14. Januar 2022 / 14:14 Uhr

„Wir finden das unverantwortlich“: Handball-Vereine aus der Region sagen wegen dramatischer Corona-Lage ihre Spiele ab

„Wir finden das unverantwortlich“: Handball-Vereine aus der Region sagen wegen dramatischer Corona-Lage ihre Spiele ab

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Die Spielerinnen sind irritiert, dass weiter Handball in der Halle gespielt werden soll: Der MTV Rosdorf mit Trainer Sascha Heiligenstadt hat die nächsten beiden Spiele in der Handball-Oberliga der Frauen wegen Corona abgesagt.
Die Spielerinnen sind irritiert, dass weiter Handball in der Halle gespielt werden soll: Der MTV Rosdorf mit Trainer Sascha Heiligenstadt hat die nächsten beiden Spiele in der Handball-Oberliga der Frauen wegen Corona abgesagt. © Joaquim Ferreira via www.imago-images.de/Pförtner/Collage: afu
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Die Corona-Lage spitzt sich immer weiter zu. Das hat nun zur Folge, dass einige Handball-Vereine aus der Region Göttingen ihre Spiele am Wochenende abgesagt haben. Unterdessen hat der niedersächsische Handball-Verband die Corona-Regeln noch einmal verschärft.

Nach der coronabedingten Unterbrechung des Handball-Spielbetriebs haben sich einige Vereine in der Region kurzfristig gegen den geplanten Re-Start ausgesprochen. So fallen an diesem Wochenende bei den Frauen das Oberliga-Derby der HSG Plesse-Hardenberg gegen den MTV Rosdorf und das Spiel des MTV Geismar beim SV Altencelle aus. Auch das Schlagerspiel der Landesliga zwischen dem MTV Rohrsen und dem Spitzenreiter HSG Göttingen wurde abgesagt.

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„Meine Mannschaft findet es unverantwortlich. Wir sagen die beiden Spiele an diesem Wochenende bei der HSG Plesse-Hardenberg und auch am 23. Januar beim Northeimer HC ab“, ließ Rosdorfs Trainer Sascha Heiligenstadt am Donnerstag kurz vor Mitternacht nach einer intensiven Besprechung mit dem Mannschaftsrat verlauten.

Auslöser der Entscheidung ist die sich immer weiter zuspitzende Corona-Lage. Die hochansteckende Omikron-Variante dominiert in Deutschland und treibt das Infektionsgeschehen in ungekannte Höhen. So meldete das Robert Koch-Institut am Freitag 92.223 Neuinfektionen – ein neuer Rekord. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz erreicht mit 470,6 einen Höchstwert. Schon während der Woche machte Heiligenstadt keinen Hehl daraus, dass die Spielerinnen irritiert seien, „dass weiter Handball in der Halle gespielt werden soll. Ich habe viele Lehrerinnen oder angehende Lehrerinnen oder Erzieherinnen im Team. Der Beruf hat eindeutig die höchste Priorität.“


„Aktuell ist die Unsicherheit im Team zu groß"

Auch Schlusslicht MTV Geismar wird die beiden Spiele am Sonnabend beim SV Altencelle und eine Woche später bei der HSG Plesse-Hardenberg nicht austragen. „Aktuell ist die Unsicherheit im Team zu groß. Die Spielerinnen wollen nicht das Risiko eingehen“, sagte MTV-Trainer Yunus Boyraz-Schilling. „Beide Spiele sollen nachgeholt werden, wenn sich die Situation entspannt hat.“

Auch das Schlagerspiel der Frauen-Landesliga zwischen dem ungeschlagenen Zweiten MTV Rohrsen und dem verlustpunktfreien Spitzenreiter HSG Göttingen muss auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werden. „Wir haben uns im beiderseitigen Einvernehmen dazu entschieden, die Partie zu verlegen. Es gibt bessere Zeitpunkte, um ein Spitzenspiel auszutragen“, erklärte Rohrsens Trainer Oliver Duus. Außer der angespannten Corona-Lage haben auch personelle Engpässe zu der Entscheidung beigetragen. Auch das Spiel zwischen der SG Börde Handball und dem DSC Dransfeld wurde verschoben.

