa als Mitorganisator des Antirassistischen Stadionfestes auf.

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