02. Mai 2020 / 13:20 Uhr

Politisches Echo auf Corona-Fälle beim 1. FC Köln wird lauter: Auch Linke und Grüne üben Kritik

Politisches Echo auf Corona-Fälle beim 1. FC Köln wird lauter: Auch Linke und Grüne üben Kritik

Markus Decker
André Hahn (Die Linke) und Monika Lazar (Die Grünen) kritisieren den Umgang mit den positiven Corona-Fällen beim 1. FC Köln.
André Hahn (Die Linke) und Monika Lazar (Die Grünen) kritisieren den Umgang mit den positiven Corona-Fällen beim 1. FC Köln. © imago images / Herbert Bucco / Montage
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Die Kritik am Umgang mit den drei positiven Corona-Fällen beim 1. FC Köln mehrt sich. Nach SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußern sich auch André Hahn von den Linken und Grünen-Politikerin Monika Lazar deutlich.

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Nach der Kritik von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Umgang mit den positiven Corona-Tests bei 1. FC Köln wird das politische Echo auf das Vorgehen des Bundesliga-Klubs zunehmend lauter. So sagte der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, André Hahn, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): "Das zeigt die ganze Kalamität dieser Sonderrolle, die man jetzt dem Profifußball einräumen will." Was der 1. FC Köln praktiziere, sei "eine Ungleichbehandlung gegenüber Normalbürgern".

Denn gebe es beispielsweise in einer Familie einen Infektionsfall, dann werde die ganze Familie in Quarantäne geschickt, hier nicht. "Das ist das falsche Signal", sagte Hahn, und es zeige: "Eine Lex Bundesliga kann es nicht geben." Der Linken-Politiker, der selbst beim FC Bundestag spielt, fügte hinzu, wenn es bei der Fortsetzung der Bundesliga nur darum gehe, Fernseh- und Sponsorengelder zu bekommen, dann müssten die Profifußballer den Amateurfußballern zumindest etwas abgeben. Diese dürften nämlich nicht spielen.

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Auslöser der Kritik: Nachdem der Bundesliga-Klub die positiven Befunde am Freitagabend bestätigt hatte, wies er darauf hin, dass er das Gruppentraining wie geplant fortsetzen werde. Am Samstag nannte Geschäftsführer Alexander Wehrle dann weitere Details. Die sportpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Monika Lazar, bewertete dieses Vorgehen ebenfalls als fragwürdig. Sie sagte dem RND: "Jetzt ist genau das eingetreten, was man befürchtet hatte: dass sich die Bundesliga ihre eigenen Bedingungen schafft. Das kann nicht sein." Lazar fuhr fort: "Ich würde mir wünschen, dass die Spieler des Vereins deshalb sagen: Da machen wir nicht mit."

Lauterbach kritisiert "Brot und Spiele"-Mentalität

Eine ähnliche Position hatte zuvor schon Lauterbach eingenommen. "Wahrscheinlich 2 Spieler, 1 Mitarbeiter infiziert. Rest trainiert weiter. Wer mit Covid-19 trainiert, riskiert Schäden an Lunge, Herz und Nieren. Ich wundere mich, dass Spieler das mit sich machen lassen. Fussball soll Vorbild sein, nicht 'Brot und Spiele'", twitterte der SPD-Politiker.

Insgesamt könnte die Bundesliga mit Blick auf die für diesen Monat erhoffte Saison-Fortsetzung durch die neuen Corona-Fälle weiter unter Druck geraten. Auch wenn die Befunde aus Sicht der DFL als Beleg dafür dienen, dass das installierte System mit "mindestens wöchentlichen" Tests bei jedem Profi greife. Ob und wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann, dürfte sich am kommenden Mittwoch entscheiden. Dann trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel per Videoschalte erneut mit den Ministerpräsidenten zusammen, um über das weitere Vorgehen in gesellschaftspolitischen Fragen zu beraten. Ein Schwerpunkt soll dann der Sport sein.

1. FC Köln: Erkrankte Personen sind "symptomfrei"

Der 1. FC Köln hatte am Freitagabend erklärt, dass die am Coronavirus erkrankten Personen "symptomfrei" seien und nun eine 14-tägige häusliche Quarantäne antreten würden. Das Training könne "aufgrund der bereits seit dem 6. April praktizierten Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen im Gruppentraining wie geplant weiterlaufen". Dabei würde "der entsprechende Personenkreis weiter so getestet, wie es im medizinischen Konzept der 'Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb' der Deutschen Fußball-Liga DFL vorgesehen ist."

Der Tasforce-Vorsitzende Prof. Dr. med. Tim Meyer erklärte: "Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert. Dazu werden wir stets im engen Austausch mit den zuständigen Gesundheitsbehörden und den medizinischen Experten sein. Wir sind überzeugt, dass wir den Spielern mit unserem Konzept die Ausübung ihres Berufs unter bestmöglichem Infektionsschutz ermöglichen können."

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Aus den Reihen der Bundesliga-Profis hatte es bisher keiner öffentlichen Bedenken hinsichtlich des DFL-Konzepts und einer etwaigen Bundesliga-Fortsetzung mit Geisterspielen gegeben. Anders verhält sich die Lage in England, wo einige Premier-League-Spieler auf die Risiken eines solchen Modells hinwiesen. ManCity-Star Sergio Agüero erklärte zuletzt: "Die Spieler haben Angst."