Oberliga-Männer wollen Spiele austragen

Auch bei den Landesliga-Männern wurden mehrere Spiele abgesagt, unter anderem die Begegnung des Northeimer HC II gegen die HSG Plesse-Hardenberg II sowie das Kellerduell zwischen dem Schlusslicht Eintracht Hornburg und dem MTV Geismar.

Gespielt werden soll weiterhin in der Oberliga der Männer, wo die HSG Plesse-Hardenberg am Sonntag beim Lehrter SV antritt. Dietmar Böning-Grebe, Trainer des Burgenteams, möchte die coronabedingten Spielausfälle nicht bewerten: „Das muss jeder selbst entscheiden.“

Das für Sonnabend geplante Spiel des TV Jahn Duderstadt bei der HSG Schaumburg Nord wurde hingegen kurzfristig abgesagt, nachdem am Freitag zwei Spieler der Eichsfelder positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, wie der Klub mitteilte.

Obwohl das Training der Duderstädter – die letzte Einheit fand Donnerstagabend statt – strikt unter 2G-plus-Bedingungen ablaufe, hätten sich die Verantwortlichen für eine Absage des Auswärtsspiels entschieden. Das Risiko weiterer potenzieller Ansteckungen solle ausgeschlossen werden. Die HSG Schaumburg-Nord und der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) hätten dieser Entscheidung viel Verständnis entgegengebracht, sagte der Vorsitzende des TV Jahn, Ekkehard Loest.

Handball-Verband verschärft Corona-Regeln - und führt Tetspflicht ein

Unterdessen hat der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) die Corona-Regeln noch einmal verschärft und führt mit sofortiger Wirkung eine allgemeine Testpflicht ein – und zwar für den Erwachsenen- und den Jugendspielbetrieb. Für den Damen- und Herrenbereich bedeutet dies, dass der Spielbetrieb ab sofort unter einer verschärften 2G-plus-Regelung erfolgt. Diese gilt nach Angaben des HVN auch für Spieler und Offizielle, die eine Auffrischungsimpfung (Booster) erhalten haben oder einen Genesenennachweis nach der vollständigen Schutzimpfung vorweisen können. „Damit gehen wir einen Schritt weiter als es die aktuelle Corona-Schutzverordnung für unsere Sportart vorsieht und wollen so ein zusätzliches Maß an Sicherheit gewährleisten“, erklärte Vize-Präsident Spieltechnik Jens Schoof.

Kinder und Jugendliche sind von der Anwendung der 2G-Regelung nicht betroffen, müssen aber ab dem Wochenende ebenfalls einen negativen Testnachweis vorlegen. Gültig sind hier – ebenso wie im Seniorenbereich – PCR-Tests (48 Stunden alt) und Antigen-Tests (24 Stunden alt) mit gültigem Zertifikat sowie Selbsttests unter Aufsicht des gastgebenden Vereins. Für die Testung unter Aufsicht muss die zu testende Person selbst einen geeigneten Test mitführen. Der gastgebende Verein stellt lediglich die Aufsicht.

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Der HVN hat damit beschlossen, dass beim Nachwuchs die Testung an den Schulen nicht mehr ausreicht. „Die Einführung von Testungen vor den Spielen stellt ein geeignetes Mittel dar, um Kindern und Jugendlichen das Handballspielen auf der einen Seite zu ermöglichen und dabei auf der anderen Seite bestmöglich geschützt zu sein“, sagte Jugendspielwart Olaf Bunge.

Die Vereine sollten ihr Hygienekonzept schnellstmöglich anpassen, so der HVN. Kurzfristige Spielverlegungen seien für die Klubs nach wie vor kostenlos möglich.

Von Ferdinand Jacksch und Andreas Fuhrmann