12. November 2020 / 12:47 Uhr

Wedtlenstedts Cornwall schätzte als Spieler englische Härte und deutsche Pünktlichkeit

Wedtlenstedts Cornwall schätzte als Spieler englische Härte und deutsche Pünktlichkeit

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Als Stürmer schoss Dennis Cornwall den MTV Wedtlenstedt mit 31 Treffern in die Kreisliga. Als Trainer des Teams verpasste er den Sprung aus der 1. Kreisklasse aber.
Als Stürmer schoss Dennis Cornwall den MTV Wedtlenstedt mit 31 Treffern in die Kreisliga. Als Trainer des Teams verpasste er den Sprung aus der 1. Kreisklasse aber. © Everling/Büchler
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Er habe sich nie ohne großartigen Kontakt eines Gegenspielers hingeschmissen oder laut aufgeschrien, berichtet Wedtlenstedts Trainer Dennis Cornwall von seiner Laufbahn als Fußballer. Gepflogenheiten, die sich in England, dem Heimatland seines Vaters, zu dieser Zeit nicht gehörten hat der frühere Stürmer verinnerlicht.

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Englische Härte, deutsche Pünktlichkeit: Das sind Werte, die Dennis Cornwall in seiner Fußball-Karriere als Spieler besonders verkörpern wollte. Der Trainer des MTV Wedtlenstedt wuchs zwar nebenan in Braunschweig auf, seine Herrenjahre verbrachte der 37-Jährige aber beinahe ausnahmslos bei seinem aktuellen Verein. Ausgerechnet in dem einen Jahr außerhalb von Wedtlenstedt beendete ein Horrorfoul mit dramatischer Verletzung die Karriere des einstigen „Strafraumstürmers“.

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Zum MTV war Cornwall durch seinen Nachbarn gekommen, der heute immer noch für die Wedtlenstedter kickt. „Serdar Ayhan-Korb hat in Braunschweig neben mir gewohnt“, berichtet der 37-Jährige, der seine ersten Fußballer-Jahre beim RSV Braunschweig verbrachte und für die letzten Jugendjahre zum TSV Timmerlah weiter zog. Danach hatte Cornwall allerdings aufgehört mit dem Fußball, kam dann 2004 mit 21 zum Team der 1. Kreisklasse nach Wedtlenstedt.

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Und er drückte dem Spiel der Blau-Gelben gleich in den ersten Jahren seinen Stempel auf. Cornwall war noch vor seinem Kumpel Serdar Ayhan-Korb der erfolgreichste Torjäger der Wedtlenstedter. Im Aufstiegsjahr 2007 traf der Stürmer in der Leistungsklasse 31-mal. „Ich war ein richtiger Strafraumstürmer, der wusste, wo das Tor steht“, berichtet Cornwall schmunzelnd. „Manchmal gehörte aber sicherlich auch das nötige Glück dazu.“ Auch in den fünf Kreisliga-Jahren netzte Cornwall jeweils im etwas niedrigeren zweistelligen Bereich ein.

Das Fußballspielen hatte Cornwall ohnehin in die Wiege gelegt bekommen. „Meine Mutter hat früher in der Oberliga gespielt“, erklärt der Trainer, dessen Vater aus dem „Mutterland des Fußballs“ kommt – aus England. „Da haben wir immer viel Urlaub in seiner Heimatstadt Portsmouth gemacht“, berichtet der Wedtlenstedter, der in der Hafenstadt am Ärmelkanal besonders gerne das Stadion besucht.


Auch wenn der FC Portsmouth derzeit nur noch drittklassigen englischen Fußball anbieten kann, faszinieren Cornwall die Besuche im „Fratton Park“. „Die Zuschauer sind dort ganz anders, als in Deutschland. Selbst wenn es 0:4 steht, peitschen die ihr Team immer noch nach vorne – wenn sie merken, dass das Team ordentlich kämpft“, erklärt Cornwall.

Und die englische Härte, die die Spieler auf dem Platz verkörpern, hat sich auch der Wedtlenstedter Trainer in seiner aktiven Zeit gerne abgeschaut. „Ich habe mich auch nie fallen lassen und vom lauten Aufschreien halte ich nichts. Entweder ich werde getroffen und es tut weh oder eben nicht“, sagt Cornwall, dem auch die deutsche Pünktlichkeit am Herzen liegt. „Ich war immer schon 20 Minuten vorher am Treffpunkt. Heute ist das anders. Die Letzten trudeln immer erst kurz vor knapp ein“, bedauert Cornwall.

Nach achteinhalb Jahren verließ der heutige Coach den MTV im Winter 2013, weil der damalige Trainer Markus Puschmann nicht mehr uneingeschränkt auf seinen Stürmer setzte. Den heute 37-Jährigen zog es in das Team seines besten Kumpels Michael Bark nach Bodenstedt, wo er in der 2. Kreisklasse Süd kickte. Allerdings nicht gerade lange.

Im Auswärtsspiel beim TSV Viktoria Ölsburg wurde Cornwall unfair und auf ziemlich harte Weise von den Beinen geholt. „Das war wohl das Traurigste meiner Karriere“, erinnert sich Cornwall. Im rechten Bein war das vordere Kreuzband gerissen, der Meniskus und das Innenband waren ebenfalls betroffen und die Kniescheibe gesplittert.

„Den Elfmeter habe ich aber noch geschossen. Mit rechts noch einmal voll durchgezogen“, sagt Cornwall und erklärt: „Mit dem ganzen Adrenalin im Körper hat sich das erst gar nicht so schlimm angefühlt.“ Zwei, drei Minuten später sei er dann aber doch vom Feld, weil das Knie schnell begann dicker zu werden. Die Partie ging verloren und viel schlimmer: „Danach habe ich nicht wirklich wieder angefangen zu spielen.“

Zur Ü32 wollte Cornwall eigentlich zurück zum MTV, weil er das dem 2019 verstorbenen früheren Fußballobmann Horst Blanke so versprochen hatte. Stattdessen wurde er Jugendtrainer und übernahm vor drei Jahren die Herren. Im Sommer ist damit aber Schluss, erklärte Cornwall vor einigen Wochen.