12. November 2020 / 16:25 Uhr

Corona-Auszeit im Fußball: „Ball flach halten und nicht verrückt machen lassen"

Corona-Auszeit im Fußball: „Ball flach halten und nicht verrückt machen lassen"

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
Die Kreisoberligisten müssen sich bis zum Restart in Geduld üben. © Christian Modla
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Die erneute Corona-Zwangspause bringt ungewohnte Freizeitbeschäftigungen mit sich. Die Trainer und Fußballer der Kreisoberliga hoffen auf einen Wiederbeginn im Dezember. Bis dahin arbeiten die Kicker regelmäßig an ihrer Fitness oder genießen Fußball im Fernsehen.

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Muldental/Leipziger Land. Dienstag- beziehungsweise Donnerstagabend ein Gläschen Rotwein mit der Gemahlin auf der Couch und dann noch mal kurz mit dem Hund raus statt des geliebten Bierchens mit den Sportfreunden im Clubheim nach dem Training. Samstagnachmittag den Keller aufräumen oder das Supermarktregal plündern, statt beim Punktspiel um drei wichtige Zähler für die eigene Mannschaft zittern. Die erneute Corona-Zwangspause hat den Protagonisten des Fußballs abermals ungewohnte Freizeitbeschäftigungen beschert. Auch die Trainer der Männer-Kreisoberligisten aus dem Südosten des Verbandsgebiets Muldental/Leipziger Land wurden wieder einmal unsanft aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Wenigstens bleibt etwas Zeit, die Stirn zu runzeln und sich Gedanken über die nahe Zukunft des regionalen Kicker-Geschehens zu machen.

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Lediglich Freizeitvergnügen

Jörg Soujon (Coach des Roßweiner SV) nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die Situation ist echt beschissen. Und das sage ich nicht, weil wir Tabellenführer sind. Nach vier Wochen kompletter Zwangspause Anfang Dezember gleich wieder in den Spielbetrieb einzusteigen geht gar nicht, so viel steht definitiv fest. Aber wer weiß, ob dieses Jahr überhaupt noch etwas stattfinden kann. Deshalb gilt zunächst die Devise, den Ball flach halten und sich nicht verrückt machen lassen. Wir müssen ohnehin auf positive Signale von Frau Merkel oder anderen politischen Verantwortungsträgern warten. Zuvor hat es gar keinen Sinn, in Sachen Trainingsstart irgend etwas in die Wege zu leiten. Wir haben schließlich genügend routinierte Leute in der Mannschaft. Die wissen doch ganz genau, wie sie sich zu verhalten haben und sich fit halten können. Da muss ich keine Faxen machen oder das Fahrrad neu erfinden. Wenigstens läuft im Fernsehen der Fußball weiter, da wird es zu mindestens nicht langweilig.“

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Rico Meister (Trainer des VfB Leisnig) lässt sich ebenso nicht aus der Ruhe bringen: „Das ist alles nicht schön und wirklich ärgerlich, keine Frage. Allerdings sollten wir die Kirche im Dorf lassen. Es ist lediglich unser Freizeitvergnügen, dem wir vorübergehend nicht nachgehen können. Da ist Jammern auf hohem Niveau wohl kaum angemessen. Vielleicht können wir ja die beiden letzten Spieltage im Dezember noch austragen. Eventuell zentral auf Kunstrasenplätzen, die Anstoßzeiten müssten dann halt per Los festgelegt werden. Dies aber alles unter der Voraussetzung, dass wir vorher trainieren dürfen."

Übungen via App

Mathias Donath (Coach des SV Ostrau) ist gleichfalls bemüht, gelassen zu bleiben: „Natürlich schmeckt die erneute Auszeit keinen von uns, jedoch steht es eben nicht in unserer Macht. Und ob ein Wiederbeginn bereits im Dezember möglich ist, erscheint mir äußerst fraglich. Erst vier Wochen gar nichts machen und dann sofort wieder in die Punktekämpfe einsteigen, wäre einfach unvernünftig. Klar halten sich unsere Spieler so gut es geht individuell fit, sie sind es schließlich bereits aus dem Frühjahr gewohnt. Mannschaftstraining ist allerdings etwas völlig anderes und nicht so einfach zu ersetzen. Den Spielplan betreffend, wirft uns die jetzige November-Pause bei bislang bestem Fußball-Wetter logischerweise weit zurück. Mal schauen, welche Probleme die vom Verband ins Spiel gebrachte Kunstrasenvariante lösen kann.“

Thomas Henschel (Trainer des Döbelner SC) versucht unisono, der aktuellen Lage die besten Seiten abzuringen: „Obwohl in unseren Reihen verständlicherweise keiner begeistert ist über den abermaligen Lockdown. Zumal die Truppe zuletzt sehr ordentlich unterwegs war und es deshalb doppelt schade ist, dermaßen ausgebremst zu werden. Doch da müssen wir jetzt durch, alles ist gut. Für diesen Monat haben wir den Spielern erst einmal mittels einer App Übungen aufgetragen. Da werden Laufeinheiten absolviert und kontrolliert werden kann es auch. Persönlich glaube ich sowieso eher an eine noch längere Pause, es ist allerdings schwer Prognosen zu wagen. In der Zwischenzeit ist der Verband gefordert, bezüglich des ins Schlingern gekommenen Spielplans Szenarien zu entwerfen.“

Restart im Dezember?

Martin Scheidig (Coach des BC Hartha) macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Wir haben die abermalige Zwangspause mit einigem Unverständnis aufgenommen. Die Entscheidung war zwar abzusehen, allerdings bezweifle ich beim Sport deren Sinnhaftigkeit. Mit einem Wiederbeginn im laufenden Kalenderjahr rechne ich ehrlich gesagt nicht, das sollte man realistisch sein. Nach vier Wochen Auszeit sofort durchzustarten ist völlig utopisch. Wie es dann später weiter geht, da sollte der Verband eine Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben. Ansonsten gehe ich fest davon aus, dass unsere Spieler regelmäßig etwas für ihre Fitness tun werden. Das geschieht bei uns auf Vertrauensbasis.“

Während der Gespräche mit den Trainern hat der hiesige Fußballverband in einem Rundschreiben bekannt gegeben, von einem Restart im Dezember auszugehen. Wie Präsident Harald Sather verlauten ließ, werde man Kontakt zu Vereinen mit Kunstrasenplätzen aufnehmen und somit die Durchführung von Nachholbegegnungen einigermaßen gewährleisten. Die entstehenden Kosten würden vom Verband übernommen.