22. März 2020 / 13:35 Uhr

Corona-Alarm beim Heimflug: Wolfsburgs Olympia-Judoka in Quarantäne

Corona-Alarm beim Heimflug: Wolfsburgs Olympia-Judoka in Quarantäne

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der Verdacht flog mit nach Hause: Ein Passagier im Flieger von Giovanna Scoccimarro wurde bei der Landung in Hannover vom Gesundheitsamt empfangen.
Der Verdacht flog mit nach Hause: Ein Passagier im Flieger von Giovanna Scoccimarro wurde bei der Landung in Hannover vom Gesundheitsamt empfangen. © Christian Elsner (1) / Gabriela Sabau
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Ein Corona-Verdachtsfall in einem Ferienflieger aus Lanzarote hat am Flughafen Hannover für einen mehrstündigen Einsatz von Feuerwehr, Gesundheitsamt und Polizei gesorgt, nachdem die Maschine in der Nacht auf Samstag gelandet war. Mittendrin im Flieger: die Lessienerin Giovanna Scoccimarro. Das Judo-Ass des MTV Vorsfelde kehrte vom Olympia-Trainingslager heim. Jetzt sitzt sie zur Vorsicht in Heim-Quarantäne.

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Tokio 2020, Olympia in Japan, dem Mutterland des Judos - was für ein Traum. Scoccimarro lebt ihn, als sie am 1. März in den Flieger nach Lanzarote steigt. Dort steht ein Trainingslager an. Tolles Wetter, schönes Sporthotel, Grundlagen werden gelegt. In Deutschland steigen derweil die Zahlen der mit dem Corona-Virus infizierten gemeldeten Fälle. "Das Thema ist auch bei uns allgegenwärtig", berichtet die 22-Jährige am 11. März von der Kanareninsel aus.

Training auf dem Balkon

Eigentlich sollte es am 14. März zurück nach Deutschland gehen. Doch es kam anders: "Das Trainingslager wurde verlängert, weil die Lage auf Lanzarote viel besser war als in Deutschland", berichtet Scoccimarro.

Doch in der Folge durfte die Lessienerin das Sporthotel Club La Santa nicht mehr verlassen. Es wurde improvisiert, auch auf dem Balkon trainiert. Dann ging es am 20. März in den Flieger Richtung Hannover.

Training auf dem Balkon: Giovanna Scoccimarro war vor kurzem noch auf Lanzarote.
Training auf dem Balkon: Giovanna Scoccimarro war vor kurzem noch auf Lanzarote. © Privat
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In dem sitzt Wolfsburgs Sportlerin des Jahres. Um Mitternacht landet der Flieger in Niedersachsen. "Plötzlich stehen nach der Landung zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamts im Flieger", berichtet die 22-Jährige. Ein Name wird aufgerufen. Die Person, die ihre Hand hebt, sitzt sieben Reihen vom MTV-Ass entfernt. Damit hat sie noch Glück im Unglück. Der Mann sowie die Passagiere neben ihm und in den drei Reihen vor und hinter ihm seien unter häusliche Quarantäne gestellt worden, teilte die Sprecherin der Region Hannover mit. Was Hoffnung macht: „Der Patient wies nach der Landung in Deutschland kein Fieber und auch keine starken Symptome auf“, sagte die Sprecherin.

Drei Stunden auf dem Flughafen

Drei Stunden verbringt Scoccimarro noch auf dem Flughafen. Personalien werden aufgenommen, Verhaltensregeln mitgeteilt. Dann geht es ins Zuhause von Teamkollegin Pauline Starke. Dort verbringen sie in Hannover gemeinsam eine "indirekte Quarantäne. Ich mache es zum Schutz der anderen. Wenn ich innerhalb der zwei Wochen nichts hatte ist es gut - und wenn doch, kann ich niemanden anstecken. Ich muss jetzt morgens und abends Fieber messen, zudem auf die Symptome achten, die auf die Viruserkrankung hindeuten können", berichtet Wolfsburgs Sportlerin des Jahres.

Der Quarantäne im Sporthotel auf Lanzarote folgt nun also die nächste in Deutschland. "Wir sollen natürlich so viele Kontakte wie möglich vermeiden, dürfen aber beispielsweise einkaufen. Darauf achten wir. Ich bin jedenfalls froh, wieder hier vor Ort zu sein", sagt die Judoka.

Trainingspläne für daheim

Wie steht sie zum Thema Ausgangssperre für ganz Deutschland? "Ich halte sie für richtig, solange einige noch denken, dass sie draußen chillen können. Haus - Einkaufen - Haus. Oder Haus - Arbeit - Haus. Dabei sollte es zurzeit für alle bleiben."

In Kürze soll es für sie Trainingspläne für zu Hause geben. Geplant seien zwei Einheiten am Tag. "Man kann an der Bauch-, Bein- und Rumpfstabilität arbeiten", so Scoccimarro. Judotechnisch könne das Eindrehen geübt werden.

Mehr heimischer Sport

Vier Monate bis Olympia

Dass die Olympischen Spiele nur noch vier Monate entfernt sind, macht natürlich ihrem Sportlerherz sorgen. Die Athletenszene kennt kein anderes Thema.

Säbelfechter und Athleten-Aktivist Max Hartung hat für sich bereits einen Start bei den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Sommer ausgeschlossen. Mit diesem Schritt wolle er in der Diskussion um eine Verlegung der Sommerspiele angesichts der Coronavirus-Pandemie ein Zeichen setzen, betonte der 30-Jährige im ZDF-„Sportstudio“. Von einer Konsultation mit 200 Athleten durch den Deutschen Olympischen Sportbund berichtete Hartung am Samstag, dass die Athleten nun abstimmen könnten, ob sie für eine Verschiebung oder Beibehaltung des Termins vom 24. Juli bis 9. August seien.

Ihm „breche es das Herz“, sagte der Vorsitzende des Vereins Athleten Deutschland über die Tragweite seiner Entscheidung. „Ich hätte heulen können.“ Das Internationale Olympische Komitee forderte er auf, die „Hängepartie zu beenden“ und die Spiele zu verschieben. Hartung befindet sich derzeit in freiwilliger Quarantäne. „Was ich mir wünschen würde, dass das IOC mit offenen Karten spielt und uns Athleten mit einbezieht“, sagte Hartung.

Wie Hartung sprachen sich in der Sendung auch Spitzenradfahrer Maximilian Schachmann, Boxerin Nadine Apetz und der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Jürgen Kessing, für eine Verlegung aus.

Unter dem Druck der weltweit wachsenden Kritik steuert Thomas Bach nun um. Der IOC-Präsident ist von der Strategie des sturen Festhaltens an der planmäßigen Austragung der Tokio-Spiele abgerückt. Inzwischen hat der Chef des Internationalen Olympischen Komitees eingeräumt, auch verschiedene Szenarien in Betracht zu ziehen: Die Verschiebung der vom 24. Juli bis 9. August geplanten Spiele auf den Herbst, auf Sommer 2021 oder gar auf 2022. Am wahrscheinlichsten dürfte die Verlegung um ein Jahr sein. Einen Totalausfall schließe er aus.

"Auch wenn die Spiele verschoben werden oder ohne Zuschauer stattfinden - ich als Sportlerin würde sehr gern teilnehmen. Ich habe es mir hart erkämpft. Für die darauffolgenden Olympischen Spiele würde es wieder schwer werden, sich zu qualifizieren", sagt Scoccimarro.

mit DPA; Text wurde um 18.42 Uhr aktualisiert

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